Mark Zuckerberg (li.) spricht mit Springer-Chef Mathias Döpfner über das spannungsreiche Verhältnis von Facebook und klassischen Medien. Foto: Screenshot Youtube

Der Medienmanager Mathias Döpfner und der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg trafen einander nicht zum ersten Mal. Aber diesmal befragte der von Fake-News-Vorwürfen geplagte Social-Media-Mann den Journalistenboss. Ist Zuckerberg neugierig auf die echte Nachrichtenwelt geworden?

Menlo Park - Es gibt wohl viele deutsche Journalisten – und Medienmanager – die gerne einmal ausführlich mit Mark Zuckerberg über die Spannungen zwischen Facebook und der klassischen Medienwelt sprechen würden. Einer, der dazu jetzt Gelegenheit erhielt, ist Mathias Döpfner, Chef des Springer-Konzerns. Aber ein wenig verkehrte Welt herrschte dabei doch, sonst wäre es ja nicht Facebook: Nicht Döpfner interviewte bei einem Treffen in Berlin Zuckerberg, sondern Zuckerberg Döpfner. Das Ganze war Teil einer neuen Reihe von Gesprächen, mit denen der Facebook-Gründer das Image seines Konzerns aufbessern und dabei vielleicht ja wirklich Anregungen von außen bekommen möchte.

Facebook könnte einen separaten Bereich für Medieninhalte einrichten, sagte Zuckerberg. Das Online-Netzwerk wolle stärker „hochwertige und vertrauenswürdige News“ hervorheben. Dabei schloss er auch Lizenzzahlungen an teilnehmende Medienunternehmen nicht aus. Zugleich betonte er, der Plan stehe noch ganz am Anfang und Facebook wolle ihn gemeinsam mit der Branche entwickeln.

Hochwertige Inhalte kosten

Döpfner betonte, für Medienunternehmen seien ein funktionierendes Geschäftsmodell und der direkte Zugang zu Nutzern besonders wichtig. Attraktive Konditionen für Verlage würden auch dazu beitragen, dass hochwertige Inhalte auf die Plattform kommen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Medienkonzerns Axel Springer. In Anlehnung an die EU-Urheberrechtsreform sprach er an, dass Facebook als Plattform eine Lizenz für Medieninhalte erwerben müsste. Der Facebook-Chef sagte, man werde darüber nachdenken.

Das ganze Gespräch ist auch auf Facebook und Youtube anhörbar:

In Facebooks Einstellung zu Medieninhalten hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Änderungen gegeben. Zunächst wurde das Online-Netzwerk zu einer immer wichtigeren Plattform für Medienunternehmen, um Nutzer zu erreichen. Doch dann wurde Facebook unter anderem im Zuge des US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 für die massenhafte Verbreitung gefälschter Nachrichten missbraucht - und musste einräumen, schlecht darauf vorbereitet gewesen zu sein.

Keine Facebook-Journalisten

Vor gut einem Jahr kündigte Zuckerberg an, Beiträge von Familie und Freunden sollen in den Newsfeeds der Nutzer mehr Gewicht als Medieninhalte erhalten. Die Idee eines abgetrennten Bereichs für Medieninhalte - diesen Weg geht unter anderem der Konkurrent Snapchat - lehnte Facebook damals noch ab.

Zuckerberg sagte auch, ein Medienbereich könne dem Angebot Facebook Watch für Videos ähnlich sehen. Dabei werden den Nutzern sowohl Inhalte von Seiten, die sie abonnieren, angezeigt - als auch andere populäre Videos. „Alles, was wir machen, wird personalisiert sein“, stellte er zugleich klar. Facebook werde aber keine eigenen Journalisten beschäftigen.

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