Wolfgang Amadeus Mozart, Gemälde von Barbara Krafft (1819) Foto: Wikipedia commons

Das Armida-Quartett verschafft den Streichquartetten Mozarts Transparenz, und das Freiburger Barockorchester erforscht dessen Mannheim-Connection.

Gut Ding will Weile haben. Vor acht Jahren begann das Armida-Quartett, Mozarts 23 Streichquartette in Verbindung mit einer neuen Urtext-Ausgabe des Henle-Verlags einzuspielen. Dessen Leiter Wolf-Dieter Seiffert bezog sich stärker auf den Erstdruck als auf die Autografe, was zu etlichen kleinen Veränderungen gegenüber der bekannten Bärenreiter-Ausgabe führt

 

Armida-Quartett

. Nun ist das Werk vollendet und liegt in einer Box mit sieben CDs vor. Das Berliner Quartett entwickelt ein eher helles, gelegentlich geschärftes Klangbild. Transparenz heißt das Zauberwort. Sparsamer Vibratoeinsatz und eine Tongebung, die oft nah am Steg erzeugt wird, entschlacken den Streicherklang. Statt übertriebener Kontraste setzt das Ensemble auf Detailreichtum. Genaue Artikulation, feine dynamische Abstufungen und ein traumwandlerisches Zusammenspiel machen diese Wolfgang-Amadeus-Mozart-Interpretation zu einem echten Schatz.

In den Aufnahmen werden selbst frühe Quartette wie das in A-Dur KV 169 in den Mittelstimmen (Johanna Staemmler: Violine 2, Teresa Schwamm: Viola) emotional aufgeheizt. Die Triolenketten im gemütlichen Menuett sind kleine Störfeuer. Der eine weiß, was die andere tut. Trotzdem entsteht wie im Kopfsatz des späten Quartetts in B-Dur KV 589 der Eindruck spontanen Musizierens. Cellist Peter-Philipp Staemmler bewältigt die Herausforderungen der drei späten „Preußischen Quartette“ mit ihrem mitunter hoch liegenden Cellopart mit Leichtigkeit und feinem Ton. Primarius Martin Funda verbindet Freiheit mit Genauigkeit im Detail. Dass man seine Lagenwechsel bei den Läufen im Finale des F-Dur Quartetts KV 590 hört, ist kein Mangel, sondern wirkt eher als zusätzliche Phrasierung.

Diese Einspielung ist ein Erlebnis

Die vom Ensemble senza vibrato gespielten Dissonanzen im Andante con moto des Es-Dur-Quartetts 428 oder in der langsamen Einleitung des „Dissonanzen“-Quartetts KV 465 schärfen den Ausdruck. Die Eskalation in der Durchführung wird gleich wieder besänftigt. Verbindlichkeit statt Effekthascherei, Musikalität statt zur Schau gestellter Brillanz. Bei allem Detailreichtum bleibt das große Ganze stets im Blick. Nur der recht langsam musizierte Kopfsatz des d-Moll-Quartetts KV 421 und die zarten Fortepiani des G-Dur-Quartetts KV 387 könnten etwas mehr Dramatik vertragen.

Diese Einspielung ist ein Erlebnis, weil auch durch die Urtextausgabe Hörgewohnheiten unterlaufen werden. Im Hoffmeister-Quartett KV 499 setzt die Durchführung nicht wie gewohnt im Forte ein, sondern bleibt beim Gang durch die Tonarten im Pianissimo. Zurücknahme als emotionale Steigerung – auch das ist zu erleben bei dieser auf- und anregenden Mozartdeutung.

Das Album des Armida Quartetts Foto: Avi/H’Art

Armida Quartett: Mozart – alle Streichquartette (7 CDs). Avi/H’Art.

Freiburger Barockorchester

Schon beim ersten Besuch der Familie Mozart in Mannheim 1763 schwärmte der Vater Leopold von der Hofkapelle von dem besten Orchester Deutschlands. In den Jahren 1777/78 machte Wolfgang Amadeus mit seiner Mutter in Mannheim Station und war vor allem von den Klarinetten des Orchesters begeistert. Das Album „Mozarts Mannheim“ des Freiburger Barockorchesters (FBO) mit gleich vier Ersteinspielungen zeigt diese wichtigen Einflüsse der Mannheimer Schule auf den Komponisten. Christian Cannabich, der Konzertmeister der Hofkapelle, bringt im Andante non tanto seiner Symphonie Nr. 55 in C-Dur Oboen und Klarinetten in einen reizvollen Dialog. Starke Piano-Forte-Kontraste und Streichertremoli, die das FBO effektvoll herausarbeitet, sind in Georg Joseph Voglers Ouvertüre zum Singspiel „Der Kaufmann von Smyrna“ zu hören.

Ein echtes Hörerlebnis

Aber auch überraschende Molleintrübungen wie in Carl Joseph Toeschis Sextett oder kraftvolle Unisoni wie in Ignaz Holzbauers Ouvertüre zur Oper „Günther von Schwarzburg“ gehören zu den Stilmerkmalen der Mannheimer Schule. Das Violinkonzert in F-Dur von Christian Danner (höchst virtuos, aber mit etwas sprödem Ton: Gottfried von der Goltz), legt das FBO auf dem spannenden Album als weitere Ausgrabung vor. In Mozarts Konzertarie „Non sò d’onde viene“ wechselt die Sopranistin Nicole Chevalier bruchlos zwischen lyrischer Innensicht und extrovertierter Dramatik. Seine Symphonie in C-Dur KV 208/102 wird nicht zuletzt durch das zupackende, profilschärfende Spiel des Freiburger Barockorchesters zu einem echten Hörerlebnis.

Das Album des Freiburger Barockorchesters Foto: Deutsche Grammophon/Universal

Freiburger Barockorchester: Mozarts Mannheim. Deutsche Grammophon/Universal