Die Stadt Steinheim will einen neuen Verwaltungssitz bauen. Jetzt liegt die Kostenberechnung bevor – die sich deutlich über der bisherigen Schätzung bewegt.
In den sozialen Medien ist immer wieder lautes Murren über den geplanten Neubau des Steinheimer Rathauses am Marktplatz zu vernehmen. Dafür sei plötzlich Geld da, für anderes nicht, lautet grob gesagt der Tenor. Wasser auf die Mühlen der Kritiker könnte nun die Kostenberechnung sein, die am Dienstagabend im Gemeinderat präsentiert wurde.
Demnach muss die Kommune Stand jetzt rund 22,7 Millionen Euro für das Projekt in die Hand nehmen, fast eine Million Euro mehr als noch im November geschätzt. Speist man zusätzlich einen Puffer für mögliche Preissteigerungen bis zur Vergabe aller Gewerke ein, könnte das Volumen sogar auf 23,2 Millionen Euro anwachsen. An den Start gegangen war man im Mai vor einem Jahr in der Annahme, rund 19,8 Millionen Euro für ein Gebäude in Stahlbetonweise investieren zu müssen.
Allerdings bewege man sich mit den nun feiner berechneten 22,7 Millionen Euro im üblichen Rahmen, betonte Andreas Fein vom Projektsteurer Hitzler Ingenieure, der den Architekten auf die Finger geschaut hatte. „Die Planungen und die darauf basierende Kostenberechnung sind gut, plausibel, wirtschaftlich und effizient“, fasste Fein zusammen. Der doch deutliche Sprung im Vergleich zur Schätzung vom November resultiere nicht zuletzt aus den höheren Abbruchkosten für das frühere Gebäudeensemble am Marktplatz, das für das neue Rathaus hatte weichen müssen. Die Arbeiten seien kompliziert gewesen. Viele Baustoffe hätten aufwendig recycelt werden müssen. „Das war vorher nicht erkennbar“, konstatierte Fein.
Die Kosten könnten noch gedrückt werden
Insofern hatten die Räte auch nichts zu kritteln und beschlossen, das Vorhaben weiter voranzutreiben. Auf dem weiteren Weg besteht dann die Chance, abermals die Kosten zu drücken, nachdem die Planer zuletzt schon an der einen oder anderen Stellschraube gedreht hatten. Potenzial sieht Fein unter anderem darin, auf eine Zisterne zu verzichten oder Mosaikparkett statt Stäbchenparkett im künftigen Ratssaal zu verlegen.
Über solche Dinge werden sich jedoch nicht mehr die bisherigen Architekten vom Büro Baumann/Dürr aus Karlsruhe den Kopf zerbrechen müssen beziehungsweise dürfen, die in einem Gestaltungswettbewerb die Nase vorne hatten. Die Federführung bei der Gebäudeplanung wird die Werkgruppe Neckar aus Neckarsulm übernehmen. Der Wechsel habe aber nichts mit einem etwaigen Zerwürfnis oder einer möglichen Unzufriedenheit über das Engagement der seitherigen Architekten zu tun, stellt Bürgermeister Thomas Winterhalter klar. Man habe keine Wahl gehabt, die Leistung habe neu ausgeschrieben werden müssen.
Neue Ausschreibung notwendig
Nachdem man zwischenzeitlich von einer Holzhybrid- auf eine Stahlbetonbauweise umgeschwenkt sei und die Tiefgarage weggelassen habe, sowie das Gebäude insgesamt kompakter und kleiner ausfalle, könne man nicht mehr von einer Variante zum ursprünglichen Entwurf sprechen. Es handele sich vielmehr um eine Alternative, weshalb laut Statuten ein neues Suchverfahren nach einem Planungsbüro habe in Angriff genommen werden müssen. „Der Entwurf bleibt aber gleich“, betont der Bürgermeister.
Das neue Architektenteam soll jetzt jedoch die Gelegenheit bekommen, die Ideen ihrer Vorgänger genau unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls nachzujustieren. Bis nach der Sommerpause bestehe dazu Zeit, dann solle der Baubeschluss gefasst werden, kündigt Winterhalter an.