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Der anonyme Urheber fühlt sich sicher: Neuauflage in Backnang oder Echterdingen angekündigt.

Backnang/Stuttgart - Noch ist der Unbekannte ein Phantom, das der Polizei eine lange Nase dreht. „Die bekommen mich schon nicht“, prahlt der Urheber einer jener Massenaufläufe, die per Schneeballsystem übers Internet organisiert werden. Am 27. Juli soll die nächste wilde Party nach dem Vorbild des Kinofilms „Project X“ stattfinden. Mehr als 5000 Jugendliche wollen wieder nach Backnang kommen. Zur Debatte standen auch Leinfelden-Echterdingen, der Max-Eyth-See in Stuttgart oder Fellbach-Oeffingen. Natürlich alles ungenehmigt.

Offenbar ist dem Urheber egal, dass er nebst Sachschäden immense Polizeikosten verursacht hat und die Rechnung zahlen muss, wenn er erwischt wird. Er fühlt sich anonym genug auf der Facebook-Plattform. Dabei hinterlässt er im Internet durchaus Spuren: Am 17. Juni hat er ­namentlich bekannte Leute fürs Fernseh­gucken des EM-Spiels Deutschland – Dänemark in der Traubenstraße im Stuttgarter Westen zusammengetrommelt. Die Namen der Beteiligten sind bekannt.

Jetzt aber wird am großen Rad gedreht – angeblich, damit „Jugendliche mehr Rechte in Deutschland bekommen“. 20.000 Partyhungrige wollten am vergangenen Samstagabend in den Plattenwald nach Backnang kommen. Trotz massiver Verbote und Androhung von 1000 Euro Ordnungsgeld waren es immer noch 1000 junge Menschen. 300 Polizeibeamte waren nötig, um die Eskalation zu vermeiden. Immerhin: Ein Unwetter beendete den Spuk. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagt Klaus Hinderer, Sprecher der Waiblinger Polizeidirektion. Dann, meint ein Facebook-Schreiber, „wäre Backnang eskaliert“.

Initiatoren der Aktionen werde man die Kosten für den Einsatz in Rechnung stellen

Noch werden die Kosten des Einsatzes ermittelt. Hinderer nennt einen Betrag von „mindestens 100.000 Euro, es könnte aber auch noch um einiges nach oben gehen“. Die Stadt Backnang rechnet noch, sammelt Erkenntnisse der Hilfskräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Deutscher Lebensrettungsgesellschaft, Ordnungsamt und Bauhof. Wohl erst am Donnerstag, so Rathaussprecher Hannes Östreich, habe man die Aufstellung beisammen. Die Summe liege „mindestens im fünfstelligen Bereich“.

Polizeisprecher Hinderer gibt sich „optimistisch, dass wir die Initiatoren der Aktionen identifizieren können“. Diesen werde man dann die Kosten für den Einsatz in Rechnung stellen. Sonst müssten die Polizei und die Stadt und somit letztlich der Steuerzahler dafür aufkommen.

Die Polizei ist bei ihren Ermittlungen bisher wenig erfolgreich

Nachsicht gibt es keine mehr. Zwar waren fürs Wochenende 1000 Euro Ordnungsgeld angedroht worden, sollte man an der Party trotz Verbots teilnehmen. Tatsächlich hat die Polizei, wie es auf Nachfrage heißt, am Samstagabend kein derartiges Bußgeld einkassiert. Anders verhält es sich mit Straf­taten wie dem Bengalofeuer. Dem ermittelten Täter droht eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper hält derartige Partys für einen „echten zivilisatorischen Rückschritt“.

Die Polizei ist bei ihren Ermittlungen bisher wenig erfolgreich. Am 8. Juni war eine private Geburtstagsparty im Leinfelden-Echterdinger Stadtteil Musberg außer Kontrolle geraten, weil der Termin über Facebook verbreitet worden war und 400 ungebetene Gäste angelockt hatte. 32 Polizeistreifen mussten anrücken. „Der Urheber ist nicht ermittelt worden“, sagt Esslingens Polizeisprecher Matthias Bellmer. Er hätte sonst eine Rechnung von 10.000 Euro für den Polizeieinsatz zahlen müssen.