Simon Kohler hat eine Woche lang eine Ausbildung zur Rettung von Schlangen und Reptilien absolviert. Foto: privat

Python, Natter, Bambusotter: In Böblingen gibt es eine Spezialgruppe, die sich mit Reptilien auskennt. Das ist einzigartig im Kreis.

Dass es ab und zu gefährlich wird, daran ist die Feuerwehr Böblingen gewöhnt. Die Retter und Retterinnen in der Not können Feuer löschen, Kühe aus Güllegruben ziehen, Katzen von Bäumen holen – und seit Neuestem können sie auch giftige Schlangen wieder einfangen: Die Feuerwehr Böblingen hat seit Kurzem eine Fachgruppe, die im Umgang mit Schlangen und Reptilien geschult ist. Sie ist die einzige ihrer Art im Kreis Böblingen.

 

Klapperschlangen, Pythons, Kornnatter, Bambusottern und Vogelspinnen – für viele Menschen in Deutschland ist das nichts Besonderes mehr: Laut dem Statistik-Portal Statista gibt es etwas mehr als eine halbe Million Terrarien in deutschen Haushalten. Doch wenn die Tiere ausbrechen – oder einfach ausgesetzt werden – kann die Situation schnell gefährlich werden, vor allem, wenn sich niemand mit den potenziell giftigen Tieren auskennt. Deshalb haben sich drei Einsatzkräfte der Böblinger Feuerwehr auf einer Schlangenfarm in Niedersachsen im fachgerechten Umgang mit Schlangen und Spinnen schulen lassen.

Tierischer Weltrekord

Auf über 1000 Quadratmetern wohnen dort rund 600 Tiere, davon allein 58 Schlangenarten. Gegründet hat die Schlangenfarm Jürgen Hergert im Jahre 1976. Der Zoologe stellte 1983 einen Weltrekord auf, indem er 90 Tage auf engstem Raum mit 26 giftigen Schlangen lebte. Hergert leitet die Farm schon lange nicht mehr, aber lernen kann man dort weiterhin.

„Wir arbeiten in der Regel eng mit der Tierrettung zusammen“, erklärt Maja Schneck, die Pressesprecherin der Böblinger Feuerwehr. Doch es komme immer wieder vor, dass im Notfall kurzfristig niemand zur Verfügung stehe, deshalb habe die Feuerwehr beschlossen, selbst Expertise in diesem Gebiet aufzubauen, um schnell und effizient und vor allem im Sinne des Tierwohls handeln zu können. Auch umliegende Landkreise hätten sich bereits bei den Böblingern erkundigt, um im Notfall auf ihr Wissen zurückgreifen zu können.

„Da braucht es schon Mut am Anfang“

Simon Kohler war einer derjenigen, die sich eine Woche lang auf einer Schlangenfarm in Niedersachsen hat schulen lassen. Neben theoretischem Wissen über Giftzähne und Gegengifte, ging es am zweiten Tag direkt ans Eingemachte: Wie hält man eine Schlange? Wie kann sie am Boden fixiert werden? All das lernten die Auszubildenden anhand von echten, teilweise hochgiftigen Schlangen. „Da braucht es schon Mut am Anfang“, erzählt Simon Kohler. Wäre jemand gebissen worden, hätte das Opfer per Hubschrauber schnellstens in Krankenhaus transportiert werden müssen, um an ein Gegengift zu kommen. Doch der Lehrgang verlief ohne Zwischenfälle.

Umso wichtiger sei es dennoch, zu wissen, was man tue, wenn man auf ein solches Tier stoße, sagt der 25-Jährige. Grundsätzlich würden sie alle Schlangen bei Einsätzen zunächst so behandeln, als seien sie giftig. Denn die Tiere seien feinfühlig: „Wenn wir angespannt waren, hat sich das sofort auf die Schlagen übertragen“, erzählt Simon Kohler. Keine optimale Situation, vor allem wenn das Gegenüber Giftzähne hat.

Die Fachgruppe soll weiter wachsen

Nach und nach soll die Fachgruppe der Böblinger Feuerwehr erweitert werden, erzählt Pressesprecherin Maja Schneck. Ziel sei es, dass die Gruppe an Reptilien-Experten so groß werde, dass im Falle eines Falles immer jemand erreichbar sei. Und da solche Einsätze nicht ganz so oft vorkommen, gebe es einmal pro Jahr eine Auffrischung, damit die Feuerwehrleute in Übung bleiben.

Bis jetzt gab es noch keinen Einsatz, bei dem die Fachleute ihr Wissen testen konnten. Bei einem Hilferuf Anfang Juni aus Holzgerlingen stellte sich die Schlange als heimische Ringelnatter heraus.