Ahmet Balci, Harald Schober und Alexander Bierig (von links) wollen die Taxi-Zentrale nach turbulenten Jahren in ruhigere Gewässer steuern. Auf dem Bild fehlt Vorstandsmitglied Dietmar Plag. Foto: Oliver Willikonsky / Lichtgut

In den vergangenen Jahren waren sich Taxler und Stadtverwaltung oft nicht grün. Das hat sogar zu Streiks geführt. Der neue Vorstand der Taxi-Auto-Zentrale will jetzt auf Zusammenarbeit setzen – und schwarze Schafe aussortieren.

Stuttgart - Die Szene wird jeder, der sie gesehen hat, nicht so schnell vergessen: Hunderte Taxifahrer legen die Arbeit nieder und steuern den Stuttgarter Marktplatz an. Der füllt sich in Minutenschnelle bis ins letzte Eck mit Fahrzeugen, der Rückstau weiterer Taxis reicht durch die halbe Innenstadt. An jedem Oktobertag 2014 eskaliert der Streit zwischen der Stadtverwaltung und der Branche, die zum öffentlichen Nahverkehr gehört, endgültig. Das Gewerbe protestiert lautstark gegen vermeintliche Benachteiligungen durch die Verwaltung, in diesem Fall zu schlechte Taxistände am Cannstatter Wasen während des Volksfests. Erst als die Protestierenden vor dem Rathaus immer lauter werden und der damalige FDP-Stadtrat Bernd Klingler mit ihnen spricht, kommt auch OB Fritz Kuhn herunter.

Die Aktion ist nur die Heftigste von vielen. Im Taxi-Magazin wird immer wieder vor allem gegen die Grünen in Stadt und Land gewettert. Zuletzt streikt die Branche im März, weil sie sich gegenüber neuen Mobilitätsformen benachteiligt sieht. Immer wieder fliegen die Giftpfeile hin und her. Die Fahrer kündigen sogar an, bei der nächsten Kommunalwahl mit einer eigenen Partei antreten zu wollen. Häufig wird der Protest von der Taxi-Auto-Zentrale (TAZ) in Bad Cannstatt organisiert. Sie vereint als Genossenschaft viele Taxler und vermittelt den Großteil der Fahrten in der Stadt und am Flughafen. Und bei allem Unverständnis mancher Beobachter und teils auch innerhalb der Branche selbst verzeichnet man damit immer wieder Erfolge und Zugeständnisse der Stadt.

Neuer Chef für 60 Mitarbeiter

Dieser Konfrontationskurs soll jetzt aber der Vergangenheit angehören. Vor einigen Wochen ist der bisherige TAZ-Vorstandsvorsitzende Murat Arslan aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Durchaus zum Bedauern vieler Beteiligter, hat er doch einigen Schwung in die Branche gebracht. Sein Nachfolger und Chef von 60 Mitarbeitern kommt aus dem eigenen Haus: Harald Schober arbeitet seit 20 Jahren für die TAZ und war bisher Prokurist. Zunächst will er das Amt interimsmäßig bis zur nächsten Generalversammlung im Sommer übernehmen.

„Mit der Stadt wollen wir jetzt zusammensitzen und reden“, sagt er. Es sei an der Zeit, einen Konsens zu finden, zumal sich auch die Verwaltung kompromissbereit zeige. „Die Situation war auf beiden Seiten etwas eskaliert. Ich glaube, dass wir dennoch ein partnerschaftliches Verhältnis hinbekommen können. Das heißt aber nicht, dass wir künftig zu allem ja und amen sagen“, so Schober. Gespräche seien bereits terminiert. „Wenn man sich gefetzt hat, muss man danach auch wieder zusammensitzen können“, bestätigt der Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Bierig.

Zu besprechen gibt es einiges. Zum Beispiel die Förderung für Rollstuhltaxis. „Wir haben bisher nur zwei in unserer Flotte, die auch elektrische Rollstühle aufnehmen können, und würden das gerne ausbauen“, sagt Co-Vorstand Ahmet Balci. Man müsse da aber „einiges an Überzeugungsarbeit leisten, denn es gibt Berührungsängste“. Eine Umrüstung oder Neuanschaffung ist teuer, auch der Umgang mit behinderten Menschen will gelernt sein.

Elektrotaxis sind ein schwieriges Thema

Auch der Ausbau der Elektromobilität ist ein Thema. Bisher sind nur drei rein elektrische Taxis in Stuttgart unterwegs, obwohl es bei manchen Kunden durchaus Anfragen danach gibt. Dazu kommen mehrere Dutzend Hybridfahrzeuge. „Das Problem ist nach wie vor die Reichweite. Aber auch die vielen Rotphasen in Stuttgart kommen dazu. Der Verkehr muss flüssiger werden“, so Schober. Derzeit sei man in Gesprächen mit der Stadt über drei neue Schnellladestationen für Taxis.

Zuletzt haben auch mehrere Fälle rabiater oder zudringlicher Fahrer für Aufsehen gesorgt. „Das sind zum Glück absolute Ausnahmen“, sagt Bierig. Sowohl Übergriffe von als auch auf Taxifahrer seien in den vergangenen Jahren eher weniger geworden. Rund hundert Beschwerden von Fahrgästen pro Jahr hat die TAZ zuletzt verzeichnet. „Dabei geht es aber meist um Fahrtablehnungen oder Umwege“, weiß Balci. Er selbst kontrolliere, wenn er draußen unterwegs ist, jedes Taxi. „Wenn es Beanstandungen gibt, laden wir die Leute zu uns ein. Wir haben jede zweite Woche eine Anhörung“, sagt er. Ein Druckmittel gibt es: Laut Betriebsordnung kann die TAZ bei ihr angeschlossenen Fahrern Nachschulungen anordnen – und die sind teuer. „Wir versuchen, solche Fälle in den Griff zu bekommen“, sagt Schober.

Genauso wie das Verhältnis zur Stadtverwaltung. Damit sich solche Szenen wie im Oktober 2014 zumindest in nächster Zeit nicht mehr wiederholen.

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