Sie laden in ominöse Whatsapp-Gruppen ein und werben für Bitcoin: Immer wieder tauchen Fake-Profile von Amtsinhabern auf Instagram auf. Die Polizei kann wenig tun.
Mitte September postet Christian Walter, der parteilose Bürgermeister von Weil der Stadt, auf Instagram den Screenshot eines Profils, das auf den ersten Blick aussieht wie sein eigenes: „christianwalter.wds“ heißt es, gleiches Profilbild, gleiche Accountbeschreibung, in der stolz die einzelnen Teilorte der Stadt am Rande des Schwarzwaldes aufgezählt sind. Wäre da nicht die Warnung, die Walter oben groß auf dem Screenshot ergänzt hat: „Achtung Fake“ steht dort, gefolgt vom Emoji eines leuchtend-gelben Warndreiecks.
Schaut man genauer hin, wird schnell offensichtlich: Hier stimmt tatsächlich etwas nicht. Denn eigentlich heißt das korrekte Profil des Bürgermeisters „christianwalter_wds“, eben mit Unterstrich statt Punkt. Das Profil ist auf privat gestellt, also nicht öffentlich einsehbar. Und: dem falschen Bürgermeister fehlen ein ganzer Batzen Follower, verglichen mit dem Original.
Für Walter war es der erste Fake auf Instagram
Für Christian Walter, der seit mehr als vier Jahren im Amt ist, war das der erste Fall, in dem sich in den Sozialen Medien ein anderer als Bürgermeister ausgegeben hat. „Mich haben einige Bürger angeschrieben und auf den Fake hingewiesen“, erinnert sich Walter. „Ich habe den Fake-Account dann gleich gemeldet, und er wurde innerhalb einer Stunde gelöscht“, wie er berichtet.
Lang gehalten hat es nicht: Weniger als zwei Wochen später postet Walter erneut auf Instagram, die gleiche Warnung, diesmal mit den Worten „Achtung, wieder Fake!“. Und er ist auch nicht der einzige Amtsinhaber in der Region, dem so etwas widerfahren ist. „Ich habe in den vergangenen Wochen selbst einige Anfragen von offensichtlichen Fake-Accounts meiner Bürgermeisterkollegen erhalten“, berichtet Christian Walter.
Ein Betrüger erbeutete 27 000 Euro per Whatsapp-Fake
Da wären etwa zwei Fälle im Strohgäu: Sowohl vom Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath als auch vom Gerlinger Bürgermeister Dirk Oestringer waren für kurze Zeit gefälschte Instagramprofile im Umlauf – beide Kommunen hatten in öffentlichen Mitteilungen davor gewarnt. In beiden Fällen unterschied sich der falsche Account vom echten lediglich durch ein einzelnes Satzzeichen.
Ähnlich war es Mitte September auch mit einem gefälschten Profil von Anna Walther, der Bürgermeisterin von Schönaich. Ihr illegales Double hatte per Instagram Follower dazu aufgefordert, einer fragwürdigen Whatsapp-Gruppe beizutreten. Fast zeitgleich geisterte auch das Fake-Profil vom Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz durchs Netz und lockte Nutzer in eine „Premium-Whatsapp-Gruppe“. Im Juli hatte ein Fake-Profil vom Holzgerlinger Bürgermeister Ioannis Delakos für Bitcoin geworben. Erheblichen Schaden hat derweil ein gefälschter Whatsapp-Account des Sindelfinger OB Markus Kleemann angerichtet, als ein Rentner aus Nordrhein-Westfalen 27 000 Euro an die unbekannten Betrüger überwies.
Bekannte Gesichter werden immer wieder für Betrugsmaschen benutzt
Sowohl Kleemann als auch die Rathauschefs Walther aus Schönaich und Makurath aus Ditzingen haben wegen der Betrugsmasche Anzeige erstattet, das bestätigt das Polizeipräsidium in Ludwigsburg. „Die Verfahren wurden wegen Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz geführt“, sagt Polizeisprecher Steffen Grabenstein. Hinweise auf konkrete andere Straftaten im Zusammenhang mit den Fake-Profilen, also etwa echte Betrugshandlungen wie im Falle Kleemann, würden bisher aber nicht vorliegen.
Grundsätzlich, so formuliert es Grabenstein, sei die Masche nicht unbekannt, dass Betrüger die Daten Dritter benutzten, um ihre Opfer zu täuschen. „Gerade bei Immobilien- oder Fahrzeuggeschäften wird beispielsweise immer wieder fremdes Bildmaterial verwendet, um damit falsche Kauf- oder Mietgesuche zu veröffentlichen und andere Menschen um ihr Geld zu bringen“, sagt er. Auch bei Kaufabwicklungen über Online-Plattformen würde mit echten Daten Seriosität und Echtheit vorgetäuscht werden.
Anzeigen wegen Fake-Profilen auf Instagram sind kaum erfolgreich
Und warum gerade Bürgermeister? „Dass Daten von Prominenten oder Politikern für Betrügereien genutzt werden, ist auch nicht grundsätzlich neu, kam hier in unserem Zuständigkeitsbereich in den letzten Jahren aber nicht vor“, berichtet Grabenstein. „Gerade für in der Öffentlichkeit stehende Personen ist es schwer, sich gegen den Missbrauch ihrer Daten zu schützen.“ Fotos und personenbezogene Daten seien ohnehin im Umlauf.
Ähnliches sagt auch der baden-württembergische Gemeindetag: Fake-Profile seien kein neues Phänomen. „Während früher häufig frei erfundene Personen dargestellt wurden, sind heute vermehrt Fälle von Identitätsdiebstahl zu beobachten – auch durch die Nachahmung von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern“, so ein Sprecher. Auch wenn keine Zahlen vorliegen würden: Zugenommen hätten diese Fälle in den vergangenen Jahren deutlich.
Große Erfolgsaussichten hat die Polizei bei den Anzeigen der Fake-Profile eher weniger. Im Bereich Social Media würden die Nachfragen der Polizei bei ausländischen Anbietern oft gar nicht oder nicht zeitnah bearbeitet werden, so der Polizeisprecher. Und weil die Profile in der Regel schnell gelöscht werden, liegen dann beim Anbieter keine Daten mehr vor.