Auch Beton-Rottweiler könnten gute Wachhunde sein. Foto: Stadt Rottweil/Hermann

Schwere Betonklötze gehören mittlerweile bei Weihnachtsmärkten und anderen Großveranstaltungen zum Straßenbild. Sie sollen für Sicherheit sorgen, aber schön sind sie nicht. In Rottweil hat man sich jetzt etwas einfallen lassen.

Rottweil - Eine Demonstration in Rottweil am Wochenende hat gezeigt, wie die Ansichten auseinandergehen: Für die einen, ihre Herrchen, sind Rottweiler-Hunde Familientiere, für die anderen Kampfmaschinen. Fest steht: Wenn die stämmigen Vierbeiner mit ihrem kraftvollen Gebiss für den Polizeidienst ausgebildet werden, geschieht das wohl nicht nur wegen ihrer Gelehrsamkeit, sondern auch wegen ihres Respekt einflößenden Äußeren. In Rottweil, der namensgebenden Heimatstadt der Rasse, sollen die Hunde nun sogar beim Weihnachtsmarkt, beim Stadtfest oder bei der Fasnet Terroristen abwehren – und das ganz ohne zu bellen.

Seit dem Anschlag eines Islamisten, der auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz vor drei Jahren mit einem Lastwagen elf Menschen tötete, gehören Betonpoller zum Erscheinungsbild von Großveranstaltungen in deutschen Innenstädten. An den Zufahrten werden sie aufgestellt, um Amokfahrten vor dem Festgelände zu stoppen. Auch in Rottweil ist das so. Allerdings gelten die Poller nicht unbedingt als Augenweide. „In der Vergangenheit haben wir sie bei einer Baufirma ausgeliehen“, sagt der Sprecher der Stadt, Tobias Hermann. Dementsprechend passten sie auch besser auf eine Autobahnbaustelle als in die Straßen von Baden-Württembergs ältester Stadt.

Eine Form von Kunst-Recycling

Jetzt sollen Rottweiler-Skulpturen das Problem lösen. Die Stadt hat im ersten Schritt sechs lebensgroße Hunde bestellt. Die Vorlage stammt von dem Bildhauer Ottmar Hörl. Zusammen mit dem Rottweiler Verein Forum Kunst hatte der Konzeptkünstler vor 14 Jahren vorübergehend 500 Hundeskulpturen in der Stadt aufgestellt. Die damaligen Rottweiler waren aus Kunststoff. Jetzt würden sie aus Beton gefertigt, beschreibt der Vereinsvorsitzende Jürgen Knubben das Kunstrecycling. Inklusive Sockel wiege eine Skulptur 1,6 Tonnen.

Die Idee haben die Rottweiler den ­Ulmern abgeschaut. Beim Weihnachtsmarkt auf dem dortigen Münsterplatz avancierten im vergangenen Jahr Poller in Spatzenform zu einem beliebten Fotomotiv. Der Spatz ist das Wahrzeichen von Ulm. Laut einer Sage soll eines der Vögelchen den Münsterbauern vorgemacht haben, wie man sperriges Baumaterial durch Engstellen bugsiert.

Und was macht Stuttgart?

„Der Hype um die Spatzen hat uns selbst überrascht“, sagt Jürgen Eilts von der veranstaltenden Messe Ulm. Die überdimensionalen Betonvögel gehen ebenfalls auf eine Kunstaktion zurück. Allerdings vertraut Eilts bei der Sicherheit trotz deren tonnenschwerem Übergewicht nicht allein auf die possierlichen Vögel. Es handle sich um eine flankierende Maßnahme. An den Zufahrtsstraßen stünden weiterhin konventionelle Poller.

In Stuttgart mit dem größten Weihnachtsmarkt im Land sieht man zurzeit keinen Handlungsbedarf in puncto Pollerästhetik. „Für uns steht die Funktionalität im Vordergrund“, sagte ein Sprecher der Landeshauptstadt. Aus der Bevölkerung seien bisher auch noch keine Beschwerden eingegangen. Schade, denn Äffle- und Pferdle-Poller hätten dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt bestimmt gutgetan.

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