Als Spiderman verkleidet, bringt Boa ein Transparent auf dem Dach ihrer Schule an – keine ungefährliche Aktion, doch die Zeit drängt. Foto: Klett Kinderbuch/Nora Dasnes

Luke gerät in ein Protestcamp, das eine neue Landebahn verhindern will; Boa engagiert sich für ein Stück Wald: Zwei Bücher erzählen vom Lebensgefühl junger Öko-Rebellen.

Junge Menschen, die sich fürs Klima engagieren, werden die neuen Bücher von William Sutcliffe und Nora Dasnes mit Leidenschaft lesen. Eltern, die die Lektüren ihrer Kinder vorab prüfen, werden dieses Gefühl nicht unbedingt teilen. Denn der Spiegel, den der britische Autor und seine norwegische Kollegin Erwachsenen vorhalten, zeigt nicht das beste Bild.

 

„Ich will nicht so abgestumpft sein wie du! Ich will nicht verdrängen, dass es brennt!“, schleudert in Nora Dasnes Comicbuch „Hände weg von unserem Wald!“ das Mädchen Boa voller Wut seiner Mutter entgegen und weigert sich, ihr Protestcamp zu verlassen. Auch das Gremium, das den Wald neben der Schule ohne Not einem neuen Parkplatz opfert, macht keine gute Figur. Dass Elterntaxis und hartnäckiger Starkregen vielleicht doch irgendwie mit der Klimakrise zusammenhängen, wie Dasnes junge Protagonistin anmerkt? Dafür gebe es keine Beweise, lautet lapidar die Replik der Schulleiterin.

Gespaltene Familien

Ähnlich dickhäutig, auf den eigenen Vorteil bedacht und in ihrem Alltag bequem eingerichtet sind auch die Erwachsenen in Lukes Umfeld – bis die Planungen für eine neue Startbahn die Straße des 13-Jährigen aufmischen. Klimaaktivisten, Naturschützer und System-Aussteiger besetzen in William Suttcliffes Buch „Grüner wird’s nicht – Der Sommer, in dem ich die Welt rettete“ ein leer stehendes Haus. Dass erst Lukes Schwester Rose, dann auch noch sein Vater die Seiten wechseln und ebenfalls dort einziehen, zeigt, wie gesellschaftliche Konflikte Familien spalten können. Boa etwa stapft lieber wütend durch den Regen, als in den dieselbetriebenen Verbrenner ihrer Mutter zu steigen.

Freundschaften sind in beiden Büchern der Stoff, der die Proteste voranbringt. Luke findet in der Aussteiger-Tochter Sky eine Verbündete, mit der er hoch oben in einem Baum ausharrt und mit ihr die Natur neu entdeckt. Nora Dasnes Starkes-Mädchen-Trio und ihr Wäldchen kennt man bereits aus „Regenbogentage“, einer einfühlsam erzählten Geschichte um eine erste, verwirrende Liebe. Nun muss Boa den Dreierbund öffnen und auch die Jungs, mit denen sie um die besten Plätze im Wald rivalisierten, ins Boot holen. „Hände weg von unserem Wald!“ wird zum Motto der jungen Gemeinschaft, die bereit ist, Konsequenzen zu ziehen, wo Erwachsene zögern.

Reale Proteste als Inspiration, die Happy-Endings sind Fiktion

Ziviler Ungehorsam – erst ein Banner an der Schulfassade, dann die Baustellenbesetzung – ist für Boa und ihre Freunde der logische Schritt, nachdem ihr Klimabericht ungehört bleibt. Proteste wie in Lützerath und im Dannenröder Forst mögen die Autoren inspiriert haben, die Happy-Endings haben sie selbst dazuerfunden. Sutcliffe nennt in seiner Danksagung auch Peter Wohlleben „für sein faszinierendes und lehrreiches Buch ‚Das geheime Leben der Bäume‘“.

Zwischen Verzweifeln und Hoffen

Mit scharfen Dialogen und prägnanten, holzschnittartigen Zeichnungen fängt Nora Dasnes die Stimmung zwischen Verzweifeln und Hoffen ein. Witz statt Wut ist das Mittel von William Suttcliffe, der entlarvend aus Lukes Perspektive erzählt. Auch wenn Familienprobleme ein Stück weit überhand nehmen, steuert „Grüner wird’s nicht“ auf ein bewegendes Finale zu, bei dem Luke und Sky einem TV-Team ihre Motivation erklären: Klimakrise, für Ältere nur eine Nachrichtenmeldung – „Aber für uns geht es um unsere Existenz.“ Und das nur, weil keiner auf schnelle Autos, Wochenendtrips und Obst aus Neuseeland verzichten wolle. „Und wir müssen dann damit leben.“ Wie sich das anfühlt, machen diese beiden Bücher nachvollziehbar.

Nora Dasnes
„Hände weg von unserem Wald!“. Aus dem Norwegischen von Katharina Erben. Klett-Kinderbuch. 236 Seiten. 18 Euro. Ab 10 Jahren

William Suttcliffe
„Grüner wird’s nicht – Der Sommer, in dem ich die Welt rettete“. Aus dem Englischen von Leena Flegler. Ars-Edition. 315 Seiten. 15 Euro. Ab 11 Jahren

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Nora Dasnes
„Hände weg von unserem Wald!“. Aus dem Norwegischen von Katharina Erben. Klett-Kinderbuch. 236 Seiten. 18 Euro. Ab 10 Jahren

William Suttcliffe
„Grüner wird’s nicht – Der Sommer, in dem ich die Welt rettete“. Aus dem Englischen von Leena Flegler. Ars-Edition. 315 Seiten. 15 Euro. Ab 11 Jahren