Butter vom Handteller und Fine Dining im T-Shirt: Der „Goodstuffclub“ bricht alle Regeln. „Bei uns gibt es gutes Essen, gutes Trinken und eine gute Zeit“, sagen die Macher.
Die gehobene Gastronomie befindet sich schon seit Langem im Wandel: Wo vor 20 und auch noch vor zehn Jahren noch heiß diskutiert wurde, ob – und wenn ja: durch welches Verhalten – man im Sternelokal eine „rote Karte“ bekommt, sich also nie wieder blicken lassen soll, gibt man sich vielerorts, vor allem in den Metropolen, mittlerweile locker, ja fast kumpelig. Vom Teller des anderen probieren? Nur zu. Gin Tonic zum Dessert ordern? Alles, was Freude macht. Im T-Shirt Sterneessen? Gar kein Problem.
Eine neue kulinarische Event-Reihe in Stuttgart schlägt in genau diese Kerbe und schreibt sich auf die Fahne Fine Dining mit Streetfood zu vermählen, und zwar lässig: Willkommen beim Goodstuffclub. „Bei uns gibt es gutes Essen, gutes Trinken, eine gute Zeit, gute Gespräche und gute Mucke“, sagen die vier Initiatoren. „Und das alles in einer lockeren Atmosphäre.“
Hinter dem Goodstuffclub stecken keine Geringeren als Spitzen-Nachwuchskoch Anton Lebersorger mit Sommelière und Partnerin Theresa Schmidt, die Patissière des Jahres 2023, Sophie Mussotter, sowie der SWR-Fernsehredakteur Nikolas Rödelberger. In puncto Fotografie und Gestaltung bekommt das junge vierköpfige Team außerdem Unterstützung von Nick Denecke und David Klicht.
Goodstuffclub – Vier Freunde, eine Mission: Gutes Essen, gute Mucke
Zwei Events hat der Goodstuffclub bereits veranstaltet: ein internes mit Freunden und Bekannten in der Weinstube Killesberg und im November 2025 eine Kitchen Party in der Küche von Lebersorger Catering in Weinstadt, dem Catering Unternehmen, das Lebersorger und Schmidt gemeinsam betreiben. Das nächste Event des Goodstuffclubs wurde just bekannt gegeben: Am 7. Februar verwandelt sich das Cycling Café Alf im Stuttgarter Osten in einen Kulinarik-Hotspot. Tickets kann man auf der Homepage des Goodstuffclubs ergattern. „Im Vordergrund steht beim Goodstuffclub die Leidenschaft für Essen und Trinken – aber nicht auf die spießige Art und Weise“, erklärt Schmidt, sie ist als Gastgeberin und Sommelière für die Getränke und schönen Dinge im Goodstuffclub zuständig.
Regeln und Konventionen möchte das Team bei seinen Veranstaltungen bewusst aufbrechen. „Wir haben zum Beispiel die Gänge auf unterschiedliche Art serviert“, erinnert sich Sophie Mussotter zurück an ihre jüngste Veranstaltung. Die Vorspeise etwa kam auf großen Platten zum Teilen daher, bevor der nächste Gang wieder als Flying Buffet unter die Gäste gebracht wurde. Und ganz zu Beginn dippten die Gäste selbstgebackene Focaccia mit bloßen Händen in zweierlei Butter auf ihren Handtellern – in vielen Sternelokalen immer noch undenkbar. „Fine Dining kann aber eben auch locker sein, und Streetfood kann eine Wertigkeit haben – diesen Bogen möchten wir bei unseren Events spannen“, sagt Theresa Schmidt.
Gleichzeitig sei der soziale Faktor beim Goodstuffclub eine wichtige Komponente. „Der ist für uns sehr wichtig, das haben wir direkt beim ersten Event gemerkt“, sind sich die Gründer einig. Die Trennung zwischen Küche, Service und Gast wird bei ihren Veranstaltungen ganz unkonventionell aufgebrochen, die Gäste stehen wortwörtlich in der Küche und können Mussotter und Lebersorger über die Schulter schauen, während sie Fleischpattys grillen.
Hinter den Kulissen: Die Crew wird zur Einheit
„Wir sind mit den Gästen zusammen ein Team, eine Crew, und verbringen den Abend gemeinsam, statt voneinander getrennt. So entsteht ein schönes Miteinander, das uns als Team auch beflügelt“, sagen sie. Gemeinsam wird geschnackt, geschlemmt, getanzt und gelacht. „Die Anonymität, die Essengehen in der Regel hat – dass irgendjemand irgendwas in der Küche zubereitet, das einem schmeckt oder auch nicht und dann geht man nach Hause – das gibt es bei uns nicht“, ergänzt Rödelberger.
Nikolas Rödelberger kann man als etwas wie den Creative Director der Truppe betrachten. Die Idee für eine Art Goodstuffclub schlummerte schon länger in seiner Schublade, „bis ich vor knapp zwei Jahren auf die drei anderen zugegangen bin und sie ihnen gepitcht habe“, erinnert sich der Fernsehredakteur. Im August 2025 fand dann das erste Test-Event unter Freunden und Bekannten statt. „Es war ein langer, aber auch sehr cooler Prozess bis dahin“, lacht Schmidt. „Viele Entscheidungen mussten getroffen und Ideen durchdiskutiert werden, das hat einfach ein bisschen Zeit gebraucht.“ Das beginne beim Konzept, gehe über die Kommunikation und das Design bis hin zur gemeinsamen Terminfindung, die mit vier vollen Terminkalendern nicht ganz einfach ist.
Wenn man sich die handgemachten Speisekarten des letzten Events anschaut, bekommt man einen ungefähren Eindruck von den Details, mit denen sich das vierköpfige Team im Voraus auseinandergesetzt hat. „Selbst die Speisekarte ist eben nicht nur ein Stück Papier“, erklärt Theresa Schmidt.
Kulinarische Freiheit: Raum für eigene Signature Dishes
Und auch kulinarisch ist dem Goodstuffclub kein Meter zu weit, im Gegenteil: Mussotter und Lebersorger nehmen die Events als Gelegenheit, sich richtig auszutoben. „Wir können machen, was wir wollen“, freuen sich die beiden Experten. Während man sich im alltäglichen Küchenbetrieb und vor allem im Catering nicht über bestimmte Regeln, Rahmenbedingungen und Wünsche der Gäste hinwegsetzen kann, sind sie bei ihren eigenen Events komplett frei. „Und das ist auch, was uns so wahnsinnig viel Spaß an diesem Format macht“, erklärt Mussotter. „Jeder Koch, der frisch aus der Ausbildung kommt, und dann im Beruf anfängt, wird erst mal das kochen, was er oder sie gelernt hat. Es ist nicht möglich, dass man direkt einen eigenen Signature Dish hat“, führt Lebersorger aus. Die Entwicklung eines eigenen Stils kostet Zeit. „Und das ist, woran wir uns hier unter anderem versuchen.“ Dass es auf den Tellern beim Goodstuffclub auch mal unkonventionell zugeht, ist also eine bewusst gelebte kulinarische Freiheit.
Dasselbe gilt für den Blick in die Zukunft. Alles kann, nichts muss. „Möglichkeiten und Ideen gibt es viele, von einem Goodstuffclub-Brunch über ein gesetztes Menü bis hin zu einem Goodstuffclub-Fondue-Abend“, lässt Theresa Schmidt die Gedanken kreisen. „Es gibt keine inhaltlichen Grenzen!“ Was wohl in der nächsten Wundertüte drin ist?