Damit die ausgelassene Stimmung im Festzelt nicht zur Lärmbelästigung wird,... Foto: Max Kovalenko

Auf dem Frühlingsfest werden neue Lärm- und Sicherheitsregelungen getestet.

Stuttgart - Für einige ging die Party schon außerhalb des Festgeländes los: Überwiegend junge Leute, nicht wenige in Trachten gekleidet, warfen schon am Samstagvormittag einen tiefen Blick in die Flasche. Vorglühen, wie das so schön heißt – um den Geldbeutel zu schonen,mit Alkohol vom Supermarkt.

Auf dem Wasen selbst schreckt der Preis für die Maß offenbar niemand. Das Festzelt vom Göckelesmaier platzt fast aus allen Nähten, als Michael Föll, Erster Bürgermeister, um 12 Uhr mit dem traditionellen Fassanstich das Frühlingsfest eröffnet. Während Kellner wie Grillhähnchen zu den zünftigen Klängen der Biraböhmischen Blasmusik Schömberg bereits ordentlich ins Schwitzen kommen, lässt sich auch Prominenz im Festzelt blicken.

Die drei OB-Kandidaten Fritz Kuhn, Sebastian Turner und Bettina Wilhelm etwa, die den Pflichttermin nutzen, um freundlich in die Menge zu winken. Bürgermeister Föll erklärt, auf dem „größten und schönsten Frühlingsfest Deutschlands“ gehe nichts ohne die anwesenden Mitglieder des Gemeinderats – „nicht mal ein Fassanstich“. Er hoffe auf ein „fröhliches, friedliches und sonniges 74. Frühlingsfest“. Für den Fassanstich braucht er derweil mit fünf Schlägen drei mehr als noch im letzten Jahr.

Grenze von 80 Debizel soll nicht überschritten werden

Mehr als der Alkoholpegel der Besucher interessiert das Ordnungsamt der Lärmpegel der Zelte und Geräte an den 23 Tagen des Volksfests. Die Grenze von 80 Dezibel soll nicht überschritten werden, um Anwohner und Besucher zu schützen und Klagen zu verhindern. Im Zelt von Karl Maier ist über den Lautsprechern deshalb eine Art Ampel mit Mikrofon angebracht, zur Selbstüberwachung.

Die steht allerdings permanent auf Rot. „Das Gerät zeigt uns, welche Lautstärken gehen, damit die Messgeräte draußen nicht mehr als die erlaubten Werte anzeigen“, erklärt Karl Maier. Man werde notfalls darauf reagieren. Zwei Stunden später: immer noch die gleiche Farbe. Doch während es in den ersten Reihen in der Tat ziemlich laut ist, gleicht die Beschallung im hinteren Teil mangels weiterer Lautsprecher der üblichen Zimmerlautstärke.

Die Händler haben ein ganz anderes Problem

Das Thema Lärm betrifft freilich nicht nur Besucher und Anwohner, sondern auch die Beschäftigten an den Buden. Ein älterer Losverkäufer sitzt mit dicken Ohrschützern auf seinem Stuhl. Seit 20 Jahren ist er auf dem Wasen, erzählt er. „Andere stört der Lärm nicht. Ich will meine Ohren aber schützen und passe lieber etwas auf.“

Die Händler haben ein ganz anderes Pro­blem. Das Ordnungsamt hat aus Sicherheitsgründen die Wege um drei Meter verbreitern lassen, was rundum auf wenig Verständnis stößt. „Natürlich verläuft sich das mehr, klar“, sagt die Verkäuferin eines Süßwarenstands verärgert. Den Unterschied merke man bereits. Wie die Konkurrenz gegenüber fürchtet sie ums Geschäft.

Sicherheitsdienste und Polizei laufen fleißig Streife

Auf die Sicherheit legen die Veranstalter selbst großen Wert. Weil viel Alkohol konsumiert wird und der erfahrungsgemäß enthemmt, laufen Sicherheitsdienste und Polizei fleißig Streife. Was außerhalb passiert, liegt nicht immer in ihrer Macht. So wurde am Samstagabend beispielsweise ein 22-Jähriger auf dem Heimweg an der Uferstraße überfallen, geschlagen und seines Handys beraubt.

Trotz der im Vergleich zum Vorjahr geringeren Besucherzahl ist Marcus Christen vom Veranstalter in.Stuttgart mit dem ersten Wochenende sehr zufrieden – auch was das Thema Lärm angeht: „Die Betreiber halten sich daran, und man spürt jetzt schon, dass das Fest deutlich ruhiger geworden ist.“

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