Der Straßenverkehr gehört zu den größten Schadstoff-Verursachern in den Städten. Die Qualität der Luft hat sich 2019 verbessert – auch deshalb, weil verstärkt umweltfreundliche Autos auf die Straßen kommen. Foto: dpa/Paul Zinken

Die Stickoxid-Emissionen gehen zurück. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh, sagt die zuständige Behörde. Etliche Städte liegen weiter über dem Grenzwert – darunter auch Stuttgart.

Berlin - Die Luftqualität in Deutschland wird besser – wozu nach Einschätzung des Umweltbundesamts (UBA) neben der Erneuerung der Fahrzeugflotte auch umstrittene Maßnahmen wie Fahrverbote und Tempolimits beitragen. „Es gibt keine Entwarnung. Aber die Maßnahmen wirken“, sagte Behördenchef Dirk Messner am Dienstag in Berlin. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte: „Die Ergebnisse sind wirklich mal erfreulich. Wir sehen gute Fortschritte.“

Wie das Umweltbundesamt mitteilte, wurde im vergangenen Jahr der Jahresmittelgrenzwert für das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid (NO2) noch an rund 20 Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. 2018 waren es noch 42 Prozent. Es handelt sich um eine vorläufige Auswertung von Messdaten der Länder und des Umweltbundesamts.

Diesel im Fokus

Messner betonte: „Trotz der Erfolge liegen immer noch etliche Städte über dem Grenzwert.“ In Baden-Württemberg sind das neben Stuttgart die Städte Reutlingen, Heilbronn und Mannheim. Bundesweit sind überdies die Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf und Dortmund sowie diverse mittelgroße Städte betroffen. Insgesamt stehen jetzt 19 Städte auf der Liste mit Überschreitungen des NO2-Grenzwerts. Da aber noch nicht alle Stationen ausgewertet sind, könnte die Zahl laut der Behörde auf 25 bis 30 steigen.

Der gesetzliche Grenzwert für Stickstoffdioxid liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Neckartor in Stuttgart wurden 2019 im Jahresmittel noch 53 Mikrogramm gemessen. Im Jahr davor waren es allerdings 71 Mikrogramm.

Hauptquelle für Stickoxide in den Städten ist der Straßenverkehr, insbesondere Pkw mit Dieselmotor. Die Erkenntnis, dass etliche Dieselfahrzeuge im Fahrbetrieb viel mehr Stickoxide in die Luft blasen als auf dem Papier angegeben, hatte die gesamte Autobranche in den vergangenen Jahren in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise gestürzt. Im Zentrum steht bis heute der Volkswagen-Konzern, der über Jahre hinweg systematisch Dieselmotoren manipuliert hatte.

Schärfere Grenzwerte gefordert

UBA-Chef Messner sagte am Dienstag: „Heute haben moderne Diesel-Autos der Abgasnorm Euro 6d-TEMP auch auf der Straße niedrige Stickstoffoxid-Emissionen, was zur Abnahme der NO2-Belastung beiträgt.“ Unabhängig davon seien der beste Garant für saubere Luft in den Städten weniger Autos auf den Straßen. Laut Behörde machen neue Autos und Software-Updates zwei Drittel der durchschnittlichen NO2-Minderung aus. Der Rest entfällt auf Maßnahmen wie lokale Fahrverbote, Tempolimits und anderes.

Auch die Belastung der Luft mit Feinstaub geht nach Angaben der Behörde zurück. 2019 seien so niedrige Werte gemessen worden wie noch nie seit Beginn der Feinstaubmessungen Ende der 1990er Jahre. Erstmals seien die EU-weit geltenden Grenzwerte eingehalten worden. Messner sagte, das klinge nach einem Erfolg. Aus Sicht des Gesundheitsschutzes sei dies aber noch nicht ausreichend. Feinstaub stelle ein deutlich größeres Gesundheitsproblem dar als Stickstoffdioxide. In Deutschland seien jährlich etwa 45 000 Todesfälle darauf zurückzuführen. Die geltenden Grenzwerte müssten dringend verschärft und an neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation angepasst werden.

Feinstaub entsteht unter anderem durch die Verbrennung von Kraftstoff im Straßenverkehr, wobei die Emissionen seit vielen Jahren aufgrund einer verbesserten Motortechnik stark rückläufig sind. Weitere wichtige Feinstaubquellen sind der Abrieb von Reifen, Brems- und Straßenbelägen sowie die Holzverfeuerung.

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