Neuausrichtung in Stuttgart-Ost Weniger Suppe, dafür mehr Kunst im Theater La Lune

Von Jürgen Brand 

Das Theater an der Haußmannstraße in Stuttgart-Ost hat eine schwierige Umbruchphase vor sich – und sucht Spender. Der Aufwand für die Gastronomie ist zu groß geworden, Julianna Herzberg will sich wieder mehr auf ihren Beruf als Schauspielerin konzentrieren.

S-Ost - Das kleine Theater La Lune an der Ecke Haußmannstraße/Raitelsbergstraße zählt sicher zu den zwar kleinen, aber ganz besonderen Schätzen im Stadtbezirk Stuttgart-Ost. Mittags Suppenbar mit Stil, abends vor allem am Wochenende Bühne für Theaterkultur aller Art – inklusive Essen – hat sich Julianna Herzberg in den vergangenen vier Jahren einen Namen im Osten und weit darüber hinaus in der Stadt gemacht. Aber jetzt hat sie genug Suppen gekocht und will sich wieder mehr ihrem eigentlichen Beruf als Schauspielerin widmen. Der Übergang zu mehr Bühne mit weniger Küche ist aber nicht so ganz einfach.

Gastronomie als Hilfe und als Last

Julianna Herzberg hat in den vergangenen beiden Jahren immer wieder versucht, jemanden zu finden, der den gastronomischen Teil ihres kleinen Ecktheaters in der Nähe des Ostendplatzes übernehmen wollte. Sie hing zwar irgendwie schon sehr an diesem Teil ihres kulturellen Engagements und dank des Mittagstisches konnte sie einen Teil des Theaterbetriebs finanzieren. „Aber irgendwann muss man die Reißleine ziehen“, sagt die Theaterleiterin. „Ich kann nicht mehr! Ich bin ausgebrannt.“

Irgendwann war klar, dass ihre Vermieter in der Haußmannstraße keinen dauerhaften gastronomischen Betrieb an der Stelle haben wollten. Und nur als Beiwerk zum Theater lohnt sich eine Gastronomie für einen Pächter nicht. Also beschloss Julianna Herzberg zusammen mit den Mitgliedern des Vereins, der das Theater trägt, den Schnitt. Im Mai und Juni wird es im La Lune noch Mittagstisch geben, dann soll Schluss damit sein. Für Donnerstag, 6. Juli, ist die Premiere der ersten großen hauseigenen Produktion im La Lune geplant, der Titel: „Plat du jour: Utopie mit Fisch“.

Pro Monat werden 1000 Euro benötigt

In diesem Abgesang auf die Gastronomie und auf vieles andere verarbeitet Julianna Herzberg zusammen mit anderen Künstlern all das, was sie in diesen und den vergangenen Monaten in und mit ihrem Theater so alles erlebt hat und noch erlebt: Träume von ganz unterschiedlichen Lebensmodellen im 21. Jahrhundert, nie zu verwirklichende Utopien, „die Endlichkeit des Ehrenamts“, wie die Schauspielerin es beschreibt. Von September an gibt es eine Kooperation mit dem deutschen Chansonnier Tommy Mammel, wodurch dann zunächst für ein Jahr die Miete für das Theater La Lune gesichert sein soll.

Bleiben für Julianna Herzberg drei Monate – Juli bis September – zu überbrücken. „Wir bräuchten im Monat 1000 Euro“, sagt sie. „Wir brauchen dafür und darüber hinaus dringend Sponsoren oder private Förderer.“ Und natürlich viele Besucher der Veranstaltungen im La Lune, zum Beispiel des Konzerts der Archaic Blues Band am Freitag, 12. Mai, um 20 Uhr. Serviert wird dazu amerikanische Süßkartoffelsuppe (www.theaterlalunestuttgart.de).

Redaktion Stuttgart-Ost

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Jürgen Brand
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