Kultusminister Stoch ist mit den Vorgaben für Lehrer noch nicht zufrieden. Foto: dpa

In Bildungsplänen steht, was Schüler können müssen. Jetzt ist eine Reform geplant, doch aus den neuen Vorgaben werden manche Lehrer nicht schlau, deshalb verzögert sich die Einführung.

In Bildungsplänen steht, was Schüler können müssen. Jetzt ist eine Reform geplant, doch aus den neuen Vorgaben werden manche Lehrer nicht schlau, deshalb verzögert sich die Einführung.

Stuttgart - Eigentlich sind Bildungspläne etwas für Experten. Schulpraktiker und Wissenschaftler definieren darin, welche Kompetenzen Schüler von der Grundschule bis zum Abitur besitzen sollen – sorgsam unterschieden nach Fach und Klasse.

Wie sehr man solche Vorgaben aber auch politisch werten kann, hat die Diskussion in den Wochen vor Ostern gezeigt: Tausende Menschen haben online und auf der Straße dagegen protestiert, dass bei der Reform der Bildungspläne dem Thema sexuelle Toleranz so viel Raum gegeben wird. Das Resultat war, dass Kultusminister Andreas Stoch (SPD) diesen Akzent etwas abmilderte und den Text umformulierte – die Wogen scheinen dadurch jetzt geglättet.

Diese Korrektur führt nun aber mit dazu, dass Stoch die für 2015 vorgesehene Einführung der neuen Bildungspläne an Grundschulen und für die Sekundarstufe I um ein Jahr verschiebt. „Das ist ein Faktor für die Verschiebung, aber ein untergeordneter“, sagte er gestern in Stuttgart. Viel wichtiger für seine Entscheidung sei die Rückmeldung aus jenen 60 Modellschulen, in denen die Bildungspläne bereits seit Schuljahres­beginn erprobt werden.

Es habe zahlreiche positive und insgesamt sehr ausgewogene Reaktionen gegeben, sagte Stoch. Vor allem die konkreteren Formulierungen gegenüber den eher wolkigen Vorgaben der Bildungspläne aus dem Jahr 2004 würden gelobt.

Kritik an der Nutz- und Lesbarkeit

Manche der Reaktionen legten aber eine Nachbesserung des Textes nahe, räumte er ein: „Kritik gab es vor allem an der Nutz- und Lesbarkeit der Fachpläne.“ Die Sprache werde bisweilen als zu wissenschaftlich empfunden, vor allem für die Grundschulen seien die Vorgaben möglicherweise zu komplex und zu differenziert. Eine der Rückmeldungen beklage gar einen „mühevollen exegetischen Prozess“ – also eine schwierige Textauslegung.

Der Kultusminister zieht daraus den Schluss, dass die Bildungspläne für Grundschulen und die Sekundarstufe I ein Jahr länger erprobt werden müssen. Sie sollen nun zusammen mit jenen für das achtjährige Gymnasium im Sommer 2016 an die Schulen kommen. Außerdem will er sie auch in den Klassenstufen 7 und 8 an Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen erproben. Auch eine bessere Fortbildung der Pädagogen kündigte er an: „ Die Lehrerinnen und Lehrer sollen ausreichend Zeit für einen Praxistest haben, um die Qualität der Bildungspläne zu prüfen.“

Übergeordnetes Ziel der neuen Vorgaben soll sein, Schülern den Wechsel zwischen den Schularten und Lehrern den Umgang mit zunehmend heterogenen Klassen zu erleichtern.

Zu den Textpassagen über ­sexuelle Toleranz habe er übrigens keine Reaktionen erhalten, sagte Stoch. Das überrasche ihn auch nicht, denn dieses Thema werde an den Schulen ohnehin seit jeher ­beachtet.

Stoch erntete mit seiner Entscheidung allgemein Beifall. Gründlichkeit müsse vor Schnelligkeit gehen, hieß es bei ­allen vier Landtagsfraktionen. Auch die Lehrergewerkschaft GEW begrüßte, dass „im Gegensatz zur Reform 2004“ die Rückmeldung aus den Erprobungsschulen beachtet werde.

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