Noch ist das neue Lesezimmer nicht fertig. Doch Sibylle Backwinkel (links) und Corinna Emeling machen es sich schon mal ein bisschen gemütlich. Foto: Alexandra Kratz

Am Dienstag wird an der Markus-Schleicher-Straße alles verkauft, was eine Grundschule nicht braucht. Der einstige Fachraum für Technisches Werken soll künftig als Lesezimmer genutzt werden.

Fasanenhof - Seit dem vergangenen Sommer gibt es an der Fasanenhofschule keine Hauptschüler mehr. Nun möchten die Rektorin Corinna Emeling und ihr Team „eine richtig gute Grundschule“ werden. „Wir müssen umdenken“, sagt Emeling. Das beginne bei neuen Leitsätzen und einer neuen Hausordnung und ende bei der Ausstattung der Schule. „Wir haben hier noch ganz viel Zeug, das für uns als Grundschule nicht mehr sinnvoll ist“, sagt die Rektorin. Und das soll jetzt raus. Am Dienstag lädt das Kollegium zu einem Flohmarkt ein. Verkauft werden vor allem Bücher und Kurzwaren, aber auch Nähmaschinen und selbst gemachte Puppensachen.

Dankbarkeit für engagierte Mitstreiter

Die Bücher stammen aus den ehemaligen Klassenbibliotheken. Angeboten werden Jugendbücher, aber auch Schmöker für Erwachsene, Sachbücher, Biografien und Bildbände. Manche der Bücher sind so gut wie neu. Eltern, Lehrer und die ehemalige Konrektorin Luise Schimeczek haben viele Stunden damit verbracht, die Bücher zu sichten und zu sortieren, was noch gebraucht wird und was nicht. Corinna Emeling ist dankbar, so engagierte Mitstreiter zu haben, wie es die Rektorin formuliert.

Die Kurzwaren und die Nähmaschinen sind Restbestände aus dem einstigen Fachraum für Technisches Werken. An der Grundschule gibt es dieses Fach nicht. Darum wird nicht nur das Material verkauft, auch der Raum soll künftig anders genutzt werden: und zwar als Lesezimmer. „Das Lesen soll bei uns eine noch größere Rolle spielen“, sagt Emeling. An der Fasanenhofschule würden viele Kinder unterschiedlichster Herkunft unterrichtet werden, und viele würden zu Hause kein Deutsch, sondern ihre Muttersprache sprechen. „Darum wollen wir unseren Fokus auf das Thema Sprache legen“, sagt die Rektorin.

Flohmarkterlös wird in neue Bücher investiert

Gleichzeitig soll den Kindern der Spaß am Lesen vermittelt werden. „Wir planen keine Bibliothek, wo man sich Bücher ausleiht“, sagt die Lehrerin Sibylle Backwinkel. Vielmehr soll es ein Raum werden, in den man sich zurückziehen und in dem man in gemütlicher Atmosphäre schmökern kann. Auch die Leseomas, die Vorlesepaten der Schule, sollen den Raum nutzen können. Und vielleicht findet dort bald die ein oder andre kleine Lesung statt.

Damit es gemütlich wird, haben engagierte Eltern zu Pinsel und Farbe gegriffen. Was das Mobiliar betrifft, nimmt die Schule das, was sie hat. Denn extra Geld für das Projekt gibt es von der Stadt nicht. Lediglich aus dem Topf für den pädagogischen Verbund, den die Schule mit dem Kindergarten bildet, könnten einige Euro in das Lesezimmer fließen. Noch in diesem Schuljahr soll der Raum fertig werden.

Ein paar neue Bücher möchte sich die Schule aber doch gönnen. Die Lehrer haben Listen erstellt. Die ausgewählten Werke sollen vom Erlös aus dem Flohmarkt gekauft werden. Wer auf dem Basar nichts Passendes findet und dennoch was Gutes tun will, kann auch Geld spenden. Zum Dank wird der Name des Spenders in das von ihm ausgewählte Buch geschrieben.

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