Neue Bar im Leonhardsviertel Drinks und Barfood, nichts weiter

Von Sascha Maier 

Wird auch Zeit: Janusch Munkwitz kümmert sich um die Barkultur und eröffnet am Freitag das Paul & George Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Wird auch Zeit: Janusch Munkwitz kümmert sich um die Barkultur und eröffnet am Freitag das Paul & George Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Barkultur im Leonhardsviertel entwickelt sich: Gegenüber des Clubhauses der Hells Angels und dem Verschönerungsverein eröffnet die neue Bar Paul & George. Neben hochwertigen Getränken ist auch die Architektur bemerkenswert.

Stuttgart - Ein Bordell? Eine miese Kaschemme, in der illegales Glücksspiel betrieben wurde? Oder doch nur ein etwas unfeinerer Tresen? Janusch Munkwitz weiß das nicht. Die Gebäudentkernung der Weberstraße 3 im Leonhardsviertel jedenfalls gab Rätsel auf: Drei Lagen Fließen förderten die Bauarbeiter zutage, zudem Striptease-Stangen und dazu noch Unmengen an roten Gipsvertäfelungen.

Doch was der Architekt Munkwitz, dessen zweites Standbein die Gastronomie ist, hier fand, war sozusagen Liebe auf den ersten Blick: „Ein hoher Raum, alte Backsteinwände, originale Holztüren – das Gebäude wurde 1897 als richtig schönes Wirtshaus konzipiert“, schwärmt der 34-Jährige. Also einigte sich Munkwitz mit dem Eigentümer darauf, das Kleinod nicht nur zu sanieren, sondern nun selbst eine Bar aufzumachen. Das Paul & George, der Name ist eine Ode an die Architekten, die das Haus einst erbaut haben, eröffnet an diesem Freitag.

Whiskey, Gin, Rum, keine Küche

Zusammen mit Dawit Porwich, dem ehemalige Barchef des Café Scholz am Marktplatz, will er den Gästen neben schnörkellosem Ambiente vor allem hochwertige Drinks liefern. „Einen Schwerpunkt bilden Whiskey, Gin und Rum“, sagt Munkwitz, „aber auch saisonale Cocktails, gute Biere aus Böblingen, Belgien und Schottland oder feine europäische Weine bekommt man bei uns.“ Dazu wird Barfood wie Oliven gereicht, Küche gibt es keine.

Munkwitz lagert die Spirituosen in einem alten Kühlraum, der noch vor über hundert Jahren genutzt wurde. Dieser dient heute als Lagerraum für die Spirituosen – hinter der 15 Zentimeter dicken Tür. Was nicht zur originalen Einrichtung von damals gehörte, liefert Munkwitz’ privater Antiquitätenschatz: „Die Stühle hier kommen aus einem Kloster aus Freiburg. Die Lampen wurden in den Zwanzigern in Paris produziert und waren bis jetzt noch nie in Gebrauch – ein schöner Lagerfund!“, sagt Munkwitz.

Kein Konkurrenzdenken mit anderen Bar-Betreibern

Obwohl der leger gekleidete junge Mann als Architekt arbeitet, ist er auch in der Gastronomie kein unbeschriebenes Blatt. Sein Studium hat er sich mit dem Betreiben seiner ersten Bars in Stuttgart finanziert. Noch heute gibt es einige davon, zuletzt hat er vergangenen August das Condesa am Marienplatz eröffnet. Auch rumgekommen ist er dort, wo Barkultur großgeschrieben wird und hat einige Zeit in Hamburg gelebt. „Dort zeigt sich vor allem auf der Reeperbahn, wie super die Durchmischung von Rotlicht mit Gastronomie funktionieren kann“, sagt er. Im Leonhardsviertel und der Umgebung jedenfalls haben in den letzten Jahren einige Bars eröffnet. Neben der Fou Fou Bar hat vor zwei Jahren die Schwarz-Weiß-Bar am Wilhelmsplatz eröffnet, die 2014 als erste Bar Stuttgarts für den Glenfiddich-Award nominiert wurde – und schaffte es unter die Top-Zehn. Mit der Weinstube Fröhlich und der Weinstube Kiste bieten schon länger zwei Schwaben mit sehr gutem Ruf Essen und Getränke an.

Auch zum Hans-im-Glück-Brunnen ist es nur ein Katzensprung. Konkurrenzdenken, vor allem zu den ersten beiden Schankstuben im Leonhardsviertel, empfinde Munkwitz nicht, sagt er. „Ich denke, da entstehen vor allem Synergieeffekte und dass sich die tolle Gastronomie hier gegenseitig befruchtet“, sagt der Barbesitzer. So könnte er sich vorstellen, dass Gäste der Weinstuben nach dem Essen bei ihm noch etwas Trinken gehen – oder umgekehrt. Wichtig ist ihm, mit seinem Betrieb Prostituierte nicht bei der Arbeit zu stören. Darum ist er froh, in Nachbarschaft mit dem Clubhaus der Hells Angels und dem Verschönerungsverein nicht direkt auf dem Straßenstrich zu sein.

Geraucht wird im Außenbereich

Eine Außenbestuhlung vor der Bar ist zunächst ohnehin nicht geplant. Und geraucht wird im Paul & George auch nicht. Dafür gibt es einen überdachten Außenbereich. Unter der Woche soll Jazz, am Wochenende Soul aus den Boxen kommen. „Aber ohne DJ!“, sagt Munkwitz, „dann eher schon mal ein Jazzkonzert.“ Entspannte Atmosphäre statt Partystimmung also. Etwa 60 Gäste finden in dem Raum mit den hohen Decken Sitzplätze. Das Paul & George hat täglich ab 18 Uhr geöffnet. Munkwitz hofft, mit diesem Konzept ein möglichst gemischtes Publikum anzuziehen. „Erst wenn Menschen aus verschiedenen Lebenswelten aufeinandertreffen, wird es doch spannend“, sagt er.

Ob das Konzept aufgeht, wird sich ab diesem Wochenende zeigen. Die Stadt würde es sicher begrüßen: Sie will schnellstmöglich sieben illegale Bordellbetriebe im Viertel schließen. Da kommt es auch gelegen, dass weitere Gastro-Neueröffnungen in der Altstadt geplant sind.

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