Große Klappe, kleines Flusspferd: Hannibal wurde 50 Jahre alt. Foto: dpa/Wilhelma

Eine neue Anlage direkt am Neckarufer: An dem Projekt ist auch während der Pandemie weiter gearbeitet worden. Stadt und Wilhelma haben sich weitgehend auf einen Vertrag verständigt.

Bad Cannstatt - Eine Anlage für Zwergflusspferde direkt am Neckarufer, erlebbar für alle und das ganz ohne Eintritt! Als der Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin die Idee vor einigen Jahren bei einer Schifffahrt auf dem Neckar öffentlich vorgestellt hat, begannen die Augen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer zu leuchten und er bekam viel Beifall.

An der Idee ist die ganze Zeit gearbeitet worden

Seitdem ist nicht nur wirklich viel Wasser auf dem Neckar an der Wilhelma vorbei geflossen, im Umfeld und auch im Untergrund ist in einem Ausmaß gebohrt, gebuddelt und gebaut worden, dass man jahrelang möglichst schnell das Weite suchte. Die Großbaustellen des Rosensteintunnels, der neuen Eisenbahnbrücke und des Leuze-Knotens waren eine Belastung für Menschen, Tiere und Natur. Es gab etliche Verzögerungen und die Corona-Pandemie hat auch die Wilhelma schwer beeinträchtigt. Aber an der Idee, endlich wieder Zwergflusspferde in Stuttgart zu haben, ist im Hintergrund die ganze Zeit kontinuierlich weiter gearbeitet worden.

Nur die Laufzeit ist nicht geklärt

„Wir sind mit der Stadt Stuttgart in sehr gutem und regem Austausch“, sagt Thomas Kölpin über den aktuellen Stand der Dinge. Man habe sich inzwischen auf einen Vertrag geeinigt, in dem unter anderem die Überlassung des Grundstücks geregelt sei. Kölpin: „Es ist alles geklärt, bis auf die Laufzeit, über die wir uns noch einig werden müssen. Das sieht also alles sehr gut aus.“

Die Entwürfe für die geplante Anlage stammen vom Büro mkk. architekten aus Schwerin, die Finanzierung übernimmt der Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma. Die Kosten für die neue Anlage werden auf etwa zwei Millionen Euro geschätzt. Das Land Baden-Württemberg wird laut dem Wilhelma-Chef nichts dazu beisteuern, die Landeshauptstadt Stuttgart stellt das Grundstück zur Verfügung. Ein weiterer Sponsor oder Förderer des Projekts sei jederzeit willkommen, sagt Thomas Kölpin. „Aber das würde auch so funktionieren, der Förderverein ist in der Lage dazu.“

Der Zeitplan ist noch offen

Die große Unbekannte bei dem Projekt ist nach wie vor der Zeitplan. Erst wenn der Rosensteintunnel eröffnet ist, kann mit dem Rückbau der Neckartalstraße und daran anschließend mit der Umgestaltung des Rosensteinufers begonnen werden. Nach jetzigem Stand sollen irgendwann im Herbst die ersten Autos durch den Tunnel rollen. Der Rückbau, also die Verkleinerung der Neckartalstraße soll im kommenden Jahr beginnen. Und in den bereits erfolgten Ausschreibungen für die Uferumgestaltung war auch die Anlage für die Zwergflusspferde erwähnt.

„Als Teil der Rückbaumaßnahmen in Verbindung mit dem Rosensteintunnel werden die ehemaligen Baustellen- und Straßenflächen zurückgebaut, das Ufer umgestaltet und die Grünflächen hergestellt“, teilt die Pressestelle der Stadt dazu auf Anfrage mit. „Derzeit laufen die Planungen für die Uferumgestaltung.“ Die Stadt sei in regelmäßigem Austausch mit der Wilhelma, dem Förderverein und dem Neckar Käpt’n, heißt es. „Aufgrund zeitlicher Abhängigkeiten könnte eine Realisierung erst in einigen Jahren erfolgen.“

Die Tiere sind vom Aussterben bedroht

Die ersehnte Rückkehr der Zwergflusspferde wird also noch etwas dauern. Dabei haben die vom Aussterben bedrohten Tiere eine große Tradition am Neckar. Im Jahr 1967 waren zunächst die Zwergflusspferde Hannibal und Nelli in die Wilhelma eingezogen. Ihre deutlich größeren Artgenossen folgten erst etwas später. Nelli starb 1995. Und Hannibal entwickelte sich zu einem allseits be- und geliebten Wilhelma-Original. Er wurde stolze 50 Jahre alt und war – bis heute – das älteste bekannte Zwergflusspferd überhaupt. Als Hannibal im Jahr 2016 starb, trauerten seine zahlreichen Fans sehr. Knapp ein Jahr später ging dann die Flusspferdhaltung in der Wilhelma ganz zu Ende, als der große Flusspferdbulle Mike in einen anderen Zoo umzog.

„Wir hoffen, dass wir irgendwo Mitte der 20er Jahre vielleicht damit beginnen können“, sagt Thomas Kölpin, der sich aber auch nicht genauer festlegen lassen will. Das Bauprojekt selbst könne innerhalb eines Jahres umgesetzt werden, sagt er. Und es sei auch kein Problem, relativ schnell ein Zwergflusspferd-Männchen und ein -Weibchen zu bekommen. Es gibt ein sogenanntes „Europäisches Erhaltungszuchtprogramm“, internationaler Koordinator dafür ist der Zoo Basel. „Da werden immer wieder Halter gesucht“, sagt Kölpin und lacht. „Das ist am einfachsten bei dem ganzen Projekt.“

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