Cornelia Wenzel holt Graffiti und HAP Grieshaber aus dem Depot. Foto: factum/Simon Granville

Im Böblinger Bauernkriegsmuseum ist eine neue Sonderausstellung zu sehen. Sie trägt den Titel „5 vor!“ – unter anderem, weil sich der Freiheitskampf im Jahr 2025 zum 500. Mal jährt.

Böblingen - Cornelia Wenzel zeigt, was im Depot des Bauernkriegsmuseums lagert: Drucke von HAP Grieshaber, Radierungen von Käthe Kollwitz, Gemälde von Peter Neubert hat dessen Leiterin aus dem Lager geholt. In der neuen Sonderausstellung in der Böblinger Zehntscheuer steht die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Freiheitskampf im Mittelpunkt. „5 vor!“ heißt die Schau, weil in fünf Jahren das große Jubiläum ansteht: Im Jahr 1525 haben die Schlachten stattgefunden. Außerdem zeigt sie die Arbeiten der zwei lokalen Künstler Gérard Krimmel aus Weil im Schönbuch und Walter Hörnstein aus Leonberg.

Verunsicherung durch ein lokales Gutachten

Cornelia Wenzel versteht den Titel ihrer Schau als Ermahnung. Allein die düsteren Bilder von Käthe Kollwitz, die die gefangenen Bauern darstellte und geschundene Frauen, machen deutlich, wie wertvoll Demokratie und Frieden sind. Aber für die Museumsleiterin ist es auch in anderen Bereichen fünf vor zwölf: beim Klimawandel etwa, bei der Flüchtlingsproblematik oder dem Konsumverhalten der Wohlstandsgesellschaften. „Ein weltweit verbreitetes Virus und sogar ein lokales Gutachten können für Verunsicherung sorgen und stellen uns vor immense Herausforderungen“, sagte sie zum Auftakt der Ausstellung.

Neben der Corona-Pandemie ging Cornelia Wenzel damit auch auf die im Raum stehende Schließung des Bauernkriegsmuseums ein. Und deshalb betont sie, was ihre Einrichtung alles zu bieten hat. Dazu gehören fast ein Dutzend Dioramen, die mit Zinnfiguren die Geschichte des Bauernkrieges von den ersten Aufständen bis zur Verfolgung in Szene setzen. Vor 13 Jahren sind sie zuletzt der Öffentlichkeit gezeigt worden. Von HAP Grieshaber hängt das Triptychon zu Jerg Ratgebs Vierteilung in der Ausstellung, Peter Neuberts großformatiges Kunstwerk zum selben Ereignis ist ebenfalls zu sehen. Zwei umfangreiche Graffiti von einer früheren Schau zum Thema Freiheit sowie das akribisch gezeichnete Frankenhausener Rundbild von Werner Tübke gehören zu der Sammlung.

Nicht genug Platz für die Exponate

Für Cornelia Wenzel ist es nur „ein Gruß aus der Küche“, wie der Appetithappen vor dem Menü in gehobenen Restaurants genannt wird. „Hunderte von Kunstwerken und Grafiken warten im Magazin auf ihre Ausstellung“, sagte sie. Aber die Exponate bräuchten „Luft und Raum, Würde und Freiheit“, um ihre Wirkung entfalten können. Was so viel heißt, wie: Statt das Bauernkriegsmuseum zu schließen, müsste der Einrichtung mehr Platz gegeben werden – erst recht, weil es fünf vor 2025 ist. Dem 500. Jahrestag des großen Ereignisses in der deutschen Geschichte sollte sich Böblingen stellen und das Thema aufgreifen, findet sie. Schließlich habe eine entscheidende Schlacht vor den Toren der Stadt stattgefunden.

Als „überwältigend“ hat Cornelia Wenzel einen Besuch bei Walter Hörnstein empfunden. Der frühere Metzgermeister widmete sich vor 30 Jahren nach einem einschneidenden Erlebnis der Kunst. In den vergangenen zwei Jahren beschäftigte er sich ausschließlich mit dem Bauernkrieg. Das Ergebnis sind grobe Holzskulpturen, die menschliche Formen nachahmen und aus Balken geschnitzt wurden, die aus rund 500 Jahre alten Häusern stammen. Kontrastreich wie die gesamte Ausstellung wirken dagegen die fast schon comic-haften und mitunter sehr blutigen Zeichnungen von Gérard Krimmel zu „Freiheit und Selbstbestimmung“.

Zusätzlich zur Dauerausstellung im Untergeschoss breitet sich das Bauernkriegsmuseum noch bis zum 24. Januar auf zwei weiteren Ebenen aus. Dem Streben nach Freiheit und Demokratie nach dem Jahr 1525 gibt Cornelia Wenzel auch noch etwas Platz, etwa mit einem Bild von Alfred Hrdlicka zur Aufhebung der Zensur im Jahr 1848 in Wien.

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