Laura Feyel und Tassilo Hang haben sich bei der Ausbildung in Mannheim kennengelernt. Foto: Gottfried Stoppel

Laura Feyel und Tassilo Hang haben in der Schorndorfer Altstadt eine eigene Kaffeerösterei mit Café eröffnet – so wie es eben derzeit geht. Geröstet wird in einem alten Gewölbekeller.

Schorndorf - Der Duft der frisch gemahlenen Bohnen schafft es sogar durch die FFP2-Maske. Im Becher dampft kurze Zeit später Kaffee aus El Salvador, von Hand aufgebrüht durch einen Filter. Getrunken werden muss die schwarze Köstlichkeit allerdings vor der Tür. Denn Laura Feyel und Tassilo Hang haben ihre Nautilus Kaffeerösterei mit Café vor kurzem und mitten im Lockdown in Schorndorf eröffnet.

 

Deswegen stehen noch keine Tische und Stühle im Erdgeschoss, im stimmungsvoll beleuchteten Gewölbekeller fehlen die Sofas und der große lange Tisch, an dem einmal Kaffeeverkostungen stattfinden sollen. Umso besser kommt im Untergeschoss das Herzstück des Betriebs zur Geltung: Neben den Säcken mit Rohkaffee steht die Röstmaschine.

Ausbildung bei einem Direktimporteur für Rohkaffee

An diesem Tag hat Tassilo Hang sie schon angeworfen, um eine Mischung aus 80 Prozent Catuai vermelho pulped natural aus Brasilien und 20 Prozent Old Paradenia fuly washed aus Indien zu rösten. Der Laie rätselt, Tassilo Hang erläutert gerne. Dass in Indien vor allem Robusta-Kaffee angebaut wird, weil sich die geringe Höhenlage dafür anbietet. Dass sich hinter den Begriffen pulped natural und fully washed die Weiterverarbeitung der Früchte nach der Ernte verbirgt. Und dass Catuai oder Old Paradenia verschiedene Sorten sind – wie Riesling oder Trollinger.

„Kaffee ist viel mehr als das, was man morgens schnell zum Wachwerden trinkt. Er ist mindestens genauso spannend wie Wein“, findet der 29-Jährige. Der gebürtige Göppinger hat sich von der Kaffeeleidenschaft eines Freundes anstecken lassen. Bei einem Mannheimer Direktimporteur von Rohkaffee hat er eine Ausbildung zum Fachmann für Systemgastronomie gemacht, um das Röst-Handwerk zu erlernen. „Ich konnte unheimlich viel Erfahrung sammeln, konnte durch das angegliederte Schulungszentrum viel mitnehmen“, sagt Tassilo Hang.

Schorndorf als Standort mit viel Potenzial

In dem Betrieb hat er Laura Feyel kennengelernt, die dort für ihr Foodmanagement-Studium gelandet ist. „Ich war eigentlich nicht auf Kaffee fixiert, sondern habe mich einfach für gute Lebensmittel interessiert. Aber durch meine Ausbildung wurde auch ich für Kaffee begeistert“, sagt die 26-Jährige, die ursprünglich aus Rudersberg-Steinenberg kommt.

Vor etwa zwei Jahren hat das Paar beschlossen, eine eigene Rösterei samt Café zu gründen. In Schorndorf sind die beiden schließlich gelandet, weil sie aus der Nähe stammen, und weil sie jede Menge Potenzial sehen: im Charme der Fachwerkhäuser, im schönen Wochenmarkt, der dafür stehe, dass sich die Bewohner für gute Lebensmittel interessieren würden. „Zudem gibt es hier so etwas wie uns noch nicht. Und es haben sich in Schorndorf andere junge Leute selbstständig gemacht, was uns ermutigt hat, den Schritt zu wagen.“

Das Ladengeschäft in der Moserstraße haben sie im vergangenen Frühjahr aufgetan, dann musste viel renoviert werden – von einer Zwischenwand sind nur noch ein paar Stützen übrig, die Zimmerhöhe wurde verändert. Für die Röstmaschine wurde der Schornstein neu gemacht, ein Katalysator bearbeitet die Abluft, damit möglichst wenig Geruchsemissionen die Nachbarschaft belasten.

Ein fairer Preis für die Kaffee-Produzenten ist wichtig

Den Rohkaffee beziehen sie über ihren Ausbildungsbetrieb. „Da wissen wir, dass die Produzenten einen fairen Preis erhalten und dass die Qualität stimmt“, sagt Tassilo Hang, der gerne etwas heller röstet, die fruchtig-floralen oder nussig-schokoladigen Aromen mehr zur Geltung bringen will. Und er will niemanden in eine Schublade stecken: Ob Filter, Vollautomat oder Espressomaschine – jeder soll die passende Mischung finden. Auch wer nur einen Kaffee trinken möchte, ist willkommen: Den gibt’s derzeit eben nur zum Mitnehmen, gerne im Recup-Pfandbecher.

Seit gut zwei Wochen ist die Rösterei nun geöffnet, vom Start sind beide angetan. „Wir hatten keine hohen Erwartungen und sind glücklich, wie gut es angelaufen ist“, sagt Laura Feyel.