Über Jahrzehnte hinweg haben Hannes und der Bürgermeister in der Komede-Scheuer im Siebenmühlental ihr Publikum begeistert. Nun hat die Stadt Leinfelden-Echterdingen den Kultort zu einer Kulturbühne umgestaltet. Was ist neu, was bleibt gleich?
Auf den ersten Blick hat sich die aus Funk und Fernsehen bekannte Scheuer kaum verändert. Das Gebäude, das direkt neben der Mäulesmühle im Siebenmühlental liegt, ist und bleibt eine Scheune – mit urigem Charakter und speziellem Charme. Auch Mäusen kann man hier begegnen, verrät Kulturamtschefin Carolina Gleichauf, weshalb die Stadt Fallen hat aufstellen lassen. Über viele Jahrzehnte hinweg ist an diesem Ort das schwäbische Kultkabarett-Duo Hannes und der Bürgermeister aufgetreten. „Karten dafür waren für Menschen aus Leinfelden-Echterdingen kaum zu bekommen“, sagt der auch für die Kultur zuständige Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell.
Die Stadt Leinfelden-Echterdingen ist die Eigentümerin der Scheuer und hat sie in den vergangene Monaten zur Kulturscheuer Mäulesmühle umgestaltet. Das Ziel: eine Kleinkunstbühne für Kulturfans aus und um Leinfelden-Echterdingen am Eingang des Siebenmühlentals zu schaffen; einen alternativen Ort für besondere Formate zu kreieren – zusätzlich zur Filderhalle. Von Oktober an werden dort drei neue Kulturreihen an den Start gehen.
Die Veränderung wird in den Details sichtbar. Ein Beispiel dafür ist der Schaukasten, den die Kulturamtsmitarbeiterinnen außen links neben der Eingangstür angebracht haben. Darin ist zu lesen, welche Künstlerinnen und Künstler die Bühne der neuen Spielstätte von Herbst an erobern wollen. Unter dem Titel „Wildwuchs“ sollen künftig Kabarettisten, junge Bands und Poetry-Slammer junges Publikum ins Siebenmühlental locken.
Franziska Wanninger, Tante Friedl und Sven Garrecht konnten hierfür gewonnen werden. Das Programm für Familien nennt sich „Spross & Sprössling“, lässt das Marotte-Theater Karlsruhe anreisen oder das Neinhorn auftreten. Auch Freunde der schwäbischen Mundart sollen weiter auf ihre Kosten kommen: „Kraut & Riaba“ heißt diese Reihe und hält unter anderem Auftritte von Wolfgang Heyer und Ida Ott bereit.
Nicht zuletzt sollen auch Lokalhelden – also Künstlerinnen und Künstler, Musikerinnen und Musiker aus Leinfelden-Echterdingen – eine Bühne am Ex-Spielort der Kultreihe Hannes und der Bürgermeister erhalten. Im Inneren der Scheuer prägen dunkle Holzbalken wie eh und je das Ambiente. Im Eck steht nun aber eine moderne Bar, die nagelneu aussieht, es aber nicht ist. Mitarbeiter des Bauhofes haben die Theke mit frischen Platten aufgehübscht und ihr so einen weiteren Lebenszyklus geschenkt. „Da steckt viel Herzblut drin“, sagt Carolina Gleichauf. „Im Bauhof arbeiten Menschen mit ganz klassischen Handwerksberufen.“ Zu Zeiten von Hannes und dem Bürgermeister wurde an diesen Tresen schon Sekt ausgeschenkt. Die Bar war da im Vorraum in der Nähe der Kassen zu finden.
An dieser Bar wurde auch früher Sekt ausgeschenkt
Ganz neu, ohne jedes Upcycling, sind derweil die Sitzgelegenheiten, welche die Kommune für 20 000 Euro angeschafft hat. 5000 Euro hat die Stadt in einen neuen Bühnenvorhang investiert. Moderne Scheinwerfer werden auch noch installiert. Die Tontechnik ist bereits angeschafft und wartet hinter der Bühne – gut verpackt in Kisten – auf ihren ersten Einsatz; genauso wie ein Klavier der Musikschule. Ein Schriftzug soll die Scheuer künftig als zusätzliche Spielstätte der Stadt kennzeichnen. Dafür ist allerdings ein Bauantrag nötig, klärt Gleichauf auf. Deshalb dauert das noch. Die Stadt wird eine Wohnung in der Mühle gegenüber ertüchtigen, damit Künstler-Gruppe, die in der Kulturscheuer auftreten, dort auch übernachten können.
Bis Ende 2025 läuft die Testphase für das kulturelle Programm der Kulturscheuer Mäulesmühle. Wie kann es danach weiter gehen? Diese Frage will die Kulturamtsleiterin mit Menschen aus Leinfelden-Echterdingen und Umgebung diskutieren. Für Freitag, 17. Mai, haben sie und ihr Team dazu von 19 Uhr an in der Scheuer eine moderierte Veranstaltung organisiert. „Wir wollen Ideen aus der Bevölkerung hören, sammeln und später darüber entscheiden“, sagt sie. 30 Menschen haben sich dafür schon angemeldet. Darunter sind Engagierte aus den örtlichen Kulturkreisen und den Musikvereinen, aber auch Leiter von Bands und Mitarbeitende anderer städtischer Ämter. Mühlenbesitzer sollen auch noch angefragt werden.
„Wir wollen das Siebenmühlental neu denken“, sagt Bürgermeister Kalbfell. Es solle ein kluges, neues Gesamtkonzept entstehen. Dazu gehöre auch die Beziehung zur Natur, sowie eine gute ÖPNV-Verbindung. Mit dem VVS-Rider zur neuen Kulturbühne zu fahren, das ist bisher noch nicht möglich, sagt Kalbfell. „Dazu laufen die Gespräche noch“, sagt er.
Ideen für den Kultort
Eröffnung
Die Kulturscheuer Mäulesmühle im Siebenmühlental wird am ersten Oktober-Wochenende eröffnet. Wer Ideen für ihre künftige Nutzung bei der Diskussionsveranstaltung am 17. Mai einbringen will, muss sich dafür anmelden, und schreibt an kulturprogramm@le-mail.de eine E-Mail.
Tickets
Der Vorverkauf für die Tickets der neuen Reihen in der Kulturscheuer beginnt am 1. Juli. Karten für „Wildwuchs“ und „Kraut & Riaba“ sind für 23 Euro zu haben. Jugendliche zahlen pro Veranstaltung 10 Euro. Karten für das Familienprogramm kosten 5,50 Euro beziehungsweise 7,50 Euro. (nak)