Das Hallenbad in Backnang wurde Ende 2012 eröffnet, jetzt soll der Saunabereich erweitert werden – das passt nicht allen Stadträten. Foto: Gottfried Stoppel

Der Bau einer zusätzlichen Panoramasauna im Backnanger Hallenbad schmeckt nicht allen. Der Stadtrat Karl Scheib sagt, heute würde seine Familie das Grundstück, auf dem das Bad steht, wohl nicht mehr an die Stadt verkaufen.

Backnang - Wenn er gewusst hätte, dass das vor knapp sechs Jahren eröffnete Backnanger Hallenbad „in Richtung Wellnessbad rutscht“, dann, sagt Karl Scheib, hätte seine Familie das Grundstück, das für den Bau des Badetempels erforderlich war, nicht an die Stadt verkauft. Das hat der streitbare Stadtrat vom Bürgerforum jetzt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats erklärt. Die Familie Scheib habe das Areal nur an die Kommune abgegeben, um „die Gesundheit der Bevölkerung“ zu fördern, so Scheib weiter.

Es sei seitens der Stadtverwaltung immer betont worden, dass man ein Sport- und Familienbad haben wolle, aber keine Wellnessoase. Nun sei indes geplant, die Sauna großzügig und für viel Geld zu erweitern, erklärte der Kommunalpolitiker, Allgemeinmediziner und Sportarzt, der in seinen Redebeiträgen im Gremium immer wieder durchblicken lässt, dass Ausdauersport wichtig sei für die Gesundheit.

„Keine Wellnessoase“

Mit seinem Statement plauderte Scheib offenbar über Vorhaben des Aufsichtsrats der Bädergesellschaft, die kürzlich bei einer nichtöffentlichen Sitzung beschlossen worden sind – was ihm die Rüge einiger Kollegen einbrachte.

Der Erste Bürgermeister und Vorsitzende des Aufsichtsrats, Siegfried Janocha, hat jetzt auf Anfrage erklärt, was genau geplant ist im Bad. Er spricht von einem Grundatzbeschluss: Im Obergeschoss solle eine Panoramasauna gebaut werden, Kosten ganz grob geschätzt: zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Euro. Diesen Betrag müsse die Stadt als Eigentümerin des Kombibads aufbringen. Betrieben werden das Hallenbad, das Freibad und die Sauna indes von der Firma Interspa. Scheib hat kritisiert, dass Interspa „das Geld macht“, die Stadt habe aber „nichts von den Eintrittsgeldern“. Die Kommune schieße jährlich rund 1,4 Millionen Euro für den Betrieb der Bäder inklusive Sauna zu, so Scheib. Diese Zahl kann Janocha bestätigen. Er geht jedoch davon aus, dass sich der Saunabetrieb trägt, dass die Kommune womöglich ohne die Sauna sogar noch mehr Geld dazugeben müsste.

OB als Dauerschwimmer

Karl Scheib jedenfalls ist sich sicher: ab und zu in die Sauna zu gehen, das „bringt nix“ in Sachen Vorsorge und Gesundheit. Deshalb, sagte er, sollte beim Bad statt der neuen Sauna lieber ein Fitness-Center gebaut werden. Janocha hingegen erklärt jetzt: Die Besucher wünschten sich einen größeren Wellness-Bereich im Hallenbad.

OB Frank Nopper hat sich in der Sitzung als Dauerschwimmer geoutet und gesagt, dass viele Bürger ebenfalls regelmäßig zum Schwimmen kämen. Auch die Sportvereine seien ganz zufrieden mit dem neuen Bad. Melanie Lang (Grüne) kritisierte, dass der Kurztarif im Hallenbad (sechs Euro) „unverschämt teuer“ sei. Nopper konterte, die Saisonkarte im Freibad sei dafür „sensationell günstig“ (70 Euro). Der OB will demnächst mit den Räten über „die Schwerpunktsetzung in den Bädern" diskutieren.

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