Der Blick in die Baugrube zwischen der Butterstraße und der Fellbacher Straße in Schmiden. Foto: Patricia Sigerist

Fünf Monate nach der von der Bauverwaltung verkündeten und dann heftig kritisierten Reduzierung der Fahrbahnbreite im Schmidener Ortskern offenbarte die Stadt in der Festhalle beim Infoabend zur Neuen Mitte den Sinneswandel.

Schmiden - Mehr Breite in der neuen Enge: Fünf Monate nach der von der Bauverwaltung verkündeten und dann heftig kritisierten Reduzierung der Fahrbahnbreite im Schmidener Ortskern offenbarte die Stadt in der Festhalle beim Infoabend zur Neuen Mitte den Sinneswandel. Ursprünglich hatte die Verwaltung maximal 3,50 in der Breite propagiert. Eine bewusst vorgesehene Verengung durch die Stadtplaner, um Platz zum Flanieren zu schaffen und vor allem um Pendlern die Fahrt durch den Ortskern zu verleiden.

Diese Schmalspurvariante ist mittlerweile jedoch vom Tisch. Stattdessen sind vier Meter als Mindestbreite vorgesehen. Das biete auch den Landwirten „gute Fahrmöglichkeiten“, erläuterte Bernd Schulz, Prokurist des mit der Planung beauftragten Esslinger Ingenieurbüros Spieth und reagierte damit auf die Vorhaltungen der Bauern in der Vorweihnachtszeit.

Die Gehwege werden breiter, es gibt neue Baumquartiere

Auf den dortigen Einbahnstraßen soll dann Mischverkehr bei Tempo 30 gelten – weshalb die bisherigen Radstreifen entfallen. Generell setzen die Experten auf eine Abbremswirkung, „damit die Ortsmitte Schmiden für den Durchfahrtsverkehr unbequemer wird“, so Schulz. Womöglich gibt es in den Straßen auch noch eine weitere Beruhigung auf 20 Stundenkilometer. Die Gehwege werden breiter, es gibt neue Baumquartiere, außerdem werden die bisher meist zu kurzen Parkplätze durch längere Varianten ersetzt. Die Zahl der oberirdischen Stellplätze verringert sich somit zwar von derzeit 78 auf 68, durch die 21 öffentlichen Stellplätze in der neuen Tief­garage gibt es insgesamt aber gut zehn Stellplätze mehr als derzeit. Interessant ist im Übrigen, dass die Bauverwaltung ähnlich wie beim neuen Platz an der Weimer­straße im Fellbacher Oberdorf an einen farbigen Asphalt denkt, wie Bürgermeisterin Beatrice Soltys erläuterte.

Die Veranstaltung lockte rund 250 Interessenten in die Festhalle – rund fünfmal so viele wie im Oktober. Im Anschluss an die Ausführungen der Experten gab es zwar eine Vielzahl an Detailfragen; Pauschal­kritik an dem Gesamtvorhaben Neue Mitte Schmiden – Kosten für die ersten beiden Bauabschnitte rund 2,85 Millionen Euro – war aber nicht zu hören.

Zum Umleitungsverkehr betonte Ordnungsamtsleiter Peter Bigalk, die Anwohner müssten sich auf „Einschränkungen vor Ihrer Haustür“ sowie manche Staus einstellen. Dazu gehört auch eine drei- oder viertägige Vollsperrung der Bereichs, „da haben wir einen gewissen Ausnahmezustand“, so Soltys’ Prognose. Als Ausweichstrecken gelten, wie bereits bei vorherigen Sperrungen, vor allem die Achalmstraße und Gotthilf-Bayh-Straße beziehungsweise Halden- und Uhlandstraße auf der Ostseite. Der Busverkehr wird öfter großräumig über die Höhenstraße umgeleitet.

Im Frühsommer 2020 sollen alle vier Gebäude stehen

Die Planung, offenbarte die Baubürgermeisterin, „ist eine riesige logistische Herausforderung“. Die Arbeiten für die vier Häuser in Holzbauweise auf dem eher schmalen Streifen zwischen Butterstraße und Fellbacher Straße gehen zügig voran. Das Untergeschoss ist bereits betoniert, „die Tiefgarage gibt es also schon“, erläuterte Peter Vorbeck von der Architektengruppe Orange Blu.

Die Außen- und Innenwände bestehen aus vorgefertigten Holzteilen samt Türen und Fenstern, die per Lastkraftwagen – „ein Laster pro Tag“, so Vorbeck – hergekarrt und dann vom Kran an die entsprechende Stelle gehoben und dort befestigt werden. „Das muss man sich also nicht so vorstellen, dass Dachlatten und Balken mit dicken Nägeln vor Ort zusammengebaut werden.“ Ab Mitte April könnten Beobachter sehen, wie der Hochbau wachse. „In einem halben Jahr ist sicher schon viel zu sehen, mit den Häusern als fertige Hülle.“

Im März 2020 soll dann das Haus A – jenes direkt an der Fellbacher Straße mit dem Café unten drin – fertig sein, im Frühsommer 2020 sollen alle vier Gebäude stehen. „Dann ist alles fertig für ein schönes Einweihungsfest“, verspricht Vorbeck.

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