Ein Container für vier Arten Verpackungsmüll – das geht auf dem Pop-up-Wertstoffhof am Sportplatz Flacht. Foto: Simon Granville

Auf den neuen Pop-up-Wertstoffhöfen in Weissach und Flacht gibt es nur noch einen Container für Verpackungsmüll statt vier. Was steckt hinter diesem Pilotprojekt?

Die Parkbuchten am Sportplatz Flacht sind gut gefüllt. Doch nicht das Training der F-Jugend auf dem Rasen ist der Grund für den regen Besuch. Beladen mit Kisten, Kartons und Plastiksäcken wird zwischen dem Kofferraum und zwei orangefarbenen Containern gependelt. Der Pop-up-Wertstoffhof in Flacht hat an diesem Nachmittag geöffnet.

 

Neben den Behältern für Glas und Dosen sowie zwei für die Altkleidersammlung, die schon seit Jahren hier zu finden sind, stehen nun auch zwei Presscontainer des Abfallwirtschaftsbetriebs Böblingen (AWB). Einer für Altpapier und Kartonagen, der andere für sämtlichen Verpackungsmüll außer eben Dosen. Das überrascht so manchen Wertstoffhof-Besucher.

Aufwendiges Mülltrennsystem im Kreis Böblingen

Leichtverpackungen, Aluminium, Tetra-Paks, Plastikflaschen – all das muss im Kreis Böblingen getrennt voneinander auf den Wertstoffhöfen in vier verschiedenen Container entsorgt werden. Und so war es auch bis März auf dem Weissacher Wertstoffhof im Ortsteil Flacht, bis dieser schließen musste. Seit April gibt es nun das Konzept mit den zwei Pop-up-Wertstoffhöfen am Sportplatz in Flacht und auf dem Bahnhofsgelände in Weissach. Nur eben ohne Plastikmüll-Trennung. Aber warum?

Das Landratsamt spricht auf Nachfrage von einem „Pilotprojekt auf Zeit“, das aufgrund der schwierigen Standortfrage in der Porsche-Gemeinde gestartet wurde. Der alte Wertstoffhof hatte der Erweiterung des Bauhofs der Gemeinde weichen müssen. Doch die Suche nach einem neuen Standort hatte sich schwierig gestaltet. So war im vergangenen Jahr die Idee mit den Pop-up-Wertstoffhöfen herangereift.

„In enger Abstimmung mit der Gemeinde wurde vereinbart, zunächst testweise und temporär für die Materialien, die in jedem Haushalt regelmäßig und in größerer Menge anfallen, mobile Container aufzustellen“, erklärt Benjamin Lutsch, Pressesprecher im Landratsamt. „Für die seltenere Entsorgung von beispielsweise Sperrmüll oder Elektroschrott stehen umliegende Wertstoffhöfe zur Verfügung, insbesondere Rutesheim“, fügt Lutsch hinzu. Um den Andrang aus Weissach und Flacht aufzufangen, wurden deshalb auch die Öffnungszeiten in Rutesheim erweitert.

Doch warum ist es in Flacht und Weissach möglich, den Plastikmüll in einem Behälter zu entsorgen? Ganz einfach: Der Verpackungsmüll kommt in die gleiche Sortieranlage in Leonberg wie der Abfall aus der Wertstofftonne mit dem orangefarbenen Deckel. Deren Leerung bietet der AWB gegen Entgelt an, wobei hier auch Elektro-Kleingeräte mit entsorgt werden dürfen. Im vergangenen Jahr wurden in der Leonberger Anlage laut AWB 1356 Tonnen Kunststoffabfälle sortiert, die dann ans Duale System gehen.

Das Gemisch aus Papier und Pappe kommt in die Sortieranlage in Sindelfingen, wo das landkreisweite Aufkommen an Altpapier und Kartonagen getrennt wird, sowohl aus der blauen Tonne als auch von den Wertstoffhöfen. Da sind im vergangenen Jahr 23 000 Tonnen zusammengekommen, die dann von Verwertern gekauft werden.

Modell auf andere Kommunen anwendbar?

Wäre das Flachter und Weissacher System nicht ein Modell für alle Kommunen? Die längere Antwort des Landratsamtes ließe sich in etwa mit einem „Vielleicht in Zukunft“ wiedergeben. Aktuell jedenfalls nicht. „Beide Anlagen sind bereits voll ausgelastet“, sagt Landratsamtssprecher Lutsch. Bislang wurde die aufwendige Mülltrennung finanziell begründet. Wenn alle Einwohner selbst trennen, fällt der Schritt über eine Sortieranlage weg. Trotz 31 Wertstoffhöfen sei das am Ende immer noch günstiger und sorge für niedrigere Abfallgebühren im Kreis Böblingen gegenüber anderen Kreisen.

Doch auch in dieser Rechnung ändern sich aktuell die Variablen. „Die wirtschaftliche Situation wird überall zunehmend angespannter: Steigenden Kosten stehen geringere Erlöse und auch geringere Mengen gegenüber“, sagt Benjamin Lutsch. So sei beispielsweise über die Jahre ein stetiger Rückgang beim Altpapier zu verzeichnen, was einerseits gut für die Umwelt ist, andererseits aber weniger Erlös einbringt.

Gleichzeitig macht der technische Fortschritt auch vor unserem Müll nicht halt. „Im Bereich der Leichtverpackungen existieren bereits kamera- und KI-gestützte Sortiertechniken“, berichtet der Sprecher des Landratsamtes weiter. Diese seien zum einen aber noch sehr fehleranfällig. So würden etwa verschmutzte Wertstoffe nicht immer erkannt, die dann aussortiert würden und im Restmüll landeten. Zum anderen seien diese Systeme derzeit noch sehr teuer. Wirtschaftlich rechne sich deren Einsatz nur für Großsortieranlagen. „Das Aufkommen im Kreis Böblingen ist für einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb einer solchen Anlage viel zu gering“, fügt Lutsch hinzu.

Deshalb hält man vorerst weiterhin am Wertstoffhof-Modell fest. „Perfekter kann eine Trennung nicht sein als bei der Anlieferung auf den Wertstoffhöfen“, heißt es in einem Werbetext des AWB. Also gilt für die Bewohner des Kreises Böblingen weiterhin: Den Joghurtbecher hier hin, den Milchkarton da hin. Außer eben für Flachter und Weissacher.

Wertstoffhöfe

Pop-up Flacht
Kelterstraße 1, mittwochs und freitags, 15 bis 18 Uhr.

Pop-up Weissach
Bahnhofstraße, samstags von 9 bis 15 Uhr.

Wertstoffhof Rutesheim
Im Bonholz 1, montags, mittwochs, donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 15 Uhr.