Theresia Bauer ist zufrieden mit der neuen Exzellenzstrategie für die Universitäten. Foto: dpa

Bund und Länder haben sich auf ein neues Konzept zur Förderung der Spitzenforschung geeinigt. Das kann baden-württembergischen Universitäten neue Chancen eröffnen, findet die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Stuttgart - Sehr erfreut“ zeigen sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (beide Grüne) über das Nachfolgeprogramm zur Exzellenzinitiative für Universitäten. „Die Chancen für Baden-Württemberg sind hervorragend“, erklärten Kretschmann und Bauer. Unter den nun geltenden Bedingungen der neuen Exzellenzstrategie könnten auch die mittelgroßen Universitäten des Landes ihre Stärken sichtbar machen, finden der Regierungschef und die Ministerin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich am Donnerstag auf ein Nachfolgeprogramm der Ende 2017 auslaufenden Exzellenzinitiative verständigt. Danach werden elf Universitäten von 2019 an sieben Jahre lang mit 533 Millionen Euro jährlich gefördert. Danach folgt eine Evaluation. Diese sieht vor, dass nach sieben Jahren vier Universitäten neu hinzukommen. Entweder fallen durch die Evaluation bestehende Spitzenuniversitäten aus der Förderung, oder das Programm wird ausgeweitet. Damit gingen Bund und Länder auf Bedenken Hamburgs ein. Die Hansestadt hatte verlangt, „dass Hochschulen, die sich anstrengen, aufsteigen können“, wie die Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank sagte. Den Kompromiss nannte sie „eine gute Lösung“. Ursprünglich war eine dauerhafte Förderung von acht bis elf Spitzenunis vorgesehen gewesen. Hamburg hatte gedroht, seine Zustimmung zu verweigern. Dann wäre das Nachfolgekonzept geplatzt, denn es erfordert Einstimmigkeit der Regierungschefs.

Bauer sieht Wettbewerb positiv

Hamburg sieht nun auch Chancen für seine Universitäten. Baden-Württemberg glaubt, dass der Kompromiss weiteren Hochschulen aus dem Südwesten den Aufstieg in die Spitzenliga ermöglicht. Im aktuellen Programm, das seit 2012 läuft, werden ebenfalls elf Spitzenuniversitäten gefördert. Darunter sind drei aus Baden-Württemberg: Heidelberg, Konstanz und Tübingen. In der ersten Runde der Exzellenzinitiative, die im Jahr 2006 startete, gehörten Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg und Konstanz zu den zehn Spitzenunis im Bund. Theresia Bauer begrüßt die Festlegung auf elf Universitäten: „So wird die Wissenschaftslandschaft und die wissenschaftliche Exzellenz in Deutschland in ihrer Vielfalt abgebildet“. Auch der Plan, nach sieben Jahren vier neue Unis aufzunehmen, sei ganz im Sinne des Landes. „Das ermöglicht Dynamik im System“, sagte Bauer. Den verstärkten Wettbewerb sieht sie positiv.

Baden-Württemberg besonders erfolgreich

Die Fortsetzung des Programms kommt auch in der Wirtschaft gut an. Für die Arbeitgeber in Baden-Württemberg erklärte deren Vizepräsident Karl Schäuble, „der Einstieg des Bundes in die dauerhafte Finanzierung von Spitzenforschung ist ein wichtiger Meilenstein in der Fortentwicklung der Hochschulen im Land“. Dies bedeute „einen deutlichen Schritt nach vorne zu mehr Planungssicherheit in der Spitzenforschung“. Schäuble zeigte sich wie Theresia Bauer zuversichtlich für die Landesuniversitäten. Er verwies darauf, dass der Südwesten bisher das erfolgreichste Land in der Exzellenzinitiative sei. „Die neue Vereinbarung bietet die Chance, dass dies auch so bleibt“.

Das Programm wird zu drei Vierteln vom Bund finanziert, ein Viertel müssen die Standortländer der geförderten Hochschulen übernehmen. „Baden-Württemberg wird ein verlässlicher Partner bei der Finanzierung internationaler Spitzenforschung in Deutschland sein“, versicherten Kretschmann und Bauer. Von 2006 bis 2017 fließen 4,6 Milliarden Euro in die Spitzenforschung. Baden-württembergische Universitäten erhielten 834 Millionen Euro an Bundesmitteln.

Während die Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) die Exzellenzstrategie als „zentrales Projekt im Hochschulbereich in dieser Legislaturperiode“ bezeichnete, kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das Vorhaben. Statt „auf unbestimmte Zeit Milliarden in die Spitzenforschung an ausgewählte Elite-Unis zu pumpen“, sollte die Qualität von Forschung und Lehre in der Fläche verbessert werden, so Andreas Keller von der GEW.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: