Damit Superstars auch weiterhin in Stuttgart auftreten, fordert die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart eine neue Großhalle, die die alte Schleyerhalle ersetzen soll. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Fraktionsgemeinschaften PULS und die FrAKTION stellen Kosten und Dimension des von in.Stuttgart geforderten Neubaus infrage und kritisieren die Maßlosigkeit beim „Wettrüsten“ der Veranstaltungsorte.

Im Frühjahr will die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart im Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie für eine neue Großhalle anstelle der 40 Jahre alten Hanns-Martin-Schleyer-Halle vorstellen. „Ohne einen Neubau kommt Stuttgart als Austragungsort für Welt- und Europameisterschaften nicht mehr infrage“, hat Andreas Kroll, Geschäftsführer von in.Stuttgart, klipp und klar den Grund für eine neue, zeitgemäße Großhalle genannt. Zumal Stuttgart mit der technisch veralteten Schleyerhalle auch im Tourenplan der Topstars der Musikbranche keine Rolle mehr spielt.

 

Gibt der Gemeinderat grünes Licht, so soll bereits Anfang 2026 Baubeginn sein. Kroll hält sich zu den potenziellen Baukosten bedeckt, allerdings kursiert im Stuttgarter Rathaus ein Investitionsrahmen in Höhe von rund 250 Millionen Euro.

PULS vermisst tiefer gehende Prüfungen

Angesichts dieser gewaltigen Summe stellt die Fraktionsgemeinschaft PULS den geforderten Neubau infrage. „Dass die Schleyerhalle nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht und einer Sanierung bedarf, ist zwar unbestreitbar, tatsächlich wurden den Ratsmitgliedern von in.Stuttgart allerdings keine tiefer gehenden Prüfungen vorgestellt, ob auch eine Instandsetzung im Bestand möglich wäre“, sagt PULS-Stadträtin Verena Hübsch. Sie kritisiert dabei die „aktuelle Maßlosigkeit beim Wettrüsten der Veranstaltungsorte“. Bekanntermaßen wollen Frankfurt und München in große Multifunktionshallen investieren. „Hierbei will Stuttgart mithalten, dabei wäre es viel sinnvoller, eine Kooperation unter den Veranstaltern und Kommunen anzustreben“.

Großprojekte verstärkt auf den Prüfstand

Bei der Frage, ob ein Neubau sinnvoll ist oder ob die Stadt nach 2005 nicht doch noch einmal in den Bestand investieren sollte, geht die Fraktionsgemeinschaft PULS, was die Klimaziele der Stadt Stuttgart angeht, noch einen Schritt weiter. „Graue Energie ist der entscheidende Hebel beim Klimaschutz, denn der CO2-Rucksack der Baubranche ist gigantisch“, sagt Christoph Ozasek, klimapolitischer Sprecher von PULS. Der Abriss funktionstüchtiger Gebäude wie der Schleyerhalle untergrabe dabei die klimapolitische Glaubwürdigkeit des Gemeinderats. „Das Klimaneutralitätsziel 2035 können wir nur erreichen, wenn umgehend alle Wunschprojekte auf den Prüfstand kommen“, so Ozasek.

Noch kein Finanzierungskonzept

Massive Kritik übt auch die FrAKTION. „Die Abrisspläne sind mit Blick auf den Klima- und Ressourcenschutz aus der Zeit gefallen, zumal die bestehende Halle nicht baufällig ist“, sagt Matthias Gottfried, der für die FrAKTION im Aufsichtsrat der Objektgesellschaft Schleyerhalle und Neue Arena GmbH & Co. KG sitzt. Das gegenseitige Überbieten von Hallen- und Bühnengrößen lehne seine Fraktion generell ab. Zudem sei es unseriös, ohne Finanzierungskonzept jetzt schon ein Datum für den Abriss und einen Standort der neuen Halle zu nennen.

CO2-Bilanz hat Priorität

„Angesichts dieser Abrisspläne fragen wir uns schon, wann die Verwaltungsspitze endlich den Klimaschutz ernst nimmt“, ergänzt Fraktionssprecher Hannes Rockenbauch. Solche Abriss-und Neubauprojekte seien mit Blick auf die CO2-Bilanz überhaupt nicht vermittelbar und dürfen nicht realisiert werden. Statt einen dreistelligen Millionenbetrag für eine Eventhalle auszugeben, sollte die Stadt die Gelder in die Verkehrs- und Energiewende investieren.