Bis zur Sperrung der Rosensteinbrücke fuhr die Stadtbahn in der Badstraße. Was kommt nach dem Brückenneubau? Foto: Heinz Heiss

Die Cannstatter CDU, die Freien Wähler und die FDP wünschen sich nicht nur eine autogerechte neue Rosensteinbrücke, sondern auch die dauerhafte Herausnahme der Stadtbahntrasse aus der Anliegerstraße. Aus mehreren Gründen.

Seit der Sperrung der Rosensteinbrücke müssen die beiden Stadtbahnlinien U 13 und U 16 einen Umweg über die König-Karls-Brücke auf sich nehmen. Verkehrstechnisch unproblematisch, allerdings ist diese Lösung mit jährlich rund einer Million Euro Mehrkosten für die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) verbunden. Denn wegen der längeren Strecke muss ein weiterer Zug und dadurch mehr Personal eingesetzt werden. Bis zur Eröffnung der neuen Rosensteinbrücke, laut Tiefbauamt soll dies 2031 der Fall sein, soll es dabei bleiben.

 

Und nach Meinung der Cannstatter CDU, FDP und Freien Wähler auch darüber hinaus. In einem gemeinsamen Antrag schlagen Roland Schmid (CDU), Timur Lutfullin (FDP) und Gerhard Veyhl (Freie Wähler) vor, diese „bewährte Streckenführung“ beizubehalten und bei den Planungen für eine neue Rosensteinbrücke zu berücksichtigen. Die sollte dann für Fußgänger, Radfahrer und auch für Busse, Lastwagen und Kraftfahrzeuge (Zweirichtungsverkehr) ausreichend Platz haben.

Chance für die Badstraße

Letztgenanntes ist für die Antragsteller zwingend nötig. „Mobilität über den Neckar ist für den Individualverkehr und den innerstädtischen Verkehr im Stadtbezirk nur mit ausreichenden Brückenkapazitäten möglich“, heißt es in dem Antrag. In ihrer Begründung zur Beibehaltung der aktuellen Streckenführung nennen CDU, FDP und Freie Wähler unter anderem auch die bessere ÖPNV-Anbindung des Wasens, Mineralbads Leuze und der Wilhelma. Einen großen Vorteil sieht das bürgerliche Lager in Bad Cannstatt zu guter Letzt in der Chance, die Badstraße ohne Stadtbahnverkehr städtebaulich aufwerten zu können.

Stadtbahnfreie Badstraße? Da wird es bei vielen Cannstatterinnen und Cannstattern wahrscheinlich klingeln. Schon zweimal beschäftigte das Thema die Kommunalpolitik, SSB-Verantwortliche und den lokalen Einzelhandel. Zum ersten Mal Anfang der 90er Jahre, als die SSB-Linie 13 auf Stadtbahnbetrieb umgestellt wurde. In diesem Zusammenhang träumte der Cannstatter Einzelhandel von einer trassenfreien Badstraße. Aber nur bis zum Jahr 1994, als der damalige Ausschuss für Umwelt und Technik sich mehrheitlich dafür entschied, dass die künftige Stadtbahnlinie 13 (wurde 1997 eingeweiht) weiterhin durch die Badstraße fahren soll und nicht den rund ein Kilometer langen Umweg über die König-Karls-Brücke.

Neue Debatte über Hochbahnsteig

In den ersten Jahren nach dem Millennium entbrannte die Debatte zum zweiten Mal. Anlass war diesmal die Tatsache, dass die SSB die Haltestelle zwischen dem Kaufhof und der König-Karls-Passage zu einem barrierefreien Hochbahnsteig umbauen müssen. Ein Hochbahnsteig war für die CDU, Freien Wähler und den Einzelhandel eine städtebauliche Katastrophe, und die Debatte über eine stadtbahnfreie Badstraße ging erneut los. 2008 wurde ihr jedoch der „Stecker gezogen“, wobei die FDP eine tragende Rolle einnahm. Die Liberalen hatten im Vorfeld der entscheidenden Gemeinderatssitzung im Dezember mit der SPD sowie den Grünen und der Linken eine knappe Mehrheit für den Verbleib der Linie 13 in der Badstraße und den Bau des Hochbahnsteigs. Diese Mehrheit war kurz vor der Sitzung Makulatur, da von der Linken, der SPD und der FDP jeweils ein Stadtrat durch Abwesenheit glänzte.

Lange Gesichter bei den Trassengegnern

Zudem gab es von einer FDP-Stadträtin einen kurzfristigen Meinungsumschwung. Quasi über Nacht war sie zu einer Kritikerin der Hochbahnsteigpläne geworden. Angesichts der neuen Konstellation war der CDU und den Freien Wählern „der kommunalpolitische Sieg“ sicher – bis der damalige FDP-Chef Rolf Zeeb den damaligen OB Wolfgang Schuster (CDU) bat, die Abstimmung um einige Monate ins neue Jahr zu vertagen. Dem Wunsch wurde entsprochen. Doch das Thema tauchte in dieser Form seitdem nie wieder im Gemeinderat auf.

Durch den Bau einer neuen Rosensteinbrücke könnte die Trassen-Debatte zum dritten Mal in Gang gesetzt werden. Für die Antragsteller liegen die Vorteile klar auf der Hand: „Die Beibehaltung der aktuellen Trassenführung und die Herausnahme der Stadtbahnlinie würden eine schon lange angestrebte Aufwertung der Badstraße sowie eine bessere Konzentration der SSB-Linien auf dem Wilhelmsplatz ermöglichen.“