Lena Schwelling steht an der Spitze der baden-württembergischen Grünen. Foto: dpa/Marijan Murat

Lena Schwelling führt zusammen mit Pascal Haggenmüller die Grünen im Land. Vorkehrungen zur Nachfolge des Ministerpräsidenten stehen nicht ganz oben auf der Agenda der neuen Parteichefs, sagt Schwelling.

Stuttgart - Das neue Führungsduo der baden-württembergischen Grünen hat sich allerhand vorgenommen. Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller wollen besonders den ländlichen Raum in den Blick nehmen und sie arbeiten bereits auf die Kommunalwahl im Jahr 2024 hin. Zudem wollen die Grünen im Südwesten mehr Rathäuser erobern, sagt die neue Vorsitzende Lena Schwelling.

 

Frau Schwelling, man hat nicht den Eindruck, Sie müssten erst in Ihr neues Amt als Landesvorsitzende hineinwachsen. Sie wirken so vertraut mit der Partei und ihren Strukturen. Woher kommt das?

Da hilft mir meine Erfahrung bei der Grünen Jugend sehr. Aus diesem politischen Engagement nimmt man sehr viel mit. Man lernt da, wie Partei funktioniert und wie man ehrenamtliche Mitglieder motiviert. Satzungs-und Verfahrensfragen klärt man da ohnehin. Für dieses Rüstzeug bin ich dankbar.

Geht es an der Parteispitze zusammen mit Ihrem Kovorsitzenden Pascal Haggenmüller nahtlos weiter wie gehabt? Was machen Sie anders?

Wir haben jetzt andere Aufgaben. Zum Glück ist ja erstmal kein Wahlkampf. Wir haben Zeit uns um Parteistrukturen zu kümmern und da besser zu werden. In den vergangenen Jahren waren Landtagswahl und Bundestagswahl wichtiger. Ich freue mich total auf die Zusammenarbeit mit Pascal. Wir haben schon in den vergangenen Wochen viele Kreisverbände besucht und gemerkt, das passt super zusammen. Wir ergänzen uns hervorragend. Das kann richtig gut werden.

Bei der Bundestagswahl hat sich auch in Baden-Württemberg ein großes Stadt- Land-Gefälle in den Wahlergebnissen der Grünen gezeigt. Wie wollen Sie das ausgleichen?

Wir müssen anfangen, unsere Themen auf die Herausforderungen vor Ort zu übersetzen. Wir haben wunderbare Konzepte zum Beispiel bei der Verkehrswende. Aber die Antworten, die man in der Stadt darauf findet, sind völlig andere als auf dem Land. In der Stadt geht es um mehr Lebensqualität und weniger Autos. Auf dem Land spielt das Auto eine ganz andere Rolle. Da muss man sich neue Konzepte etwa überlegen, etwa einen öffentlichen Verkehr mit flexiblen Routen und Halten.

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Schon vor Ihrer Wahl hieß es, der neue Landesvorstand werde sich vorrangig darum kümmern, die Nachfolge des Ministerpräsidenten zu organisieren. Beim Parteitag hat sich Winfried Kretschmann deutlich zu einer vollen Amtszeit bekannt. Ist das Thema damit für Sie erledigt?

Das ist glücklicherweise kein Thema für das wir morgen eine Lösung brauchen. Perspektivisch werden wir irgendwann darüber sprechen müssen, aber das ist keine Debatte, die wir jetzt unmittelbar oder gar öffentlich führen. Ich bin sehr froh, dass er noch einmal sehr deutlich gemacht hat, dass er bis zum Ende der Amtszeit im Amt bleiben will, wenn seine Gesundheit das zulässt. Ich habe das Gefühl, dass wir sehr gut mit ihm zusammenarbeiten werden. Die Gespräche, die wir bisher geführt haben, waren sehr vertrauensvoll. Deshalb freue ich mich sehr, dass er auch weiter unser Ministerpräsident bleiben wird, ohne dass die Nachfolge jetzt schon ein Thema ist.

Die Grünen kommen im Bund in die Regierung, Sie führen in Baden-Württemberg die Regierung an. In den Rathäusern haben Sie Nachholbedarf. Was ist Ihr Ziel?

Mehr grüne Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister. In Baden-Württemberg ist die Stellung des Rathauschefs sehr stark und beinhaltet viele Gestaltungsmöglichkeiten. Und wir wissen, egal, was für tolle Gesetze wir im Bund oder im Land schreiben, die müssen vor Ort umgesetzt werden. Wenn wir an den Rathausspitzen besser werden, können wir unsere Politik auch besser in die Fläche bringen.

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Warum sind Sie bei den Bürgermeistern so schwach? Fehlt es Ihnen an Kandidaten?

Das ist ein komplexes Gemenge. Ja, es fehlt auch an Kandidaten. Die Wählerschaft hat gerne jemanden, der schon Verwaltungserfahrung hat. Dann ist eine Bürgermeisterwahl eine große Persönlichkeitswahl. Die Partei kann auch ein Hindernis sein. Man muss einen Wahlkampf machen, der zur Stadt und zur Person passt. Da haben wir in letzter Zeit strategisch ein paar Fehler gemacht, das kann man aber abräumen. Und wir müssen frühzeitig anfangen. Es hilft nichts, sechs Monate vor der OB-Wahl jemanden aus dem Hut zu zaubern. Das können wir besser.