Feuerbach-Ost aus der Vogelperspektive: In dem Gewerbe- und Industriegebiet tummeln sich verschiedene Nutzer. Eine Imagekampagne soll nun das Wir-Gefühl stärken. Foto: Werner Kuhnle

Feuerbach-Ost ist ein Gewerbegebiet mit unterschiedlichsten Nutzungen. Es gibt dort unter anderem Autosalons, Großfirmen, Fitnesstempel, Gotteshäuser und eine Disco. Ein Gewerbegebietsmanagement soll für neue Initiativen und Impulse sorgen.

Feuerbach - Eine Obstbaumschule und eine Gärtnerei säumten einst die Heilbronner Straße. Klingt unvorstellbar? Und dennoch gab es eine solche Nutzung Mitte der 1950er Jahre in Feuerbach-Ost.

Obst und Gemüse wachsen dort längst nicht mehr, dafür gedeihen in dem Gewerbegebiet und auf der City Prag neue Großprojekte. Porsche will offenbar ein 85-Meter-Hochhaus am Pragsattel auf seinem firmeneigenen Grundstück an der Ecke Siemens-/Heilbronner Straße bauen. „Ein Bauantrag oder eine Bauanfrage liegt momentan noch nicht vor“, sagt Kirsten Rickes, Leiterin des Baurechtsamtes. Doch das könne sich sehr kurzfristig ändern: „Wir wissen, dass Porsche dort plant“, sagt Rickes. Und offenbar mit einer „gewissen Dringlichkeit“. Die Beteiligten halten sich bedeckt, obwohl das Projekt bereits im Frühjahr im städtischen Gestaltungsbeirat vorgestellt wurde. Es sei danach vereinbart worden, die Pläne nochmals zu ändern, sagt Rickes. Inwieweit dieser Prozess abgeschlossen ist, kann die Chefin im Baurechtsamt nicht sagen. Klar ist aber: Der Bebauungsplan lässt einen 85-Meter-Turm an dieser Stelle zu und ein Projektentwickler ist offenbar auch schon gefunden: Aus dem Stuttgarter Rathaus ist zu hören, die Stuttgarter Bülow AG wolle als Bauherr das Großprojekt für Porsche realisieren.

Mercedes-Benz will auch an die Heilbronner Straße

An anderer Stelle stehen weitere Investoren in Feuerbach-Ost in den Startlöchern, auch Daimler hat ein Großprojekt in der Pipeline: Auf dem ehemaligen „Hahn + Kolb“-Gelände an der Ecke Borsig-/Heilbronner Straße will Mercedes-Benz eine neue Niederlassung bauen. Sie soll nicht mehr nur als einfaches Autohaus dienen, sondern ein Mobilitätszentrum für die Zukunft werden. Daimler bündelt dort seine Vertriebsaktivitäten. Auch Bosch hat das Gebiet jenseits des Feuerbacher Bahnhofes zwischen Siemens-, Borsig- und Heilbronner Straße entdeckt. Auf dem neuen Bosch-IT-Campus werden unter dem Oberbegriff „Internet der Dinge“ die Aktivitäten des Unternehmens im IT-Bereich gebündelt.

Nur ein paar Schritte weiter – im türkischen Viertel – ist die Uhr städteplanerisch in den 1970er oder 1980er Jahren stehengeblieben. Alles sieht wie früher aus. Aber nicht mehr lange. Die Ditib-Gemeinde plant zwischen türkischen Cafés, Großbäckereien und Kleiderläden den Bau einer neuen Moschee. Außerdem existieren in dem Industriegebiet auch Alternativbetriebe wie zum Beispiel der „Hobbyhimmel“ im Kreativzentrum IW8 an der Siemensstraße, eine offene Werkstatt, die für jeden offensteht und wo man für ein paar Euro Spezialwerkzeuge nutzen kann.

Feuerbach-Ost ist im Wandel

Feuerbach-Ost befindet sich im Aufbruch und Wandel. Rund 28 000 Beschäftigte arbeiten in dem Stadtteil: „Das Gebiet wird sehr gut angenommen, es lebt, es funktioniert“, sagt Hermann-Lambert Oediger vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Und es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rapide gewandelt – weg vom reinen Produktionsstandort, hin zu unterschiedlichsten Nutzungen und Dienstleistungen: „Es gibt dort eine große Vielfalt, das macht die Qualität des Gebietes aus“, betont Oediger. Für die Abteilung Stadtplanung und Stadterneuerung liegt es daher nahe, diese umfassenden Veränderungsprozesse zu begleiten und ein sogenanntes „Gewerbegebietsmanagement im Arbeitsstättengebiet Feuerbach-Ost“ zu etablieren. Seit etwa zwei Jahren beteiligen sich verschiedene Akteure an dem Projekt. Träger ist das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung in Kooperation mit der städtischen Wirtschaftsförderung sowie der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart und dem Gewerbe- und Handelsverein (GHV) Feuerbach.

Eines der Ziele des Projektes ist, Entwicklungsmöglichkeiten in dem Gebiet aufzuzeigen. Am 19. November fand bereits die dritte Gebietskonferenz im Theaterhaus statt, berichtet Charlotte Schweyer vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Rund 60 Beteiligte aus dem Gewerbegebiet – sowohl Eigentümer wie Unternehmer – haben sich inzwischen auf ein Handlungsprogramm verständigt. Die zentralen Themenfelder für die Zukunft sind: „Mobilität, Gebietsversorgung, städtebauliche Aufwertung des Gebietes und auch Image und Identität, daran wollen wir jetzt weiterarbeiten“, zählt Oediger auf.

30-Tonner und Weinreben

Im Sommer wurden dazu bereits erste Maßnahmen angestoßen. Ein Landschaftsarchitektur-Büro hat ein Gestaltungskonzept vorgestellt: Dort, wo früher die ehemalige Industriebahn durchs Industriegebiet zuckelte, gibt es nun neue Grünpläne: Genauer gesagt für den Gleisbogen an Siegle-/Krailenshalden- und Borsigstraße. Außerdem hat eine Züricher Werbeagentur Ideen und Konzepte erarbeitet, wie die bunte Vielfalt der Lebens- und Arbeitswelten sowie auch der Freizeitmöglichkeiten und Kulturangebote in dem Gebiet besser dargestellt und in die Öffentlichkeit getragen werden können: Ob das nun „Börek und Bohrmaschinen“, „30-Tonner und Weintrauben“ oder „Hochzeitskleider und Hantelbänke“ sind.

Tatsächlich hat sich in dem Industriegebiet eine bunte Melange entwickelt. Alle tummeln sich hier auf relativ engem Raum. Und es gibt Staunenswertes zu entdecken: Ein Islandpferdezentrum, eine Großdisco, die wie ein gelandetes Raumschiff an der B10/27 aussieht, und eine der größten evangelikalen Großkirchen in Deutschland – das Gospel Forum. Jeden Sonntag pilgern tausende Gläubige in den Flachbau der Freikirche an der Junghans­straße. Zwischen Mega-Church und Mega-Waschstraße liegen in Feuerbach nur wenige Fußmeter. An der Ecke Siegle-/Heilbronner Straße befindet sich Mr. Wash. Als „größte Waschstraße der Welt“ wurde sie in einer Fernseh-Reportage vorgestellt.

Die Teilnehmer am Gewerbegebietsmanagement wollen unterdessen den regen Austausch in dem Gebiet fortsetzen und an einem Strang ziehen. „Die besprochenen Schlüsselmaßnahmen werden nun mit Unternehmern und Eigentümern angegangen“, sagt Oediger. Nächsten Sommer ist bereits die nächste Gebietskonferenz der beteiligten Akteure geplant. So soll der Gewerbestandort fit für die Zukunft gemacht, attraktiv und bedarfsorientiert weiterentwickelt werden. Das wird aber sicherlich kein einfaches Unterfangen.

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