Freuen sich über die Kooperation (vlnr): Bianca Schmid (Landratsamt Böblingen), Biolandwirt Frank Bäuerle, Regionalmanagerin Ursula Waters und Jaqueline Sautter (Femos). Foto:  

Der Kreis kooperiert mit der Bio-Musterregion Enzkreis. Das bereichert die Produktpalette der CAP-Märkte und der Herrenberger Dorfladenbox.

Die goldbraunen Hirsebällchen, die Ursula Waters aus dem Enzkreis mitgebracht hat, haben den erwünschten Effekt: Etliche der Kundinnen und Kunden, die am späten Mittwochvormittag den CAP-Markt im Herzen Nufringens betreten, greifen gerne zu. Dass danach bei rund der Hälfte derer, die probiert haben, eine 500-Gramm-Packung Bio-Hirse im Einkaufwagen landet und deshalb bald Nachschub aus dem Lager hermuss, zeigt, dass viele offen für Neues sind – zumal, wenn es nachhaltig in der Region produziert wird.

 

Die Bio-Hirse wird von sechs Landwirten im Enzkreis angebaut und „wächst super“, wie Ursula Waters bei der Produktpräsentation berichtet. Sie hat das Projekt in der Bio-Musterregion Enzkreis initiiert. Die kleinkörnige Feldfrucht, die oft auch als „Getreide der Wüste“ bezeichnet wird, sei nicht nur aus ernährungsphysiologischer Sicht wertvoll, weil sie glutenfrei ist und Mineralstoffe, Kieselsäure und Proteine enthält, sondern auch für die Landwirtschaft. Sie komme gut mit Trockenheit zurechtkomme und sei daher besonders klimaresilient.

Welche Erfahrungen ein Landwirt mit der Hirse macht

Diese Eigenschaft hat Biolandbauer Frank Bäuerle vom Sonnhaldenhof in Wiernsheim (Enzkreis) überzeugt. Im dritten Jahr baut er Hirse als 15. Kultur etwa neben Linsen, Bohnen, Hanf und Lein an. „Nur zum Keimen“, bis die Pflanzen rund zehn Zentimeter hoch sind, brauche die Hirse Wasser, „dann kommt sie ohne aus“. Dies sei im vergleichsweise regenarmen Heckengäu von Vorteil. Außerdem brauche die Hirse, weil sie eine gute Unkrautunterdrückung habe, keine Pflege – bis sie 90 Tage nach der Aussaat erntereif ist.

Dennoch gebe es Herausforderungen – insbesondere nach der Ernte, berichtet Ursula Waters. Die Frage, wie die kleinen Körner von ihrer Schale befreit werden können, habe die Familie Gay, die mit ihrem Betrieb in Remchingen-Nöttingen ebenfalls zu den sechs Anbauern gehört, gelöst: Mit einer eigens aus China importierten Reisschälmaschine schält sie die Bio-Hirse aller Enzkreis-Produzenten.

Hirse bald auch online erhältlich

Dass das in der Region produzierte Produkt nun auch in allen CAP-Märkten im Landkreis Böblingen sowie in der kürzlich eröffneten Dorfladenbox in Herrenberg erhältlich ist, verdankt der Landkreis, der sich selbst mit der Regionalmarke „Heimat – Nichts schmeckt näher“ für regionale Wertschöpfung und nachhaltige Landwirtschaft einsetzt, der langjährigen Kooperation mit der Bio-Musterregion Enzkreis. „Ich freue mich, dass mit der Bio-Hirse nun das erste Produkt unserer Partnerschaft im Regal steht“, sagt Bianca Schmid, die diese Partnerschaft im Kreis Böblingen koordiniert. So werde regionale Zusammenarbeit konkret und sichtbar, betont sie.

Die Femos gGmbH, ein Inklusionsunternehmen aus Gärtringen, in dessen Händen bereits die Logistik der „Heimat“-Regionalmarke liegt, übernimmt den Vertrieb der Bio-Hirse, die so – auch wenn sie nicht das „Heimat“-Label trägt – von der etablierten Infrastruktur profitiert. „Bald wird sie auch im ,Heimat’-Onlineshop unter www.heimat-laedle.de erhältlich sein“, berichtet Jaqueline Sautter, die bei Femos für die Logistik und Vermarktung dieser Produkte zuständig ist.