Einer der beiden gekürten zweiten Plätze für die Bebauung der Schelmenäcker: das Modell der Arbeitsgemeinschaft Wittfoht und Stötzer zusammen mit dem Investor Wüstenrot. Foto: Thomas Krämer

Am Wochenende sind die Modelle für die Bebauung der Schelmenäcker in Leinfelden im Landkreis Esslingen zu sehen gewesen. Die Entwürfe liegen nah beieinander, weshalb es nicht nur einen Sieger gibt.

Leinfelden-Echterdingen - Freie Flächen sind rar auf den Fildern. Noch dazu, wenn sie auf gut fünf Hektar Fläche einmal bis zu 600 Menschen in etwa 200 Wohneinheiten ein Heim geben sollen. So wie das Schelmenäcker genannte Gebiet an der Max-Lang-Straße am östlichen Ende von Leinfelden, wo man im Moment noch auf Äcker und Wiesen blickt. Für das komplett in städtischer Hand befindliche Gebiet konnten nun Architekten und Investoren ihre Ideen vorstellen. „Das Interesse an der Auslobung war groß“, sagte Eva Noller. Die Baubürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen sah das Verfahren als „Riesenerfolg“ an, da Bauträger und Architekten gerade sehr gut beschäftigt seien. „Die gute Anbindung an den Ortskern und an den ÖPNV macht das Gebiet so attraktiv“, erklärte sie sich das Interesse.

Insgesamt 18 Investoren- und Architektenteams hatten ihre Modelle eingereicht. Diese Arbeiten waren am Freitag anonym von einer Jury bewertet worden, die sich aus Vertretern der Stadtverwaltung, Architekten, Landschafts- und Städteplanern sowie Vertretern des Gemeinderats zusammensetzte. „Insgesamt neun Stunden sind wir zusammengesessen, das Ergebnis war am Ende einstimmig“, sagte der Juryvorsitzende Jörg Aldinger, der selbst Architekt und seit vielen Jahren an solchen Prozessen in der Stadt beteiligt ist.

Geplant sind mehrere siebengeschossige Häuser

Dass sich die Entwürfe auf den ersten Blick ähnelten, lag auch an den Vorgaben, die die Stadt im Bebauungsplan gemacht hatte. „Aber beim genaueren Hinschauen hat man schon die Unterschiede gesehen“, so Aldinger. Insgesamt fünf Entwürfe seien in die Endauswahl gekommen, „wobei sich vier letzten Endes durchgesetzt haben, die sehr nah beieinander liegen“, so Aldinger. Die Jury vergab daher keinen ersten Preis, sondern zwei dritte und zwei zweite Preise. Letztere gingen zum einen an die Arbeitsgemeinschaft aus Wittfoht Architekten bda und Jörg Stötzer Landschaftsarchitektur zusammen mit dem Investor Wüstenrot Haus- und Städtebau. Ebenfalls über einen zweiten Preis freuen konnte sich die Arbeitsgemeinschaft aus dem Stuttgarter Architekturbüro Matthias Siegert & Dennis Mueller und Koeber Landschaftsarchitektur mit dem Investor Wohnstolz.

Geplant sind mehrere bis zu siebengeschossige Häuser, die durch Grünflächen voneinander getrennt werden. Dabei spielen Streuobstwiesen, aber auch Flächen für Freizeit eine Rolle, die die Verbindung zwischen dem rückwärtigen Gewerbegebiet und der Landschaft herstellen sollen.

Als „vorbildlich“ bezeichnete Aldinger die Vorgabe der Stadt, einem hohen Anteil an Wohnungen unter sozialen Aspekten zu bauen. „30 Prozent der Wohnungen kommen dem sozialen Wohnungsbau zugute“, sagte Noller. Bei jeweils weiteren zehn Prozent werden die Miet- und Kaufpreise um zehn Prozent gedämpft. Möglich wird das auch durch niedrigere Grundstückspreise, da die Schelmenäcker Sanierungsgebiet sind. Rund 570 Euro wird der Quadratmeter nach derzeitigem Stand kosten.

Im Jahr 2021 könnten die ersten Häuser fertig sein

Sämtliche Entwürfe waren am Wochenende in der Zehntscheuer in Echterdingen zu sehen – als Modell mit Plänen und weiteren Informationen. Sehr viel Hirnschmalz stecke darin, sagte ein Bürger, der die verschiedenen Modelle in Augenschein nahm. „Nicht nur die Qualität ist sehr hoch, mir gefällt auch die transparente Vorgehensweise bei Dingen, die uns Bürger betreffen“, sagte der Mann aus Leinfelden. Ein älteres Ehepaar wies auf die fehlenden Wohnmöglichkeiten in Leinfelden hin. „Hier muss dringend etwas geschehen“, sagten sie mit Blick auf die Modelle.

Nun geht es in die Verhandlungen, bei denen weitere Details geklärt werden. So kann es beispielsweise sein, dass ein Anbieter das gesamte Gebiet überplanen und bebauen darf. „Es wäre aber auch möglich, dass die drei Baufelder auf zwei oder gar drei Büros mitsamt ihren Investoren aufgeteilt werden“, so Noller. Auch soziale Aspekte spielen im Prozess eine große Rolle. Läuft alles nach Plan, soll der Gemeinderat noch Ende des Jahres sein Votum abgeben. „Baubeginn könnte dann Ende 2019 sein, so dass die ersten Gebäude 2021 fertig sein könnten“, ergänzte die Bürgermeisterin.

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