Die Fahrt mit Bussen und Bahnen in der ­Region Stuttgart wird teurer. Besonders ­betroffen sind Familien. Foto: Lg/Max Kovalenko

Der Verkehrs- und Tarifverbund will im Jahr 2018 rund 9,6 Millionen Euro mehr einnehmen. Die einzelnen Fahrkartensegmente sind von der Erhöhung sehr unterschiedlich betroffen.

Stuttgart - Die durchschnittliche Preiserhöhung im Verkehrsverbund (VVS) wird 2018 mit 1,9 Prozent so hoch liegen wie zum 1. Januar 2017. Unter der Marke von zwei Prozent zu bleiben, hat kosmetische und politische Gründe. Dennoch gibt es bei einzelnen Fahrkartenarten erhebliche Ausreißer mit bis zu 8,3 Prozent Erhöhung, vor allem bei Kinderkarten.

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) als großer Anbieter und einige Busunternehmen hatten mehr als die 1,9 Prozent im Durchschnitt gefordert. Doch die Pünktlichkeits-Misere bei der Schnellbahn, über die der Verband Region Stuttgart am Mittwoch mit der Bahn AG erneut lange diskutierte und bei der seit Jahren keine Besserung in Sicht ist, führen zu anhaltend heftiger Kritik der Fahrgäste.

Belastungen sehr unterschiedlich

Bei den einzelnen Fahrkarten, über die der VVS-Aufsichtsrat am 25. Juli beraten soll, sind die Belastungen für die Kunden sehr unterschiedlich verteilt. Deutlich über der durchschnittlichen Erhöhung liegt das Kurzstreckenticket mit 7,7 Prozent. Es verteuert sich nach zwei Jahren von 1,30 auf 1,40 Euro. 2006 war dieses Ticket reformiert worden. Seitdem gilt es in Bus und Stadtbahn bei der Fahrt bis zur dritten Haltestelle nach dem Einstieg, seit 2012 gilt es auch in der S-Bahn für eine Station. Zu Beginn war die Kurzstrecke zum Signalpreis von einem Euro beworben worden. Sie sollte neue Kunden anlocken. Aus der Kurzstrecke erhofft sich der Verbund durch die Erhöhung 2018 rund 11,4 statt bisher 10,6 Millionen Euro Einnahmen.

Prozentual erheblich ist die Steigerungen für 2018 bei nahezu allen Kindertickets. Und das ist nicht erstmals der Fall. Eine Zone steigt von 1,20 auf 1,30 Euro und damit um 8,3 Prozent, drei Zonen um fünf Prozent. Ähnliche Raten gibt es bei den Vierertickets für Kinder. Für den Aufsichtsrat hat der VVS die Preisentwicklung für alle Fahrkartenarten seit 2013 dargestellt. Dabei fällt auf, dass die Kindertickets bis zu vier Zonen deutlich über der durchschnittlichen Erhöhung von 2,4 Prozent seit 2013 liegen. Sie erreichen über drei Prozent, bei drei Zonen sogar über vier Prozent. Derartige Werte finden sich bei den Erwachsenentickets und auch bei den Monats- oder Jahrestickets nicht. Hier steht nahezu immer eine zwei vor dem Komma. Familien könnten angesichts ­dieser Entwicklung ins Grübeln kommen: Warum wird hier derart zugegriffen?

Kunden nach 9 Uhr sind Gewinner

Spendabel will sich der Verbund im kommenden Jahr gegenüber jenen zeigen, die ihre Fahrt morgens grundsätzlich erst nach 9 Uhr antreten und damit die zuvor rappelvollen Bahnen und Busse entlasten. Beim 9-Uhr-Umwelt-Ticket wird der Preis über alle Stufen reduziert, er sinkt um rund 1,5 Prozent, womit der VVS 2018 auf rund 270 000 Euro gegenüber dem Vorjahr verzichten will. Neu angeboten werden soll die Bezuschussung des 9-Uhr-Umwelttickets durch Firmen. Für Arbeitnehmer, die zehn Euro Zuschuss im Monat vom Arbeitgeber erhalten, werden zwei Zonen ab 9 Uhr dann nur noch 49,95 Euro statt heute 55,50 Euro kosten. Auch der Rabatt für eine Zone stiege in diesem Fall. Sie kostet dann 38,63 statt 42,92 Euro bei monatlicher Abbuchung. So will der VVS die Zahl der Dauerkunden weiter erhöhen. Mittlerweile profitieren mehr als die Hälfte der Firmenticket-Nutzer (57 Prozent) von dem Zuschussmodell, heißt es in der Vorlage an den Aufsichtsrat.

Eine interessante Entwicklung zeichnet sich bei den bisherigen Feinstaubtickets ab. Sie soll es vom 15. Oktober bis 15. April 2018 nicht mehr als Einzel-, sondern nun als preisreduziertes Tagesticket geben. Die billigen Einzeltickets – Erwachsene konnten in Alarmzeiten eine Kinderkarte lösen – haben VVS und Land rund elf Millionen Euro gekosten. Mit dem verbilligen Tagesticket könnten nun bis zu zwei Zonen für fünf statt bisher 6,90 , bis zu vier Zonen für 8,40 statt 11 Euro bewältigt werden. Das ­reduzierte Tagesticket soll nicht mehr Feinstaubticket heißen. Der Arbeitstitel laute „Luftreinhalteticket“, erfahren die Aufsichtsräte, weil ja nicht nur die Feinstaub-, sondern auch die Stickoxidgrenz­werte überschritten seien. Letztere reißen aber vor allem im Sommer, also nach dem 15. April, alle Hürden.

Folgt man der Argumentation des VVS für den Arbeitstitel, dann müsste es die günstigen Tagestickets nicht nur bis April, sondern wegen eines möglichen Stickoxid­alarms, für den das Land Vorbereitungen trifft, das ganze Jahr über geben.

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