Ein Holzmodell, das Zündstoff liefert: der Entwurf für die Remsecker Neue Mitte – wer darf damit weiterplanen Foto: Stadt Remseck

Remseck hat nichts zu verschenken. Umso ärgerlicher, dass die Stadt wegen unnötiger Fehler bei einer Kündigung wohl kräftig draufzahlen muss, kommentiert StZ-Redakteur Markus Klohr.

Remseck - Die gute Nachricht zuerst: die Stadt Remseck wird es sicherlich schaffen, wie im Rathaus gewünscht aus dem Vertrag mit dem Architektenbüro für die Neue Mitte herauszukommen. Die schlechte Nachricht lautet: das Prozedere könnte die Stadtkasse eine sechsstellige Summe kosten. Und die ganz schlechte Nachricht: diese Ausgaben wären ohne weiteres vermeidbar gewesen.

Der Stadtbaumeister Karl Velte hat durchaus plausibel gemacht, dass die Entwicklung der Kosten bei der Planung des neuen Ortszentrums in vielen Punkten aus dem Ruder laufen. Kündigungen von Planungsbüros sind bei Bauprojekten zudem üblich. Warum aber die Verwaltungsspitze hier gleich in zwei Punkten derart ungeschickt agiert, bleibt das Geheimnis des Oberbürgermeisters Dirk Schönberger.

Erstens: bei allem Willen zur Transparenz scheint es doch wenig professionell, wenn die Verwaltung einer Großen Kreisstadt der örtlichen Presse öffentlich erklärt, man habe sich von dem Architekturbüro getrennt – und selbiges Büro erhält erst knapp drei Wochen später die Kündigung schriftlich per Einschreiben. So macht man sich ohne Not angreifbar. Schönberger müsste als Jurist wissen, dass mündliche Absprachen, die es offenbar vorab gab, vor Gericht im Zweifel wenig oder gar nichts gelten.

Die Verwaltungsspitze agiert in zwei Punkten ungeschickt

Zweitens – und das wiegt noch schwerer: warum in aller Welt wird die Kündigung erst öffentlich mit den steigenden Kosten begründet, und in der schriftlichen Version taucht dieser Punkt mit keiner Silbe auf? Die Behauptung des OB, man habe das junge Architekturbüro vor einer öffentliche Demontage bewahren wollen, ist schlicht unglaubwürdig. Schließlich hatte er alle Kritikpunkte selbst genüsslich vor der Presse ausgebreitet. Just die Begründung der Kündigung dürfte aber bei einem nun wohl kaum mehr zu vermeidenden Richterspruch entscheidend sein.

Im Vergleich zum von Stadtbaumeister Velte vorgerechneten Einsparpotenzial von mehreren  Millionen Euro bei der Neuen Mitte scheint die sechsstellige Entschädigung nicht viel zu sein. Für eine Stadt wie Remseck mit einer chronisch klammen Finanzlage ist das aber mehr als ärgerlich. Und für den OB ist es bitteres Lehrgeld.

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