Ein Instrument mit kleinen Tücken: Mar Alonso spielt auf dem historischen Graf-Flügel. Foto: Hans Jörg Wangner

Die Instrumentensammlung des Landesmuseums Württemberg hat eine neue Kuratorin: Mar Alonso kümmert sich im Fruchtkasten am Stuttgarter Schillerplatz um hunderte von Instrumenten – und noch um vieles mehr.

S-Mitte - Wie gut, dass das jetzt passiert! Pressetermin im Fruchtkasten, Mar Alonso sitzt am historischen Hammerflügel von Conrad Graf und spielt Mozarts A-Dur-Sonate an. Da bleibt ein Dämpfer hängen, die Saite klingt einfach weiter. „Da muss ich mich schnell drum kümmern“, sagt die 34-jährige Spanierin, die seit 1. Juli Kuratorin der Sammlung ist. Denn das Instrument des in Fachkreisen sehr bekannten Meisters soll nicht nur herumstehen und schön aussehen, sondern es soll auch gespielt werden, es soll klingen. Spätestens am 7. Oktober, wenn die Pianistin Yuko Abe-Haueis das „8. Fortepiano-Festival Stuttgart“ eröffnet, muss der Graf gerichtet sein. Señora Alonso wird dafür sorgen, dass seine Töne alle stimmen.

300 bis 400 Musikinstrumente in der Sammlung

María del Mar Alonso Amat, wie die Langform ihres Namens lautet, muss sich also ranhalten. Denn zu ihren Aufgaben gehören so „viiiiele Sachen“, dass sie kaum ins Zeitbudget einer 50-Prozent-Stelle passen. Auch wenn die Musiksammlung des Landesmuseums „eher klein, aber fein“ (Alonso) ist, sind es doch etwa 1200 Objekte, davon 300 bis 400 Musikinstrumente, für die die Musikwissenschaftlerin zuständig ist. Die Betreuung und Erforschung der Exponate steht ebenso auf dem Plan wie Kontakte zu Musikern, Wissenschaftlern und Instrumentenbauern. Und dann sollen ja auch Besucher in den Fruchtkasten kommen, möglichst viele Besucher.

Da kann Mar Alonso auf die Arbeit ihrer Vorgänger aufbauen: Rund 20 000 Besucher, so Kommunikationschefin Heike Scholz, zählt die Abteilung des Landesmuseums jährlich – den Veranstaltungen sei Dank. Denn nur wegen stumm herumstehenden Spinetten oder hinter Glas hängenden Gamben kämen kaum Leute ins Haus. So sei es zum Beispiel mit der Reihe „Alte Musik im Haus der Musik“ gelungen, die Leute ins Haus zu locken. Scholz: „Und wir sind immer auf der Suche nach neuen Formaten.“

Da müsste Mar Alonso genau die Richtige sein: am Konservatorium von Murcia hat sie die Künstlerische Ausbildung zur Pianistin absolviert und dort auch unterrichtet, doch dann wechselte sie an die Essener Folkwang-Universität der Künste und in die Musikwissenschaft. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Forschungsprojekts mit dem Titel „Ausgestellte Musik – Untersuchungen zur Vermittlung und Rezeption von musikalischen Themen im Museum“. Zur Zeit bringt sie auch noch ihre Dissertation unter Dach und Fach, die sich ebenfalls mit dem Thema Museen auseinandersetzt.

Suche nach neuen Zielgruppen

So wird Mar Alonso ihr Augenmerk nicht nur auf alte Musik richten (kein Wunder: ihr Lieblingskomponist ist Bach), sondern auch ihre Fühler in Richtung elektronische Musik (gibt es immerhin auch schon seit vielen Jahrzehnten), Alltagskultur und außereuropäische Klänge ausstrecken: „So könnten sich andere Zielgruppen ergeben.“ Sehr wichtig ist ihr dabei eins: „Das aktive Mitmachen.“

Fürs erste ist aber auch wichtig, dass die gebürtige Andalusierin gut im Schwäbischen angekommen ist: „Ich fühle mich wohl in Stuttgart. Mir gefällt die schwäbische Gastronomie, die Weinkultur . . . und ich mag andererseits, dass die Stadt auch sehr international ist, mit Menschen aus der ganzen Welt, die hier arbeiten, wie ich!“

Und ein Lieblingsstück hat sie im Landesmuseum auch schon gefunden, wenn auch nicht in „ihrer“ Sammlung, sondern im Alten Schloss gegenüber: Der 1599 entstandene Musiktisch von Herzog Friedrich I. von Württemberg mit den rundum laufenden Noten eines Madrigals. Da strahlt sie, die neue Kuratorin María del Mar Alonso Amat.

Musik im Fruchkasten

Besucher Während tagsüber nur wenige Menschen den Fruchtkasten am Schillerplatz besuchen, verzeichnen die Konzerte einen großen Zulauf. So kommen mittlerweile pro Jahr rund 20 000 Besucher ins Haus.

Musikpause Endlich geht die Musikpause weiter. In dieser beliebten Reihe treten immer freitags um 12.30 Uhr Studenten der Stuttgarter Musikhochschule auf. Der aus Japan stammende Pianist Tatsuya Ohira spielt am 6. Oktober auf dem historischen Doppelflügel von Pleyel Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy und Wolfgang Amadeus Mozart.

Fortepiano Festival Fanny Hensel steht im Zentrum des 8. Fortepiano Festivals von 7. Oktober bis 12. November. Es umfasst an verschiedenen Orten sieben Konzerte und einen Vortrag, unter anderm tritt am Dienstag, 17. Oktober der berühmte, mittlerweile 89-jährige Pianist Jörg Demus im Fruchtkasten auf.

Liedkunst Kunstlied Am meisten nachgefragt und besucht werden in der Reihe Liedkunst Kunstlied Konzerte für Schulklassen und Familien. So etwa bei dem Mozart-Programm, das Elisabeth Föll (Klavier) und Thomas Sträßer (Erzähler) am Sonntag, 15. Oktober, 11 Uhr im Fruchkasten gestalten.

Alte Musik Sehr vielfältig ist auch das Programm der Reihe Alte Musik im Haus der Musik. So gibt es am Donnerstag, 19. Oktober, 19 Uhr „Canti amorosi“ von Leonhard Lechner bis Claudio Monteverdi und am Donnerstag, 15. März kommenden Jahres tritt Dorothee Oberlinger, Shooting-Star der Blockflötenszene, mit der Cembalistin Olga Watts auf.

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