Der Krankenpfleger Samed Qoshja hat seinen Weg aus Albanien in ein deutsches Krankenhaus gefunden. Foto: dpa/Kristin Bethge

Dem Land gehen Milliarden von Euro verloren, weil Fachkräfte fehlen. Viele Fachkräfte warten lange auf die Anerkennung. Hier soll eine neue Behörde helfen.

Zwei Jahre hat es gedauert, von der ersten Präsentation der Idee bis zur Umsetzung. Am Dienstag nun ist die Landesagentur für Fachkräftezuwanderung (LfF) ganz offiziell in Betrieb gegangen. Diskussionen über eine zu langsame Umsetzung des Projektes will Winfried Kretschmann (Grüne) dabei nicht gelten lassen: „Für das was rausgekommen ist, fand ich es nicht zu lang“, so der Ministerpräsident.

 

Milliarden an Wertschöpfung verloren

Federführend haben Justizministerin Marion Gentges (CDU) und Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) das Projekt voran getrieben, das künftig die Ausländerbehörden der jeweiligen Gemeinden unterstützen soll. Die waren bisher alleine dafür zuständig, die Qualifikationsurkunden von Zuwanderern auf den deutschen Arbeitsmarkt zu bewerten und zu kontrollieren. Neben dem Tagesgeschäft, das von großen Asylbewerberzahlen und vielen Schutzsuchenden aus der Ukraine geprägt ist, kein leichtes Unterfangen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) habe ausgerechnet, dass im Jahr 2023 rund 573 000 Arbeitsplätze für qualifiziertes Personal nicht besetzt gewesen seien, sagt Marion Gentges. Das habe rechnerisch dazu geführt, dass im Jahr darauf Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 49 Milliarden Euro nicht produziert worden seien. Winfried Kretschmann bringt es auf den Punkt: die LfF sei ein „wichtiger Baustein“ für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg.

Die meisten Anfragen kommen aus Gesundheitsberufen

Von einer „guten Nachricht für die Unternehmen in Baden-Württemberg“ spricht auch Claus Paal, der Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK). Denn auch wenn die Wirtschaft gerade nicht brumme: Mittel- bis langfristig bleibe der Fachkräftemangel eines der großen Probleme für die Unternehmen im Land.

Bäcker-Azubis aus Marokko und Tunesien Foto: Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski

Als erste Stelle hat das Klinikum in Lörrach am Dienstag morgen einen Antrag an die neue Agentur gesendet. Das passt nach Angaben von Gesundheitsminister Manne Lucha ins Bild: 60 Prozent der Anträge auf die Anerkennung von Zeugnissen kämen aus dem Gesundheitswesen oder Pflegebereich. Das hat Auswirkungen auf den Standort der neuen Behörde: Die Anträge aus eben diesem Bereich werden im Regierungspräsidium Stuttgart bearbeitet, alle andere in der Schwesterbehörde in Karlsruhe.

Die 30 Mitarbeiter, die zunächst in der Agentur tätig sind, sollen den Unternehmen vor allem eine schnellere Lösung bieten als die Ausländerämter bisher. Im beschleunigten Fachkräfteverfahren gelten verkürzte gesetzliche Bearbeitungsfristen, Voraussetzung für dessen Anwendung ist unter anderem, dass sich Fachkraft und Unternehmen bereits auf eine Zusammenarbeit geeinigt haben und die Fachkraft muss sich noch in einem Drittstaat befinden.