Wo klafft eine finanzielle Lücke? In der neuen Ausstellung im MIK können Besucher den Haushalt der Stadt Ludwigsburg spielerisch umverteilen. Foto: Reiner Pfisterer

In der neuen Ausstellung im MIK können Besucher herausfinden, wie gut sie sich als Kämmerer eignen. Der Haushalt der Stadt Ludwigsburg kann spielerisch umverteilt werden.

Ludwigsburg - Was soll eine Stadt für ihre Schulen und Kindergärten ausgeben? Welche Summe ist für die Pflege von Grünanlagen und Parks gerechtfertigt? Wie viel muss für Wohnungs- und Straßenbau bereitgestellt werden und inwieweit sollte sie die Sport- und Kulturvereine unterstützen? Schon in normalen Zeiten wird um die Verteilung öffentlicher Gelder in Gemeinderäten und Ausschüssen hart gerungen.

Nach der Corona-Krise dürften diese Verhandlungen noch schwieriger als ohnehin schon werden – denn der wochenlange Stillstand reißt große Löcher in den Kassen von Städten und Kommunen, da ihnen Steuereinnahmen wegbrechen. In Ludwigsburg dürften Millionen fehlen. „Deshalb ist die Ausstellung so aktuell wie nie“, sagt Alke Hollwedel, die Leiterin des Ludwigsburger Museum MIK zur neuen Schau.

Verdreckte Bahnhofstoilette oder gepflegtes Grün

„Pay Day – Heute regiere ich die Stadt!“, heißt sie und macht die Besucher zum Kämmerer der Barockstadt. Zehn Millionen in kleinen Münzen dürfen sie nach eignem Gusto verteilen, auf einem Automatenparcours. „Eigentlich sind Finanzen ja ein sehr sperriges Thema“, sagt Hollwedel, „deshalb haben wir versucht, es möglichst spielerisch zu lösen.“ Rund Dreiviertel des echten Ludwigsburger Haushalts, der 800 Seiten umfasst, deckt das Planspiel mit seinen zwölf Stationen ab.

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Wer sich zum Beispiel dazu entscheidet, nichts in die Stadtreinigung zu investieren, darf lediglich eine verdreckte Bahnhofstoilette betreten. Wer hingegen bereit ist, eine Münze zu opfern, erfreut sich an einer gepflegten Bärenwiese. An einer anderen Station kann derjenige den Marktplatz retten, der bereit ist, in die Feuerwehr zu investieren. Vielleicht bleibt dann aber kein Geld mehr, um Schlaglöcher zu stopfen, oder der Jugend etwas Gutes zu tun?

Am Ende können die Besucher vor einem riesigen Monitor am aktuellen Budgetplan der Barockstadt herumschrauben. Ein Psychogramm verrät dann, wie ausgeglichen und generationengerecht der zusammengestellte Haushalt ist, und wie gut sich der Besucher als Kämmerer eignet. Mit Hilfe des Parcours sollen auch Vorurteile gegenüber den politischen Entscheidern und Gremien abgebaut werden.

Wie war es zu Zeiten des Herzogs?

Und noch etwas zeigt die Ausstellung im Untergeschoss des MIK: Sie führt dem Besucher vor Augen, wie viel weiter die Demokratie sich seit den Zeiten von Herzog Carl Eugen von Württemberg entwickelt hat. Während heute gewählte Vertreter im Gemeinderat im Namen aller Bürger über die Verteilung der Mittel entscheiden, scherte sich der Herzog nicht um die Belange seiner Untertanen. Er wirtschaftete ohne Maß und Verstand. 1770 reichten Vertreter von Kirchen und aus dem Bürgertum so Klage beim Reichshofrat in Wien ein – und bekamen nach dem sogenannten Erbvergleich recht.

Die neue Ausstellung im MIK zieht deshalb auch immer eine Parallele zu dem, was vor 250 Jahren gang und gäbe war. „Das ist gar nicht so uninteressant zu sehen, wie die Stadt damals aufgestellt war, und wie sie es heute ist“, sagt Alke Hollwedel.

Infos zur Ausstellung

„Pay Day“
im Ludwigsburg Museum, Eberhardstraße 1, ist von Dienstag, 12. Mai, an zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Wegen der geltenden Abstandsregeln sind nicht mehr als zehn Personen gleichzeitig erlaubt. Die Besucher dürfen selbst entscheiden, wie viel Eintritt sie bezahlen möchten.

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