Es wird zunehmend wahrscheinlicher, dass irgendwann wieder eine Bahn durchs Bottwartal rollt. Foto: Hans-Joachim Knupfer

Das Ringen um die Streckenführung bei der Schozach-Bottwartalbahn geht in die heiße Phase. Für Murr wird ein alternativer Verlauf geprüft, im Heilbronner Raum riecht es nach einer Kampfabstimmung.

Grundsätzlich stehen die Zeichen für die Schozach-Bottwartalbahn auf Grün. Eine Machbarkeitsstudie hatte einer Schienenstrecke zwischen Marbach und Heilbronn großes Potenzial bescheinigt. Damit können als nächste Schritte eine Entwurfsplanung sowie eine Standardisierte Bewertung beauftragt werden. Allerdings muss erst eine entscheidende Frage beantwortet werden: welche der vier möglichen Trassen soll eingehender untersucht werden? Die Diskussion darüber geht in die heiße Phase, die Würfel sollen bald fallen.

 

Unzufriedenheit in Murr

Klar ist, welche Orte auf dem Teilstück im Landkreis Ludwigsburg bis Beilstein angesteuert werden sollen. Wird das Projekt umgesetzt, legt die Stadtbahn in Marbach, Murr, Steinheim, Großbottwar und Oberstenfeld Stopps ein. Ganz und gar nicht zufrieden ist man jedoch in Murr, wo die Züge auf der Gemarkung halten sollen. Die Planer haben zwei Stationen am Ortsrand vorgesehen und sich beim Verlauf an dem der früheren Bottwartalbahn orientiert. In Murr wird aber moniert, dass sich der Ort siedlungstechnisch in eine andere Richtung entwickelt habe, die Bürger also zu weite Wege zur Bahn in Kauf nehmen müssten. Rathauschef Torsten Bartzsch befürchtet ein Akzeptanzproblem.

Das Landratsamt Ludwigsburg zeigte sich in der Sache zunächst unbeweglich, verwies darauf, dass man die Gleisführung doch gemeinsam mit den Anrainern abgestimmt habe. Inzwischen ist aber doch Bewegung in die Angelegenheit gekommen. Man habe sich nochmals ausgetauscht, teilt Kreishaus-Sprecher Andreas Fritz mit. Dabei sei besprochen worden, „einen alternativen Trassenverlauf prüfen zu lassen“. Das ist im Sinne von Torsten Bartzsch. „Ich finde es positiv, dass unsere Bedenken und die Kritik ernstgenommen werden, denn letztendlich müssen ja alle Beteiligten irgendwann entscheiden, welche Vor- beziehungsweise Nachteile eine Bahn für den Ort bringen würde und ob man die nächsten Untersuchungsschritte im Anschluss beauftragt“, erklärt er. Entsprechend sei es zu begrüßen, dass eine Alternativvariante für die Gemeinde untersucht werde. „Um mehr Akzeptanz für eine Bahn in Murr zu erzielen, könnte die Trasse eigentlich dann nur durch die Hindenburgstraße verlaufen“, betont Bartzsch.

Läuft es auf die Ortsdurchfahrt hinaus?

Ein nochmals größerer gordischer Knoten muss in den nächsten Wochen im Heilbronner Raum durchtrennt werden, ehe die nächste Planungsstufe in Angriff genommen werden kann. Hier sind theoretisch ab Beilstein vier Trassen nach Heilbronn denkbar, eine über Ilsfeld und Talheim, eine über Abstatt und Bosch nach Untergruppenbach und eine knapp an Abstatt vorbei mit Pendelverkehr zu Bosch nach Untergruppenbach. Die vierte Option wäre, auf dem Untergruppenbach-Ast vor Heilbronn einen Schlenker über Flein einzubauen. Berücksichtigt man allerdings Faktoren wie die Kosten, kristallisieren sich laut Gutachter zwei favorisierte Wegeführungen heraus: die Talheim-Linie und die Untergruppenbach-Trasse ohne Direkt-Anbindung von Bosch und ohne Schnörkel über Flein. Die Anrainerkommune sehen das genauso. Allerdings gibt es zwei Lager. Deshalb zeichnet sich im Heilbronner Kreistag, der das letzte Wort in dem Punkt hat, eine Kampfabstimmung ab.

Kommunen bilden Allianzen

Kaum verwunderlich bilden dabei Talheim und Ilsfeld auf der einen sowie Abstatt und Untergruppenbach auf der anderen Seite eine Interessensallianz. Beschlossen habe der Gemeinderat zwar noch nichts, sagt der Untergruppenbacher Bürgermeister Andreas Vierling. Aber man präferiere klar die Variante über die eigene Kommune. „Wer die Verkehrswende ernst meint, der kann das enorme Fahrgastpotenzial von den Unternehmen Bosch und Magna mit insgesamt rund 8000 Beschäftigten nicht ignorieren“, erklärt er. Das Fahrgastpotenzial sei hier auch höher als beim Talheim-Ast. Klaus Zenth, sein Kollege aus Abstatt, nennt ebenfalls die Großarbeitgeber als schlagendes Argument. Die Tendenz im Ort gehe aber auch deshalb zu dieser Variante, weil die Trasse im Flächennutzungsplan freigehalten sei.

Rainer Gräßle, Bürgermeister in Talheim, bricht indes eine Lanze für den anderen Ast, auf dem die frühere Bottwartalbahn bis zur Stilllegung entlanggedampft ist. Talheim profitiere „von einer schienengeführten Mobilität für die Zukunft ausschließlich bei Reaktivierung der Originaltrasse“ und somit von der Variante über Ilsfeld und Talheim. Ilsfeld ziehe in der Frage an einem Strang mit Talheim, ergänzt Ilsfelds Bürgermeister Bernd Bordon. Sowohl in der Bürgerinfo Ende September als auch in der Gemeinderatssitzung am 17. Oktober habe es eine „klare Tendenz“ in diese Richtung gegeben.

Einig sind sich die Anrainerkommunen folglich auch darin, dass man sich wohl nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag wird verständigen können. „Da nach derzeitigem Sach- und Kenntnisstand alle Anliegergemeinden eine Anbindung der Bahn bevorzugen, ist nicht mit einer einvernehmlichen Vorzugstrasse zu rechnen“, erklärt Andreas Vierling aus Untergruppenbach.

Wann die Würfel fallen sollen

Erklärung
Die Anrainerkommunen im Raum Heilbronn können eine Absichtserklärung zu ihrer favorisierten Trassenvariante für die Schozach-Bottwartalbahn abgeben. Der Kreistag in Heilbronn wird dann abschließend entscheiden, welche Streckenführung eingehender unter die Lupe genommen wird. Der Beschluss soll laut Landratsamt Heilbronn im Frühjahr 2024 fallen. Unstrittig ist mit Ausnahme der genauen Anbindung von Murr die Linienführung im Kreis Ludwigsburg. Dabei wird man sich an der alten Bahntrasse der früheren Bottwartalbahn orientieren.

Förderung
Im Heilbronner Kreistag gibt es nach Angaben des Landratsamts noch keine Tendenz, mit welchem Ast man in die Standardisierte Bewertung gehen soll, die es als Nachweis für die Wirtschaftlichkeit der Verbindung braucht. Auf der Basis der Bewertung könnten dann Fördermittel für den Bau abgerufen werden.