Vier Jahre lang lernen Kinder in Baden-Württemberg an den Grundschulen, dann sprechen die Lehrkräfte eine Empfehlung aus, an welcher Schulart es weitergehen sollte. Foto: dpa/Patrick Seeger

Für die Kinder ist es ein Nachteil, dass man nicht den Mut hat, zur verbindlichen Grundschulempfehlung zurückzukehren, kommentiert unsere Autorin Alexandra Kratz.

Die Grundschulempfehlung wird verbindlicher. Das war mit der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium zu erwarten. Nur so lässt sich eine Anmeldeflut an den Gymnasien eindämmen. Das tut Not, weil die Räume ohnehin knapp und die Kommunen mit dem schnellen Ausbau überfordert sind, vor allem aber im Sinne der Kinder. Das neue G9 soll kein auf neun Jahre gestrecktes G8 sein, es soll nicht einfacher werden. Nicht alle können bei den hohen Standards mithalten, nicht jeder muss Akademiker werden.

 

Schulleitungen predigen das seit jeher, doch bei manchen kommt die Botschaft nicht an. Dies auch, weil die Realschulen zuweilen einen schlechten Ruf haben. Sie zu stärken, ist eine vordringliche Aufgabe. Das würde es Eltern leichter machen, der Grundschulempfehlung zu folgen.

Künftig soll im Zweifel der neue Potenzialtest entscheiden, wohin es nach der vierten Klasse geht. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Der neue Potenzialtest, der künftig entscheidend ist, wenn Eltern das Gymnasium vorziehen und in der Empfehlung was anderes steht, ist der falsche Weg. Damit wird nur Druck ausgeübt. Diese Prüfung muss das Kind bestehen, um später erfolgreich zu sein. So könnte man es interpretieren. Dabei kann ein solcher Test nur eine Momentaufnahme und nicht aussagekräftiger sein, als die Einschätzung der Lehrkräfte, welche das Kind meist über Jahre unterrichtet haben. Für die Kinder ist es ein Nachteil, dass man nicht den Mut für eine verbindliche Empfehlung hat. Dies auch, weil der Weg zum Abitur ohnehin auch über die Realschule führen kann.