Neubaustrecke Stuttgart-Ulm Ein Tunnel von europaweiter Bedeutung

Von Kai Holoch 

Die Deutsche Bahn hat den offiziellen Baubeginn des Albvorlandtunnels zwischen Kirchheim und Wendlingen mit der Taufe der Vortriebsmaschinen gefeiert. Am Samstag bekommen die Bürger die Gelegenheit, die Großbaustelle zu besichtigen.

Kirchheim - Es ist ein Bauprojekt der Superlative“: Roland Pofalla, der Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn, hat beim offiziellen Baustart des Albvorlandtunnels auf der Kirchheimer Großbaustelle neben der Autobahn A 8 vor rund 400 Ehrengästen noch einmal die Zahlen Revue passieren lassen: Mit 8176 Metern Länge wird das unterirdische Bauwerk, das in den kommenden anderthalb Jahren zwischen Wendlingen und Kirchheim entstehen wird, zu den zehn längsten Tunnelbauwerken Deutschlands gehören.

Erstmals setzt die Bahn zwei Tunnelvortriebsmaschinen gleichzeitig ein, um die Arbeiten zu beschleunigen. 54 000 so genannte Tübbinge, also Betonfertigteile, mit denen die Tunnelröhren verschalt werden, müssen in einem im nahe gelegenen Kirchheimer Industriegebiet entstandenen Werk produziert werden. Rund 600 Bauarbeiter, darunter 50 Mineure sowie rund 80 Ingenieure und Geologen sind notwendig, um die beiden Röhren zu bauen. Später sollen die ICE mit Tempo 250 durch den Tunnel rauschen.

Die Baukosten liegen bei 380 Millionen Euro

Die Baukosten für den Albvorlandtunnel, der das letzte große Tunnelprojekt auf der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm ist, beziffert die Bahn mit 380 Millionen Euro. Dieses Geld, so betonte der baden-württembergische Justiz- und Europaminister Guido Wolf, sei gut angelegt. Schließlich handele es sich bei der Neubaustrecke um ein „Bahnprojekt von europaweiter Bedeutung“, von dem aber auch die Menschen in Baden-Württemberg konkret profitieren werden. Schließlich verkürze sich die Fahrzeit zwischen Ulm und Stuttgart von 55 Minuten auf 30 Minuten.

Zudem werde der Flughafen Stuttgart optimal mit der Schiene vernetzt. Nach dem kompletten Ausbau der West-Ost-Route werde sich die Fahrzeit von Paris nach Bratislava von zwölf auf acht Stunden verkürzen. Das sei „eine echte europäische Erfolgsgeschichte“.

Allerdings mahnte Wolf bei der Bahn an, dass die Verantwortlichen die Zeitschiene von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm nicht aus den Augen verlieren dürften. Momentan drohe die Neubaustrecke deutlich früher fertig zu werden als Stuttgart 21. Beides sei aus Sicht der Landesregierung aber als Einheit zu sehen und werde nur miteinander funktionieren. Die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und der Wendlinger Ratschef Steffen Weigel nutzten die Feier, um ihren Wünschen und Forderungen Nachdruck zu verleihen. Im Gegenzug dafür, dass man die Bürger nun durch die Bauarbeiten über mehrere Jahre hinweg schwer belaste, könne, so Angelika Matt-Heidecker, die Bahn doch wenigstens den Bau der großen Wendlinger Schleife und den damit verbundenen Ringschluss des S-Bahn-Netzes von Kirchheim auf die Filder und zum Flughafen in Angriff nehmen.

Die Wirtschaftsministerin ist die Taufpatin

Als Patin für die Tunnelvortriebsmaschinen hat sich die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut zur Verfügung gestellt: Sie taufte die 120 Meter langen Bohrer auf die Namen Wanda und Sybille. Wanda ist die Abkürzung für „Wendlingen am Neckar durchs Albvorland“, Sybille schlägt den Bogen zu einer Kirchheimer Mythenfigur. Für Samstag, 7. Oktober, lädt die Bahn von 10 bis 16 Uhr zum Tag der offenen Tür auf die Baustelle nach Kirchheim ein. Da die Parkmöglichkeiten begrenzt sind, werden vom Kirchheimer Bahnhof und von der Hahnweide Shuttlebusse eingesetzt

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