Reichsbürger dokumentieren mit skurrilen Dokumenten wie einem solchen Reisepass, dass sie den deutschen Staat ablehnen. Foto: dpa/Patrick Seeger

Laut einer neuen Studie des Landes Baden-Württemberg sind die Reichsbürger zwar im Durchschnitt relativ alt. Die Szene habe aber offenbar keine Nachwuchsprobleme.

Stuttgart - Alt, männlich und verbittert – so stellt man sich den typischen Reichsbürger vor. Laut einer neuen Studie des Landes hat die Szene der Staatsfeinde allerdings keine Nachwuchsprobleme, im Gegenteil: Bei den ausgewerteten Fällen stellten die Experten sogar eine leichte Verjüngung fest.

50 Jahre alt im Schnitt

Das Kompetenzzentrum gegen Extremismus (Konex), das beim baden-württembergischen Innenministerium angesiedelt ist, hat sich die öffentliche Berichterstattung über 487 Reichsbürger näher angeschaut, die in den letzten 15 Jahren bundesweit durch Straftaten und Ordnungswidrigkeiten aufgefallen sind. Dabei kam es zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass das Durchschnittsalter der Täter in den Jahren 2015 bis 2018 um 1,5 Jahre gesunken ist – von 51 auf 49,5 Jahre. „Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Bewegung einen relativ konstanten Nachwuchs von jüngeren neuen Mitgliedern erhält“, heißt es in der neuen Studie, die unserer Zeitung vorliegt. Die Hoffnung trügt also, die Reichsbürger könnten aufgrund ihres relativ hohen Durchschnittsalters aussterben. „Das Problem wird sich definitiv nicht von selbst lösen“, sagt Verena Fiebig, eine der Autoren der Studie. Dies zeige sich auch daran, dass es ähnliche Bewegungen auch in anderen Staaten gebe.

Erster Kontakt durch Googeln

Bundesweit gibt es laut Verfassungsschutz 19 000 Reichsbürger und Selbstverwalter, in Baden-Württemberg 3200. Die Szene macht vor allem der Polizei, der Justiz und den Ordnungsämtern zu schaffen und ist sehr heterogen. Gemein ist allen Mitgliedern, dass sie den deutschen Staat ablehnen und seine Autorität nicht akzeptieren. Feste Strukturen gibt es so gut wie nicht, in Kontakt mit der Ideologie kommen vor allem auch jüngere Menschen meist übers Internet. „Googelt man Fragen wie ‚Darf der Staat Steuern einbehalten?’ oder ‚Gibt es Deutschland überhaupt?’, dann stößt man fast automatisch auf Reichsbürger“, so Daniel Köhler, der zweite Autor der Studie.

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