Ist rotes Fleisch nun gefährlich für die Gesundheit oder nicht? Die Studien dazu sind widersprüchlich. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild//Hendrik Schmidt

Der Verzehr von viel Fleisch kann zu Krebs und anderen Krankheiten führen, lautet die gängige Meinung. Eine neue Studie stellt das nun in Frage – und erntet jede Menge Kritik.

New York - Das Essen von rotem Fleisch wird mit einem erhöhten Risiko für Krebs und Herzkrankheiten in Verbindung gebracht. Doch ist das Risiko groß genug, um auf Burger und Steak zu verzichten?

Ein Team internationaler Forscher sagt: Wahrscheinlich nicht, und widerspricht damit dem weit verbreiteten Rat. In einer Reihe von am Montag in der Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine“ veröffentlichten Berichten kommen die Forscher zu dem Schluss, dass das erhöhte Risiko gering und nicht bewiesen ist, und sich der Verzicht für Menschen, die Fleisch mögen, wahrscheinlich nicht lohnt. Ihre Schlüsse wurden rasch von einer Gruppe prominenter US-Wissenschaftler kritisiert, die sogar den ungewöhnlichen Schritt unternahmen, die Veröffentlichung zu stoppen, bis auf ihre Kritik eingegangen wurde.

Die neue Arbeit behauptet nicht, rotes Fleisch oder verarbeitetes Fleisch wie Hotdogs und Schinken seien gesund, oder dass Menschen mehr davon essen sollten. Die Berichte vergangener Studien unterstreichen generell die Verbindungen zu Krebs, Herzkrankheiten oder anderen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Doch die Autoren sagen, die Nachweise seien schwach, und es gebe keine große Sicherheit, dass Fleisch tatsächlich der Übeltäter sei, da auch die sonstige Ernährung und der Lebensstil eine Rolle spielten.

Effekte einzelner Nahrungsmittel können schwer gemessen werden

Die meisten Leuten, die das Ausmaß des Risikos verstanden, sagten „vielen Dank, aber ich werde weiterhin mein Fleisch essen“, sagte einer der Co-Autoren der Studie, Gordon Guyatt von der kanadischen McMaster University.

Die Schlussfolgerungen zeigen, wie Unsicherheiten in der Ernährungsforschung die Tür für widersprüchliche Ratschläge offen lassen. Kritiker sagen, Ergebnisse seien häufig nicht von starken Beweisen gedeckt. Verteidiger halten dem entgegen, dass die Ernährungsforschung selten abschließend bewerten kann, weil es schwierig ist, den Effekt einzelner Nahrungsmittel zu messen. Die Methoden seien jedoch verbessert worden.

„Worauf wir schauen müssen, ist die Beweislast - Gerichte nutzen sie“, sagte Walter Willett, Professor für Ernährungswissenschaften an der Harvard University. Er gehörte zu denjenigen, die die Veröffentlichung der Studie verschieben wollten. Willett hat Studien geleitet, die Fleisch mit negativen Folgen für die Gesundheit in Verbindung gebracht haben. Die jüngste Veröffentlichung gehe beispielsweise nicht auf die nachgewiesenen Vorteile ein, rotes Fleisch gegen vegetarische Optionen auszutauschen.

Das Fachmagazin „Annals of Internal Medicine“ verteidigte die Arbeit und teilt mit, die Anfrage, die Veröffentlichung zu verzögern, sei nicht, wie wissenschaftlicher Diskurs funktionieren solle. Co-Autor Guyatt nannte den Versuch „albern“.

Tierwohl und Umwelt bleiben bei Studie außen vor

Die Autoren wollten den möglichen Einfluss von weniger Fleisch messen, und orientierten sich am Durchschnitt von zwei bis vier verspeisten Portionen in Nordamerika und Europa. Die für einen Verzicht sprechenden Beweise waren ihnen zufolge jedoch nicht überzeugend. Beispielsweise fanden sie heraus, dass bei einem Verzicht auf drei Portionen Fleisch pro Woche aus einer Gruppe von 1000 Menschen sieben weniger an Krebs starben.

Auf Grundlage dieser Analyse schlussfolgerte das Team aus internationalen Forschern, die Leute müssten sich nicht aus gesundheitlichen Gründen einschränken. Sie vermerkten jedoch auch, dass die Beweislage schwach sei - und ließen andere Faktoren für einen Verzicht außen vor, wie das Tierwohl und den Einfluss der Produktion von Schweinefleisch auf die Umwelt.

Ein weiterer Kritiker des Forschungsberichtes, Frank Hu, der ebenfalls für die Harvard University arbeitet, hob außerdem hervor, dass ein Drittel der erwachsenen US-Amerikaner täglich mindestens eine Portion Fleisch essen. Die Vorteile des geringeren Fleischverzehrs seien für diese Menschen deutlich größer.

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