Die Übernehmer der insolventen Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof skizzieren ihre Ideen für das „Warenhaus der Zukunft“, bleiben aber an etlichen Stellen noch vage. Klar wird bereits, dass der badische Manager Bernd Beetz in vielen Belangen die Richtung vorgeben wird.
Schon der Tonfall und sein von englischen Brocken durchsetzter Vortrag verraten, dass der Mann mehr in den USA und dem Rest der Welt unterwegs ist als in seiner alten Heimat Sinsheim und Mannheim. Auch die Euphorie in der Stimme von Bernd Beetz passt so gar nicht zu der Tristesse des Vorgangs, die Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK). Mit flammenden Worten sagt der 73-jährige Investor eine gute Zukunft der leidgeprüften Warenhauskette voraus. „Wir wollen Erlebniswelten kreieren, die unsere Kunden und Kundinnen zufriedenstellen.“
Nicht zugegen bei der Präsentation in Essen ist der zweite Geldgeber, der US-Unternehmer Richard Baker. Gemeinsam haben sie sich im Bieterkampf durchgesetzt. Dies wohl mit dem weitestgehenden Angebot, was den Erhalt der bisherigen Strukturen angeht: Das Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners und dem badischen Geschäftsmann will mehr als 70 der 92 Filialen bundesweit eine Chance geben.
Beetz und Baker „seit Jahren freundschaftlich verbunden“
Beetz sieht sich keinesfalls als Juniorpartner der US-Investoren. Es sei ihm ganz wichtig zu betonen, dass die zwei „Family Offices“ (Unternehmen, die das Vermögen der Eigentümerfamilien verwalten) „auf Augenhöhe, Schulter an Schulter in dieses Projekt gehen“. Beide würden sich aus „vollem Herzen engagieren, um Galeria zum Erfolg zu führen“. Mit Baker sei er „seit Jahren freundschaftlich verbunden“, sagt er. „Ich engagiere mich immer gern mit Menschen, die ich kenne, die vertrauenswürdig sind.“
Die Kombination der Erfahrungsschätze sieht der 73-Jährige als nötige Grundlage, wobei er sich selbst als Fachmann für Markenaufbau, Organisationsentwicklung und Unternehmenskultur einordnet. Zudem seien beide Unternehmen „absolut darauf konzentriert, das operative Geschäft zum Erfolg zu führen“. Man wolle eine „Exzellenz“ in allen Bereichen: vom Waren- und Markenangebot über die Logistik bis zur IT.
Ein „Taktgeber, der den Fokus vorgibt“
Beetz bezeichnet sich als „Chairman“ (Vorsitzender) und „Taktgeber“ – als „derjenige, der den Fokus vorgibt“. Zudem betont er den „Schulterschluss“ mit dem operativen Vorstandschef Olivier van den Bossche. „Was uns alle verbindet, ist die Liebe zum Warenhaus als Teil der deutschen Lebenskultur“, schwärmt er. Dieses gebe den Städten einen Mittelpunkt und eine Seele – „das zu beleben ist eine ganz große Aufgabe, der wir uns stellen“. Man wolle einen „Ort schaffen, wo Leute gerne hinkommen“.
Wie viele Standorte genau erhalten werden, soll bis Ende April geklärt werden. „Salopp gesagt“, so Beetz, sei der „Anzug einfach zu groß geworden“ – „wir müssen ihn zurechtschneidern“. Als Kaufmann wolle er so viele Filialen wie möglich haben. „Wir lieben ein großes Angebot“, sagt er. „Aber es ist ganz klar: Wir brauchen die richtige Basis der Mietstruktur.“ Die Flotte solle so groß wie möglich sein, „aber wir können uns nie erlauben, ein Boot zu haben, das ein großes Leck hat, untergeht und den Rest der Flotte mit versenkt“. Entscheidend seien daher „vernünftige, marktgerechte Mieten“. Darüber solle in den nächsten Wochen mit den Immobilieneigentümern verhandelt werden. „Wir haben uns versprochen, dass wir da ganz hart sein werden, weil das ist eine ganz wesentliche Voraussetzung.“ Tatsächlich war ein Kernproblem für Galeria nicht erst in der Signa-Phase, sondern auch schon davor unter Kaufhof-Eigentümer Richard Baker – dessen Rückkehr nun erfolgt – die viel zu hohe Mietbelastung, die es vielen Filialen erschwert hat, schwarze Zahlen zu schreiben.
An vielen Stellen bleibt Beetz vage. So sagt er zu den geplanten Investitionen: „Wir schieben einen ganzen Batzen Cash in das Unternehmen.“ Auch zum Kaufpreis wird Stillschweigen bewahrt. „Das ist vertraulich“, betont der Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus. Sein Ziel sei die höchste Quote für die Gläubiger, es gehe daher „um den absoluten Betrag in Relation zu den Verbindlichkeiten“. Und da das Konsortium sich bereit gezeigt hätte, das größte Filialnetz zu übernehmen, sei das Risiko von Schadenersatzansprüchen geringer. Immerhin: Weil derzeit keine der Immobilien im Besitz von Galeria ist, können die neuen Investoren auch keinen der Standorte ertragreich versilbern.
Ohne Jobabbau wird es nicht abgehen. Zur Frage nach Bestandsgarantien für die Belegschaft sagt Denkhaus: „Der Vertrag ist vertraulich geschlossen, doch wir leben in Zeiten des Fachkräftemangels.“ So hoffe er, „dass die Belegschaft, wenn das Filialnetz klar ist, dem Unternehmen die Treue hält“.
Die Essener Zentrale wird verschlankt
Der Konzern beschäftigt noch rund 12 800 Menschen. Die Essener Zentrale wird verschlankt: 450 Arbeitsplätze, damit die Hälfte der Jobs, dürften wegfallen. Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft werden bald aufgenommen. Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer begrüßt es, „dass ein finanzstarker Investor gefunden wurde, der Galeria als Ganzes erhalten will und über Kompetenz im Einzelhandel verfügt, wenngleich unsere Erfahrungen in der Vergangenheit durchaus zwiespältig waren“. Verdi erwarte, dass der neue Eigentümer investiert und für die Beschäftigten langfristig die Arbeitsplätze sichert. Es brauche ein Zukunftskonzept mit breitem Sortiment und guter Beratung.