Ein Personenzug passiert die Tunnelbaustelle an der Rheintalbahn bei Rastatt-Niederbühl. Foto: dpa

Das Desaster auf der Rheintalstrecke macht auch deutlich, wie weit der Weg zur Verkehrswende ist, kommentiert Achim Wörner.

Stuttgart - Welche Risiken unter Tage lauern – dafür ist das Desaster der Bahn AG und ihrer Baufirmen beim Neubau der Rheintalbahn in Höhe von Rastatt ein besonders krasses Beispiel. Dramatisch war die Lage schon im August 2017, als ein für die künftige Schienentrasse fast fertig gegrabener Stollen einstürzte und dadurch der Verkehr auf dieser wichtigen Nord-Süd-Achse wochenlang lahm gelegt war. Das ganze, sehr langfristige Ausmaß offenbart sich aber erst heute: Erst 2020 wird es auf der Baustelle überhaupt weitergehen.

 

Theorie und Praxis liegen weit auseinander

Es geht nicht darum, den Tunnelbau generell in Misskredit zu bringen. Und es greift auch zu kurz, allein den milliardenschweren finanziellen Schaden zu beklagen, der entstanden ist. Besonders gravierend ist, dass ein Nadelöhr in der europäischen Schieneninfrastruktur auf im Moment schwer absehbare Zeit ein Nadelöhr bleibt. Angesichts der Klimadebatte ist viel von der Notwendigkeit die Rede, gerade beim Gütertransport verstärkt auf Züge zu setzen. Wie weit Theorie und Praxis bisweilen auseinander liegen, zeigt sich auf der Rheintalstrecke. Während angrenzende Länder ihre Hausaufgaben beim Ausbau erfüllt haben, hinkte Deutschland ohnehin schon hinterher. Der Rückstand wird nun immer größer. Das ist die Tragödie hinter der Tragödie.