Das Publikum ist ganz gemischt: die Wirtin Sonja Merz im Kreise ihrer Gäste in der gemütlich ausstaffierten Kaminstube. Foto:Andreas Engelhard Foto:  

Der Weihnachtsmarkt ist für alle da. Doch immer mehr Firmen wollen hier im kleinen Kreis feiern. Trotz einer neuen Gastro-Hütte sind die Plätze knapp. Was hat es mit dem Trend auf sich?

Stuttgart - Nanu? Livemusik auf dem Weihnachtsmarkt – und dann mal keine mehr oder minder schrägen Flötentöne? Weihnachtslieder, ja, aber auch Whitney Houston und Laura Pausini: Am Montagabend trat die Stuttgarter Sängerin Jenny Marsala mit ihrem Gitarristen in Conny Weitmanns Hütte in der Kirchstraße auf. Popperlen unter Christbaumkugeln – den Gästen der Christmas Party hat‘s gefallen. Gemeinsam mit Thomas Bürkle, dem Geschäftsführer des Tennisvereins TEC Waldau, hat die Wirtin Conny Weitmann zum ersten Mal eine etwas andere Weihnachtsfeier organisiert. Offen für alle, mit prominenten Gästen aus dem Sport.

Staubedingt kam Laura Siegemund etwas später. Sie lebt in Stuttgart und hat in der Halle des TEC für die Australien Open trainiert. Am Dienstag ging das Flugzeug, Weihnachten wird sie in Melbourne verbringen. Vor dem australischen Sommer tankte sie noch mal Winterfeeling auf dem Weihnachtsmarkt, ebenso wie Yannick Maden, sozusagen das „Waldau-Aushängeschild“. Premiere geglückt: Die Gäste kamen bei Wilden Kartoffeln und Riesling in entspannter Atmosphäre ins Gespräch.

Die Hütte wird künftig für Events vermietet

Das bietet auch der gastronomische Neuzugang auf dem Schillerplatz, Schäfers Weihnachtshütte, wenngleich in wesentlich intimerem Rahmen. Hier sitzen die gut 20 Gäste wie in einer Mini-Ski-Alm beim Käsefondue. Bisher war hier ein Socken- und Seifenhändler, der einen offenbar lukrativeren Platz auf dem Marktplatz bekommen hat. Außerdem sind die „Futterkrippen“ weggefallen, die der Tauberquellen-Wirt Frank Schäfer dort bisher aufgestellt hatte.

So sind insgesamt sechs Quadratmeter zusammen gekommen. Die Hütte, die Schäfer im Herbst hat bauen lassen, ist mobil. Sie wird nach dem Weihnachtsmarkt auf einen Hänger geladen und soll dann für Events vermietet werden. Zur Zeit ist sie zum ganz überwiegenden Teil von Gruppen belegt, fast alle Abende sind ausreserviert. Er habe seit einiger Zeit regelmäßig Anfragen von Firmen gehabt, sagt Schäfer und nennt die Großen aus der Region.

Das gestiegene Interesse, auf dem Weihnachtsmarkt im kleineren Kreis zu feiern, bestätigt Marcus Christen, der zuständige Abteilungsleiter von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. „Wir wissen, dass es immer mehr Gruppen gibt.“ Das habe seinen Grund: Auf dem Weihnachtsmarkt könne man sich in angenehmer Atmosphäre treffen – und hier gebe es auch keine Hierarchien. „Blöd ist es nur, wenn es regnet.“

Den Glühwein im Trockenen trinken

Als die in.Stuttgart vor 15 Jahren die Organisation des Weihnachtsmarktes übernommen habe, erläutert Christen, habe es noch keine festen Überdachungen gegeben. Inzwischen haben viele Stände auf dem Markt- und Schillerplatz Bereiche, in denen die Kunden ihren Glühwein im Trockenen trinken können. Das Spektrum reicht von etwas mehr als einem Unterstand mit zwei schmalen Stehtischen bis zur komplett möblierten Holzhütte wie beispielsweise dem Stand von Inge Putler am Alten Schloss Richtung Karlsplatz.

Seit Jahren etabliert für Firmenfeiern aller Art (gerne samt DJ am späteren Abend) ist die zünftig-elegante Sporeralm vor der Markthalle, die von der dortigen Looß-Gastronomie betrieben wird. Und ein paar Meter weiter Richtung Stiftskirche hat auch das Deie-Backhaus inzwischen ein veritables Haus gebaut. Bereits seit 2008 betreibt Conny Weitmann ihre Weihnachtshütte, ein Jahr später hat Sonja Merz ihre Kaminstube entlang der Dorotheenstraße eröffnet.

In den beiden aufwendig dekorierten Buden können Gruppen reservieren – und sie sollten es auch. „Abends wird’s sonst eng“, sagt Conny Weitmann, die sich Auftritte wie den von Jenny Marsala nur am etwas ruhigeren Montag vorstellen kann. Das Publikum sei ganz gemischt, ergänzt Sonja Merz, vom Autobauer bis zum Friseur würden Abteilungsleiter oder Inhaber ihre Mitarbeiter oder Kunden einladen. Dieses Jahr habe sie sogar eine spanische Hochzeit bewirtet, mit 40 Gästen, die nach dem Standesamt im adventlichen Ambiente auf das junge Glück anstoßen wollten.

„Der Bedarf ist da. Deshalb haben wir der neuen Hütte auf dem Schillerplatz zugestimmt“, sagt Marcus Christen. Er beeilt sich aber auch zu betonen, dass damit nun der Bedarf gedeckt sei. Er sehe keinen Stand beziehungsweise auch keine zusätzliche Stelle mehr auf dem Markt- und Schillerplatz für ein weiteres vergleichbares gastronomisches Angebot. „Mehr gibt es nicht.“ Schließlich wolle man den Weihnachtsmarkt offen halten. „Wir wollen keine geschlossenen Gesellschaften.“

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