Fast überall steigen die Mieten – doch die Gemeinde Murr (Kreis Ludwigsburg) hält dagegen. Sie plant sieben neue Häuser und will wenigstens einen Teil günstig vermieten.
Hohe Mieten sind in der Region Stuttgart nach wie vor Thema. Ein Lichtblick könnte der Neubau von sieben Häusern in der Ortsmitte von Murr sein. Die 6700-Einwohner-Gemeinde plant ein Quartier am Alten Rathaus. Das Projekt könnte weniger betuchten Bürgern günstigen Wohnraum bescheren.
Die Gemeinde verfolgt seit Jahren einen strikten Kurs: Draußen, auf der grünen Wiese, will sie hohe Mehrfamilienhäuser vermeiden. So prägen Einfamilienhäuser oder Doppelhäuser die Siedlungen im Langen Feld in Richtung Autobahn 81. Im Gegenzug versprach der Bürgermeister Torsten Bartzsch, den Innenraum im Quartier am Alten Rathaus mit preiswerteren Lösungen zu bespielen, um der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum unter die Arme zu greifen.
Murr setzt auf bezahlbaren Wohnraum in der Ortsmitte
Der Gemeinderat zieht bei diesen Plänen mit. Die Vorbereitungen für das Quartier laufen seit Jahren. „Uns ist es gelungen, alle Grundstücke zu kaufen“, berichtet Bartzsch. Bauen, vermarkten und vermieten will die Gemeinde aber nicht im Alleingang. Sie suche derzeit einen Partner, so der Bürgermeister. Gemeint ist ein Bauunternehmen, das ein Konzept aus einem Guss erstellt. Man führe Gespräche, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.
Nur einen einzigen Partner zu haben – das sei schon allein deshalb von Vorteil, weil der Gebäudekomplex seitlich und hinter dem Alten Rathaus mit einer gemeinsamen Tiefgarage unterlegt werden soll, erklärt der Rathauschef weiter. Insgesamt sollen in den 40 Wohneinheiten rund 80 bis 100 Menschen unterkommen, legt man eine durchschnittliche Belegung zugrunde.
Günstigen Wohnraum zur Miete werde vor allem die Gemeinde selbst anbieten, wenn sie Eigentümerin ist, informiert der Bürgermeister. Privatunternehmen seien stärker am Verkauf von Wohnungen interessiert. Insgesamt strebe der Gemeinderat eine Durchmischung an, es werde also sowohl teurere als auch preiswertere Wohnobjekte geben. Die Kommune selbst wolle je nach Wohnungsgröße fünf bis zehn der 40 Wohneinheiten in einem der Gebäude vermieten. „Die Nachfrage nach Mietwohnungen ist groß – es gibt einen Mangel.“
Die Mieten bewegen sich unter den marktgängigen Preisen
Eine Mietpreisbremse im lokalen Raum ist für die Murrer Gemeinderäte derzeit kein Thema. Bereits seit Jahrzehnten vermietet die Kommune laut Torsten Bartzsch mehr als 30 Wohnungen. Die Miete bewege sich zwischen sechs und acht Euro pro Quadratmeter – und damit zwei bis drei Euro unter den marktgängigen Preisen. Daran werde sich auch nichts ändern, denn es gebe keinen Sanierungsstau. „Das sind alles keine heruntergekommenen Gebäude.“
Wann Baubeginn ist und die Gebäude fertig sein könnten – darauf möchte sich der Bürgermeister nicht festlegen lassen. Doch die Bauvorbereitungen haben begonnen. Der Gemeinderat beschloss am Dienstag einstimmig ohne Diskussion, ein Unternehmen mit dem Abriss von zwei benachbarten Gebäude an der Vorderfront der Hindenburgstraße zu beauftragen. Das ist allein schon deshalb nötig, damit dann auch ein drittes Gebäude im Innern des Quartiers an der Kirchgasse abgerissen werden kann.