Neue CD: Loretta "Grand Final" Ein Faible fürs Abschiednehmen

Von Michael Riediger 

Die Stuttgarter Gitarrenpopband Loretta mit dem Sänger und Gitarristen Andreas Sauer veröffentlicht ihr neues Album "Grand Final".

Die Stuttgarter Gitarrenpopband Loretta mit dem Sänger und Gitarristen Andreas Sauer veröffentlicht ihr neues Album "Grand Final".

Einen Abschied bedeutet Lorettas elftes Album nämlich schon, und zwar von der CD. Es gibt "Grand Final" nur auf Vinyl mit beigelegter Single, um mit der CD-Laufzeit mitzuhalten. Ansonsten passt das gute, alte Schallplattenformat ohnehin besser zu Lorettas Old-School-Skills bezüglich des Songschreibens, des Arrangierens, des gepflegten Spielens. Und die Coverfotos von Thomas Herrmann, einst selbst Bandmitglied, schauen großformatig auch viel besser aus. Zudem sieht Sauer die CD in der Krise: "Nach meiner Erfahrung stirbt sie aus. Die Leute downloaden oder kaufen aus Geschmacksgründen gleich die LP, vor allem Ältere." Freilich "liegen wir womöglich am Ende doch wieder falsch", was Verkaufs- und Karriere-Konzepte angeht.

In puncto Stil und Song freilich hat Sauer mal wieder alles richtig gemacht, auch wenn die Neue manchem etwas soft ausgefallen sein mag. Inmitten ausladender, auch mal von Streichern getragener Melodie-Harmonie rocken nur zwei Stücke richtig ("Salamander" und die B-Seite der Zusatzsingle, "Veronica (Velvet-Version)", was der Loretta-Kopf einerseits bedauert: "Ich würde eigentlich gerne mal eine Rockplatte machen, kann's aber nicht erzwingen. ,Grand Final' ist so geworden, weil's der aktuellen Stimmung entspricht."

Und die gehe mehr in Richtung Melodie, Melancholie, sogar Jazz - auf "The Story of Love" spielt der großartige Ekkehard Rössle Saxofon, ein alter Loretta-Fan. Sauer: "Wir haben offene Akkorde entdeckt und wehren uns nicht länger gegen dieses Instrument, auch wenn mancher in der Band besorgt fragte: Klingen wir jetzt wie Sade?" Noch mal Entwarnung: Tun sie nicht!

Immer noch klingen Loretta wie eine Mischung aus dem Besten, was es an Gitarrenpop, englischem (Lloyd Cole etwa) wie amerikanischem (Tom Petty, Big Star), je gegeben hat. Mit Zitaten und Verweisen somit, aber auch dieser ganz eigenen Sauer-Note. Etwa dass er wieder Ross und Reiter nennt, nämlich die Namen von tatsächlich existierenden Personen (wie in "Walter and Elsa"), dabei aber eher ironisch als explizit authentisch wirkt. Und mindestens einen Song für die einsame Insel hat er unter elf durchweg guten auch wieder dabei. Für den Berichterstatter ist dies "There Are No Seasons In Space" mit seinen feinen Streichern.

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