Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist auch in der zentralen Notübernachtung zum Einsatz gekommen. Foto: Lg/Leif Piechowski

Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist bisher vor allem für Personenkreise eingesetzt worden, bei denen Terminvergaben schwierig sind, wie Obdachlose. Im Regelfall soll der Impfstoff jedoch inzwischen nur noch über 60-Jährigen empfohlen werden. Die ärztliche Aufklärung wird jetzt noch wichtiger.

Stuttgart - Gefährdet die Entscheidung, den Impfstoff Johnson & Johnson im Regelfall nur noch für über 60-Jährige zu empfehlen, die Impffortschritte bei Menschen, die schwer zu erreichen sind?

 

Bisher war dieser Impfstoff in Stuttgart aufgrund der einfacheren Logistik vor allem für die Einsätze der mobilen Impfteams eingeplant worden – wie zum Beispiel am vergangenen Freitag bei der Impfaktion in der zentralen Notunterkunft der Stadt Stuttgart für Obdachlose. Dort ändert sich die Belegung täglich. „Wir waren deshalb sehr froh über die Einmalimpfung“, sagt Christoph Maier, der für Wohnungslose zuständige Bereichsleiter bei der Evangelischen Gesellschaft. Doch wie läuft das in Zukunft?

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Welche Auswirkungen hat die Entscheidungen auf die Impfkampagne in Stuttgart? Dazu äußert sich die Stadt auf Anfrage nicht, sondern verweist aufs Land. Mobile Impfungen würden mit verfügbaren Impfstoffen vorgenommen. „Der Impfstoff von Johnson & Johnson kommt gemäß aktuellen Vorgaben zum Einsatz bei Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, sowie bei Personen unter 60 Jahren, die sich nach ärztlicher Aufklärung dafür entscheiden, sich mit dem Vakzin impfen zu lassen“, schreibt die Pressestelle lediglich.

Wird der Impfstoff dennoch noch „der Renner“?

Der medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK), Mark Dominik Alscher, spricht von einem „Dilemma“ angesichts der neuen Empfehlung. „Das wird den Einsatz des Impfstoffs etwas erschweren“, glaubt er. Das Präparat von Johnson & Johnson sei in Einrichtungen für Obdachlose, in Flüchtlingsunterkünften und Justizvollzugsanstalten verimpft worden – immer dort, wo Termine für eine zweite Impfung schwer auszumachen sind. Es mangele teils ohnehin an Akzeptanz in den Unterkünften, sprachliche Probleme kämen hinzu und so manches „wilde Gerücht“ wie die falsche Annahme, die Impfung mache unfruchtbar.

Die mobilen Teams des RBK werden laut Alscher nun wohl neben Johnson & Johnson einen weiteren Impfstoff mitführen müssen. Nach ärztlicher Aufklärung dürfte auch der Vektorimpfstoff verimpft werden. Alscher kann sich vorstellen, dass sich danach so einige für Johnson & Johnson entscheiden: „Ich glaube, dass der Impfstoff der Renner wird“, sagt er. Schließlich erhalten die Geimpften mit ihm schneller Freiheitsrechte zurück.