Die Stadtbücherei liegt etwas abseits. Hier wäre Platz für Räume des Johannes-Kepler-Gymnasiums, das ansonsten den Parkplatz für Unterrichtscontainer opfern müsste. Foto: Simon Granville

Das Leonberger Johannes-Kepler-Gymnasium platzt aus allen Nähten. Eine Erweiterung in der benachbarten Bücherei läge buchstäblich nahe. Die könnte gemeinsam mit dem Bürgeramt ins Karstadt-Untergeschoss ziehen – so die Überlegungen von OB Martin Georg Cohn.

Trägt das Erdgeschoss des ehemaligen Karstadt-Warenhauses im Leo-Center womöglich zur Lösung der Platzprobleme an Leonberger Schulen bei? Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) will jedenfalls nicht ausschließen, dass im Rahmen eines größeren Umzugsmodells die akute Raumnot im Johannes-Kepler-Gymnasium (JKG) gelöst werden könnte. Ein Planspiel.

 

Die Ausgangslage

Ende August hatte Karstadt im Leo-Center endgültig seine Pforten geschlossen. Damit ist dem Leo-Center der Ankermieter der vergangenen fünf Jahrzehnte weggebrochen und den Menschen ein wichtiger Nahversorger. ECE, die Betreibergesellschaft des Leo-Centers, gibt sich gelassen: Man habe verschiedene Nutzungsvarianten für die insgesamt drei Etagen in petto.

Pläne für das Bürgeramt

Eine davon hatte in den vergangenen Tagen für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Im Sommergespräch mit unserer Zeitung hatte der OB vor anderthalb Wochen einen Umzug des Bürgeramts vom Marktplatz in das Karstadt-Untergeschoss erstmals öffentlich gemacht. Die Lage sei bestens, es gebe ausreichend Platz. Mit großzügigen Wartezonen und Spielecken könnte die Aufenthaltsqualität deutlich verbessert werden. Außerdem könnten dort kleinere Firmen, etwa Start-ups, einziehen. Durch eine Aufstockung um drei Mitarbeiter im Bürgeramt werde auch die Personalsituation verbessert.

In den vergangenen Monaten hatte es wegen überdurchschnittlich langer Wartezeiten und schwerer Erreichbarkeit immer wieder Ärger um die Dienststelle für das Meldewesen am Marktplatz gegeben. Zuletzt war die Situation eskaliert, nachdem sich zwei Mitarbeiterinnen von Besuchern bedrängt gefühlt hatten.

Der Parkplatz der Schule würde durch die Containerlösung wegfallen. Foto: Simon Granville

Die Reaktionen des Gemeinderates

Nicht eben mit Begeisterung kommentierten die Fraktionen die Umzugspläne des Oberbürgermeisters. Die Fläche, in der einst Haushaltswaren, Badezimmer-Accessoires und Elektrogeräte bis hin zu Waschmaschinen angeboten wurden, sei viel zu groß, hätte kein Tageslicht und keinen behindertengerechten Zugang. Die Fraktionsvorsitzenden Axel Röckle (Freie Wähler) und Horst Nebenführ (FDP) monierten zudem, erst aus der Zeitung von Cohns Überlegungen erfahren zu haben. Die anderen Fraktionssprecher mahnten ausführliche Informationen über die entstehenden Kosten an.

Die Antwort des Oberbürgermeisters

Schon vor der Sommerpause, so sagt Martin Georg Cohn, habe der in den nichtöffentlichen Sitzungen des Sozialausschusses und des Finanzausschusses am 3. und 4. Juli „über die Pläne zur Anmietung des Untergeschosses des Leo-Centers ausführlich informiert. Dabei wurde auch die künftige Nutzung als Bürgerservice genannt.“ Röckle und Nebenführ bestätigen auf Nachfrage, dass Cohn von dieser Möglichkeit gesprochen habe. „Aber unter einer ausführlichen Information verstehe ich etwas anderes“, meint der FDP-Fraktionschef. Cohn hingegen sagt, dass es sogar aktive Reaktionen gegeben habe: „Im Rahmen dieser Sitzungen wurde unter anderem seitens des Gremiums angemerkt, bei der Verhandlung mit dem Betreiber besonders auf die Nebenkosten zu achten.“ Er sei jederzeit für „weitere Ideen und Anregungen“ offen.

Die Option Stadtbibliothek

Die Kosten-Bedenken der Stadträte glaubt Cohn mit einer zusätzlichen Nutzung zerstreuen zu können, die bisher noch nicht Gegenstand der öffentlichen Diskussion war: Dann nämlich, wenn auch die Stadtbibliothek in das Untergeschoss des Leo-Centers ziehe. Die liegt momentan etwas verborgen in der Nähe der Polizei, direkt hinter dem Johannes-Kepler-Gymnasium.

Parkplatz am Leonberger Johannes-Kepler-Gymnasium. Foto: Simon Granville

Das könnte die Bibliotheksräume gut gebrauchen. „Wir hatten für das neue Schuljahr 131 Anmeldungen“, berichtet der Schulleiter Roman Peters im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir haben jetzt 762 Schülerinnen und Schüler in 31 Klassen und eine absolute Raumnot.“ Gegenwärtig hat das JKG drei Räume in der Schelling-Schule angemietet. Kommt im Schuljahr 2025/26 G9 zurück, würden die Probleme noch größer werden. „Dabei geht es nicht nur um die eigentlichen Klassenzimmer“, sagt Peters. „Uns fehlen auch Fachräume in erheblichem Maße.“

Die finanzielle Seite

Um die Nöte im Kepler-Gymnasium zu lindern, soll der Gemeinderat am Dienstag vier Container als provisorische Klassenzimmer beschließen. Deren Miete würde bei einer Laufzeit von fünf Jahren knapp 1,6 Millionen Euro kosten. In dieser Summe enthalten sind knapp 200 000 Euro für den Aufbau eines Tragrosts, auf das die Container gestellt werden sollen. Der Parkplatz der Schule würde somit langfristig wegfallen, weil dort die Container hinkämen.

Eine Chance fürs Kepler-Gymnasium?

Viel leichter, so sagt der JKG-Direktor Peters, wäre eine Erweiterung in der unmittelbar an das Schulgebäude angrenzenden Stadtbücherei: „Da gibt es sogar einen Durchgang, wir wären also quasi im eigenen Haus.“ Auch die technische Ausrüstung, etwa W-Lan, sei so weitaus unkomplizierter zu bewerkstelligen. Zudem seien die Gestaltungsmöglichkeiten der Räume wesentlich vielfältiger.

Allein schon deshalb, so meint der Oberbürgermeister, läge ein Umzug der Bibliothek ins Leo-Center sehr nahe. Außerdem würde mit deren Einzug ins einstige Karstadt-Untergeschoss die Gesamtwirtschaftlichkeit deutlich erhöht. „Mehr als 1,5 Millionen Mietkosten für die Schulcontainer würden wir sparen“, argumentiert Cohn. Wären Bürgeramt und Stadtbibliothek plus ein oder zwei weitere Untermieter dort, erwartet der OB „in einem ersten Schritt“ einen Deckungsgrad von 75 Prozent. Der werde sich aber noch erhöhen.