In der Evangelischen Kirchengemeinde Feuerbach herrscht Aufbruchstimmung: Unter dem Motto „Wir bauen auf“ wirbt sie gleich für zwei Bauprojekte – und konnte dafür die IBA gewinnen.
Was haben die Männle und Mädle denn auf dem Altar zu suchen? Die bunten Holzfiguren mit den sympathischen Quadratschädeln aus dem Kreativatelier des BHZ in Feuerbach, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, sind stadtbekannt und an vielen Orten in Stuttgart präsent. Auf dem Altar einer Kirche hat man sie bisher jedoch noch nicht gesehen.
Wie kommen sie dorthin? Jens Keil, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Feuerbach, löst das Rätsel auf: „Die Männle dienen uns als Spendenbarometer“, sagte er am Sonntag beim Neujahrsempfang der Kirchengemeinde in der Stadtkirche St. Mauritius. Die Größeren stehen für 1000 Euro Spenden, mit Mittelgroßen für 500 Euro und die kleinen für 250 Euro!“ Mehr als 20 Männle und Mädle sind schon da (Spendenstand 12 500 Euro) und viele mehr kommen hoffentlich dazu, wünscht sich Keil. Auf dem Altar ist noch Platz. Und erst recht auf den Simsen der Kirchenfenster; dort sollen die Holzfiguren aufgereiht werden und der Gemeinde einen Eindruck vom Fortgang der Spendenaktion geben. Angepeilt ist ein Spendenziel von 500 000 Euro.
Gesammelt wird in Feuerbach für zwei Bauprojekte, mit denen die Gemeinde unter dem Motto „Wir bauen auf“ zeigen will, dass Kirche kein Auslaufmodell ist, sondern ein Ort mit Zukunft. Es geht um den Umbau des an die Mauritiuskirche angeschlossenen Gemeindehauses von 1971 und den Neubau des Waldheims im Lindentäle. Das Gemeindehaus (Kosten: 3,5 Millionen Euro) soll zu einem modernen und generationenübergreifenden Treffpunkt werden, der in die Stadt hinein ausstrahlt. Nachhaltigkeit ist dabei ein wichtiges Kriterium. Der ausgewählte Entwurf des Büros Planungs-ArGe Joos-Keller und Curious About ArchitektInnen erhält die Substanz des Betonbaus, arbeitet mit einem neuen, offenen Raumkonzept, fügt einen Neubau in Holz- und Lehmbauweise an und verbindet Alt und Neu mit einer transparenten Hülle.
Parallel dazu laufen die Planungen für ein neues Waldheim (Kosten: 1,5 Millionen Euro), das ein bestehendes, marodes Gebäude ersetzt. Der Entwurf des Architekturbüros Hellmann-Schmeusser soll bis Sommer 2027 umgesetzt sein, damit dort dann wieder bis zu 500 Kinder zwischen fünf und 15 Jahren Waldheimferien machen können.
Beide Projekte werden von der IBA gefördert
Das Besondere an beiden Projekten: sie werden von der Internationalen Bauausstellung (IBA) fachlich und organisatorisch begleitet. Sie erfahren dadurch überregionale Aufmerksamkeit; das Gemeindehaus wird zudem vom Bund gefördert. Stolz erklärt Pfarrer Keil: „Die Kirchengemeinde Feuerbach hat das große Privileg nach der schmerzhaften Trennung von zwei Kirchen mit einem neuen Gemeindehaus und einem neuen Waldheimgebäude etwas aufbauen zu dürfen. Für beide Projekte – das Gemeindehaus und das Waldheim – ist es gelungen, die IBA’27 auf uns aufmerksam zu machen. Das Gemeindehaus wurde als Projekt aufgenommen und das Waldheim ist Teil des IBA-Netzwerks.“
Fehlt nur noch die Zustimmung der Behörden – und trotz der Förderung durch den Bund und eigener Rücklagen – einiges an Geld oder mit Jens Keil gesprochen: „Noch ganz viele Männle.“
Weitere Infos gibt es unter der Adresse: www.gemeinde.feuerbach.elk-wue.de