Gewalt in der Beziehung ist viel zu häufig ein Tabuthema. Das zeigt eine Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamts und der Regierung. Foto: Fabian Sommer/dpa

19 von 20 Übergriffe in der Partnerschaft werden nicht angezeigt – und manche Fakten aus politischen Gründen ignoriert, meint unser Autor Armin Käfer.

Eine Schattenseite unseres Alltags ist viel düsterer als gedacht: Wie oft Menschen Gewalt erleiden, wird enorm unterschätzt. Das offenbart eine sogenannte Dunkelfeldstudie, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht worden sind. Sie leuchtet das Zwielicht von Beziehungskrisen und des von viel zu vielen Übergriffen geprägten Zusammenlebens aus. Der Befund ist haarsträubend. Er macht deutlich, dass Gewaltopfer, überwiegend Frauen, in den meisten Fällen mit ihrem Leid alleine bleiben – und die Urheber solcher Schandtaten nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

 

Das zeugt von Ignoranz und mangelnder Sensibilität. Es fehlt aber auch an Hilfe und Obhut. Allein in Frauenhäusern würden bundesweit 14 000 Plätze mehr benötigt, als es gibt. Besserung verspricht das vor einem Jahr in Kraft getreten Gewalthilfegesetz. Allerdings braucht es mehr als Paragrafen und Geld, um diesem alltäglichen Skandal beizukommen. Blinde Flecken gibt es nicht nur in der Kriminalstatistik, sondern auch in politischen Diskursen. Ein Beispiel aus der Dunkelfeldstudie: Fast jede zweite Person wurde schon sexuell belästigt. Die Zahl der offiziell gemeldeten Straftaten dieser Art hat binnen fünf Jahren um 54,8 Prozent zugenommen. Unter den Tatverdächtigen sind 43,3 Prozent Migranten – dreimal so viele, wie ihr Anteil an der Bevölkerung vermuten ließe. Dieses Missverhältnis ist hier deutlicher als bei allen anderen Sexualdelikten. Auch solche Fakten gehören zum Dunkelfeld.