Lokale Heizungsbauer bekommen zunehmend Konkurrenz von bundesweiten Anbieter wie Enpal oder Thermondo. Was spricht für sie? Worauf Verbraucher beim Vergleich achten sollten.
Mehrere Leser haben unserer Zeitung zuletzt berichtet, dass sie ihre neue Wärmepumpe von überörtlichen Firmen haben einbauen lassen und dass sie mit dem Preis und dem Service sehr zufrieden waren – teils seien die Kosten um die Hälfte niedriger gewesen als im Angebot eines örtlichen Betriebs, und in drei bis fünf Tagen sei alles fertig gewesen.
Bei Jürgen Walter aus Asperg (Kreis Ludwigsburg) war die Wärmepumpe nach Abzug der staatlichen Förderung sogar gleich günstig wie eine Gasheizung. Wer sind diese Firmen, die seit wenigen Jahren zunehmend den Markt aufmischen und mit rein klimafreundlichen Angeboten werben?
Die beiden Platzhirsche heißen Enpal und Thermondo, beide haben ihren Hauptsitz in Berlin. Thermondo wirbt damit, schon 13 000 Wärmepumpen verbaut zu haben, Enpal hat beim Umsatz mittlerweile die Milliardengrenze überschritten, der aber vor allem mit Solaranlagen und Speichern erwirtschaftet wird. Daneben gibt es weitere Anbieter, etwa 1Komma5Grad in Hamburg, Octopus Energy in München oder Enter ebenfalls in Berlin.
160 Angebote für Wärmepumpen geprüft
Sie alle werben damit, alles aus einer Hand anzubieten, von der Energieberatung über den Einbau bis hin zur Hilfe bei den Förderanträgen und zur Wartung, teilweise sind auch Smart Meter und flexible Strompreise im Angebot.
Tatsächlich scheint dies ein Vorteil zu sein. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat bei einer Prüfung von 160 Angeboten festgestellt, dass im Angebot von lokalen Handwerkern oft wichtige Posten wie das Setzen des Wärmepumpen-Fundaments im Garten oder die Elektroinstallation fehlten. Bundesweite Anbieter seien in ihren Angeboten vollständiger, bestätigt auf Nachfrage Laura Vorbeck, die an der Studie mitgearbeitet hat.
Der vermeint größte Nachteil: die Distanz der Firmen
Ob diese Firmen immer günstiger anbieten können, ist allerdings nicht gesetzt. Einerseits haben sie durch die große Zahl an eingekauften Wärmepumpen sicher Mengenvorteile, die sie an die Kunden weitergeben könnten. Dies betont zum Beispiel Max Schroeren, einer der drei Chefs der Firma Enter. Er verspricht, dass seine Geräte bis zu 6000 Euro günstiger seien als auf dem freien Markt.
Andererseits legt zum Beispiel Enpal Wert auf Qualität – wie Simon Harske, der Geschäftsführer der Wärmepumpen-Sparte bei Enpal, betont, verbaue man nur hochwertige Geräte von Bosch oder von der Eigenmarke. „Wir wollen nicht der günstigste Anbieter sein, sondern der Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis“, so Harske. Den Preis erhöhen könnten auch die hohen Kosten für Marketing und Werbung, die diese Unternehmen ausgeben müssen, um an Kunden zu kommen.
Der vermeintlich größte Nachteil dieser Firmen ist, dass sie nicht vor Ort sitzen. Viele Kunden wünschen sich nämlich einen Anbieter, der etwa bei einer Störung der Heizung schnell kommen kann. Alle Unternehmen treiben deshalb großen Aufwand, dieses Argument pro örtlichen Handwerker zu entkräften. Enpal etwa hat eine Fernwartung aufgebaut; ein Drittel der Fälle könne darüber gelöst werden, so Simon Harske. Daneben gebe es in allen Regionen Deutschlands Servicetechniker, die in maximal 90 Minuten beim Kunden sein könnten. Mathias Paul von Thermondo betont, dass im Raum Stuttgart 50 Mitarbeiter fest tätig sind.
Zwischen dem örtlichen Heizungsbauer und den bundesweiten Firmen siedeln sich etwa die Energie-Rebellen in Karlsruhe an. Diese Firma mit heute 50 Mitarbeitenden ist vor vier Jahren aus einem klassischen Meisterbetrieb entstanden. Fossile Heizungen sind nicht im Angebot, und auch der knallige Internetauftritt signalisiert, dass man einiges anders machen will: „Wir sind ein regionaler Handwerksbetrieb, der die Zeichen der Zeit erkannt hat“, beschreibt Catherine Lorcy das Profil der Energie-Rebellen.
Verbraucherzentrale: Vor- und Nachteile bei beidem
Ihr Einzugsgebiet reicht entlang des Rheins bis in die Pfalz und bis in die Region Stuttgart. Eigene Teams übernehmen die Installation und die Wartung. Ihr Preis könne vielleicht nicht immer mit den Großen konkurrieren, räumt Lorcy ein, dafür sei man in erreichbarer Nähe.
Laura Vorbeck von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kommt jedenfalls zum Schluss, dass weder der Handwerksbetrieb noch ein Komplettanbieter im Grundsatz vorzuziehen sei. „Es gibt auf beiden Seiten Vor- und Nachteile“, so Vorbeck. So berichten Kunden auf Bewertungsportalen, dass sie bei den großen Firmen bei Problemen telefonisch oft nicht durchkämen. Das kann aber auch beim Handwerker vorkommen. Beim Portal Trustpilot liegen die Noten für die Komplettanbieter zwischen 4,1 und 4,8. Die Bewertungen beziehen sich aber nicht nur auf den Einbau von Wärmepumpen, sondern allgemein auf einen Stromversorgungsvertrag oder auf die Installation einer Solaranlage.
Enormes Wissen zu Wärmepumpe aufgebaut
Beim Einbau setzen viele Firmen auf eigene Teams, wie Octopus Energy. 1Komma5Grad hat in der Anfangsphase gezielt Handwerksbetriebe übernommen; seither habe man weitere neu aufgebaut, sagt Sprecherin Lisa Eckhardt. Insgesamt würden nun mehr als 80 eigene lokale Meisterbetriebe zu 100 Prozent der Gruppe angehören. Thermondo hat nach eigener Auskunft 600 festangestellte Installateure, kooperiert aber seit Kurzem auch mit Partnerbetrieben. Alle betonen, dass sie eine ausgezeichnete Einbauqualität lieferten, weil sie ausschließlich Wärmepumpen anböten und hohe Stückzahlen verbauten – die Mitarbeiter seien also absolute Wärmepumpen-Profis.
Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker vom Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg sieht in diesem Punkt allerdings keinen Nachteil auf der Seite der örtlichen Handwerker – in den vergangenen Jahren hätten sich die Betriebe ein enormes Wissen im Bereich Wärmepumpen aufgebaut, betont er.
Guter Service, kurze Wege
Was den Preis anbetreffe, so seien die örtlichen Handwerksbetriebe in der werbewirksamen Anpreisung mit dem besten Preis oft nicht so marktschreierisch wie Anbieter, bei denen das eine professionelle Marketingabteilung mache. Becker: „Dafür punkten sie mit Verlässlichkeit, Qualität, gutem Service und kurzen Wegen im Störungsfall.“
Zudem beschäftigten die lokalen Betriebe Menschen vor Ort, würden ausbilden, zahlten dort auch ihre Steuern und spendeten im Zweifel für den örtlichen Sportverein. Im Übrigen werde ihnen immer wieder berichtet, dass die Kunden nach dem Einbau der Anlage bei Störungen oder Wartung alleingelassen würden.
Verbraucherschützer empfehlen jedenfalls, immer mehrere Angebote einzuholen. Dabei hilft auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg – sie bewertet kostenlos bis zu drei Angebote für Wärmepumpen.